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Kabarettist Severin Groebner befragt sein Publikum

Schokoriegel oder Baby-Windeln – viele Produkte werden vorab von Konsumenten getestet. Aber Witze? Manche Kabarettisten testen auch ihre Pointen, bevor sie auf den Markt kommen. So zum Beispiel auch Severin Groebner.

Der kleine Raum im Hinterhof ist brechend voll. Es ist heiß. Menschen sitzen dicht gedrängt auf Bierbänken, Barhockern oder Kisten. In der Buchhandlung Schutt in Frankfurt wirkt alles ein bisschen provisorisch.

Aber alle, die hier sind, haben sich auf etwas eingelassen: Der Kabarettist Severin Groebner testet hier sein neues Programm vor der eigentlichen Premiere. Das heißt, er liest viele Texte noch vom Blatt ab, verspricht sich auch mal. Und: Er nimmt die Reaktionen des Publikums mit einem kleinen Audio-Rekorder auf.

Feedback-Bögen beim Kabarett-Programm

Solche Testläufe sind unter Kabarettisten üblich, versichert Groebner: "Keiner geht mit dem Programm auf die Bühne, was er zum ersten Mal spielt." Alle hätten es schon irgendwo heimlich ausprobiert: bei einem Freund in der Scheune oder vor Test-Publikum.

Natürlich hat der gebürtige Wiener nach über 20 Jahren Bühnenerfahrung ein Gefühl dafür, was ankommt. Bei seinem Song "Rentner auf E-Bikes" zum Beispiel, ist er sich schon vor dem Testlauf sicher.

Aber weit entfernt von Marktforschung

Für sein neues Programm "ÜberHaltung" hat er zum ersten mal seit 20 Jahren keinen Regisseur engagiert. Deshalb war es ihm umso wichtiger, vorher sein Publikum zu befragen. Von Marktforschung sei er zwar weit entfernt, betont der Kleinkünstler, aber er habe diesmal sogar Feedback-Bögen ausgeteilt.

Was verspricht er sich davon? "Herauszufinden, was den Leuten gar nicht gefällt," sagt er spontan. Denn was ankommt, höre man ja am Applaus und an den Lachern. Aber was gar nicht gefällt, das sei schwieriger zu hören.

"Ein gutes Programm funktioniert wie ein gutes Abendessen"

Die hat er mittlerweile ausgewertet. Jede Programmnummer hat Severin Groebner mit den Einschätzungen seiner Test-Gäste abgeglichen. Und festgestellt, dass noch vieles überarbeitet, gekürzt oder umgestellt werden muss.

Denn dem Kabarettisten kommt es nicht nur auf Lacher an. Es ginge auch darum, das Programm von der Dramaturgie her perfekt abzustimmen. "Ein gutes Programm funktioniert wie ein gutes Abendessen," sagt er und grinst verschmitzt. Es gebe mehrere Gänge, die einander ergänzen und nicht im Weg stehen.

Texte wie Kartoffelknödel

Tiefsinnigere Texte zum Beispiel seien wie schwerverdauliche Speisen, "und wenn man merkt, dass zu viel Kartoffelknödel im ersten Teil sind, dann muss man den ersten Teil umbauen." Auch auf eine schöne Wein-Begleitung komme es an – in seinem Fall: Songs.

Mindestens ein Jahr braucht Groebner, bis so ein Programm steht. Erst ist da eine Grundidee, aus der ein Titel und ein Plakat entwickelt wird. Dann wird der Premierentermin gesetzt und Auftrittsmöglichkeiten werden angefragt. Alles erstmal eher Verwaltung und noch sehr entspannt.

Die letzten vier Wochen sind die "Hölle zum Quadrat"

"Und irgendwann, je näher man der Premiere kommt, stellt man fest: Man muss ja diesen Text, den man da präsentieren will, auch schreiben." Auch die Musik muss komponiert, umgeschrieben, geprobt und nochmal umgeschrieben werden. Für ihn fühlt es sich dann so an, als stake er durch einen kniehohen Sumpf.

In diesem Sumpf steckt der Kabarettist gerade. Die Premiere ist schon Mitte September. Die letzten acht Wochen sind für ihn die Hölle, die letzten vier "Hölle zum Quadrat", sagt Severin Groebner und zieht ein verzweifeltes Gesicht. "Die letzte Woche darfst du mich nicht treffen. Da ist man einfach kein netter Mensch."

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Die Premiere des neuen Programms "ÜberHaltung" ist am 16.9. in Wien. In Frankfurt ist der Kabarettist am 21.9. im Stalburgtheater mit seinem alten Programm "Gut möglich" zu sehen.

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