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Wie vier junge Künstler mit Comedy und Poetry Slam auf Krisen reagieren

Belastende Themen gibt es im Moment viele. Wege, ihnen zu begegnen, auch. Vier Künstlerinnen und Künstler haben sich für Poetry Slam und Comedy entschieden und erklären, warum.

Mentale Gesundheit, Pflegenotstand, Klimawandel oder sexuelle Identität - die Auseinandersetzung damit kann belastend sein. Vier junge Künstlerinnen und Künstler verraten, wie sie diesen Themen ihrer Zeit begegnen. Ihre Ausdrucksformen sind poetische Texte, die sie auf Poetry Slams teilen oder als Comedy-Performances auf der Bühne. Sie erzählen, wie das Schreiben und Performen helfen kann und wie die Bühne sie so emotional werden lässt, dass dort auch mal geweint wird.

Samuel Kramer, 26, aus Gießen, dichtet über die Klimakrise

Samuel Kramer beschäftigt sich mit der globalen Klimakrise und engagiert sich für den Klimaschutz. Die Gefühle dazu drückt Samuel durch das Gedichteschreiben aus.

Samuel Kramer

"Die politische Verantwortung ist das Wichtigste. Letztlich wird die Klimakrise auf der Straße, in den Wahlkabinen entschieden und ganz sicher nicht im Gedichtband. Beim Schreiben will ich Dinge sagen, die im alltäglichen Leben keinen Platz finden. Dinge, die ich in einer bestimmten Radikalität oder auch Unklarheit ausdrücken will. Da kann das ein Ventil sein. Und genau das ist auch eine Art von Protest.

Die Emotionen und Gedanken spürt man am stärksten in dem Moment, in dem ich wirklich auf der Bühne stehe und sehe, dass jemand das hört. Ich bin auch schon in Tränen ausgebrochen, nachdem ich Texte von mir selbst vorgetragen hatte, was merkwürdig ist, weil ich mich ja wirklich Stunden und Tage lang mit denen beschäftigt habe."

Lara Ermer, 26, aus Frankfurt, macht Comedy zur mentalen Gesundheit

Die 26-jährige Lara Ermer bringt die Themen mentale Gesundheit, Depressionen und Feminismus auf die Bühne - in Form von Comedy. Für sie hat dieser Zugang etwas Befreiendes.

Lara Ermer

"Wenn ich bemerke, dass mir als Frau Hass entgegenschlägt, kann es befreiend sein, gute Comedy daraus zu machen. Wenn jemand sich im Internet darüber aufregt, weil ich es gewagt habe, auf der Bühne über Menstruation zu sprechen und mir droht, mich abzustechen, dann ist das sehr lustig. Da hat sich jemand erst sehr doll vor Blut geekelt und will mich dann abstechen.

Hingegen sollte das Thema psychische Krankheiten nicht verharmlost werden. Ich hätte gerne, dass das - so albern es klingt - bei Comedy ernst genommen wird. Denn ganz viel wird verharmlost, gerade im Bereich psychische Krankheiten. Das ist ein gefährliches Problem. Wie zum Beispiel auf Instagram über Depressionen gesprochen wird, ist teilweise sehr schwierig, weil auf einmal alle möglichen Leute ständig Mental Health-Tipps geben."

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Poetry Slam im Kunstverein Familie Montez

Jeden dritten Mittwoch im Monat findet ein Poetry Slam im Kunstverein Familie Montez in Frankfurt statt. Der abendliche Schwerpunkt kann von emotionalen Gedichten bis hin zu musikalisch oder komödiantischer Dichtung variieren.

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Pauline Puhze, 22, aus Frankfurt, behandelt sexuelle Identität in Poetry Slams

Für Pauline Puhze ist klar: Sie möchte über sexuelle Identität sprechen, und zwar auf Poetry Slams. Vor drei Jahren hat die 22-Jährige festgestellt, dass sie bisexuell ist.

Pauline Puhze

"Ich trage Texte über Bisexualität am liebsten in ländlichen Regionen vor. Da hat man öfter das Gefühl, dass solche Auseinandersetzungen nicht so sehr angeboten werden. Da gibt es nicht an jeder Ecke irgendwelche Veranstaltungen, die auf Queerness hinweisen. Ich hatte ein Erlebnis, das war für mich so besonders und ich fühle mich immer noch geehrt, dass diese Person mir nach der Veranstaltung geschrieben hat.

Sie meinte, dass es für sie so wertvoll war, meinen Text zu hören, weil sie mit ihren Eltern da war. Und sie danach mit ihren Eltern über Bisexualität sprechen konnte, auf einer ganz anderen Basis. Sie musste es ihnen nicht erklären, sondern es gab schon Gesprächsanlass und sie konnte sich infolgedessen outen."

Leah Weigand, 26, aus Marburg, fasst das Gesundheitssystem in Worte

Leah Weigand hat eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht. Die schweren Bedingungen macht sie zum Thema ihrer Poetry Slam-Texte.

Leah Weigand

"Ich habe es hautnah mitbekommen, wie es in den Stationen ist: Personalmangel, Zeitdruck. Ich fand es so schmerzhaft zu sehen, dass man einen Beruf erlernt hat, den man so eigentlich gar nicht ausüben kann, weil die Bedingungen dafür gar nicht gegeben sind. Es ist sehr unbefriedigend, dass man gute Pflege gar nicht leisten kann.

Das Schreiben ist meine Psychohygiene. Ich kann relativ schnell im Publikum erkennen, wenn da auch Pflege-Kolleginnen oder -Kollegen sitzen. Da fühlt man sich direkt verbunden mit dem Publikum und das ist ein sehr schönes Gefühl. Aber ich habe nicht den Größenwahnsinn, dass ich glaube, ich kann mit meinen Texten die Welt verändern."

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