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Streit um Bogenschießparcours in Mörlenbach

Bogen spannen, zielen und auf Plastiktiere schießen: Seit dem Sommer gibt es den Bogenschießparcours im Wald bei Mörlenbach. Doch jetzt schlagen Naturschützer Alarm - auch weil der Parcours im Wald lebende Tiere gefährde.

Wer nichtsahnend durch den Wald bei Mörlenbach-Ober-Liebersbach (Bergstraße) streift, kann sich plötzlich einem Puma gegenüber sehen. Keinem echten freilich, auch wenn er sehr echt aussieht. Der Puma aus Spezialkunststoff ist eines von über 30 lebensnah gestalteten Tierimitaten, die in dem Wald als Ziele auf einem Bogenschießparcours aufgestellt sind.

Parcours blieb zunächst unbemerkt

Wildschweine, Waschbären mit aufgemalten Zielscheiben – die sogenannten 3D-Ziele bieten dem Freund (oder der Freundin) des Bogenschießens in natürlicher Umgebung vermutlich mehr Abwechslung als die bunten Scheiben vor Strohmatten. Bisher hat die im Juni eröffnete sieben Kilometer lange Strecke ein unscheinbares Dasein geführt. Jetzt erhitzt sie die Gemüter.

Anwohner wurden auf den Parcours aufmerksam, darunter auch ein Mitglied des Naturschutzverbands BUND Bergstraße. Der informierte Kreisverbandsvorsitzende Hans-Jörg Langen verfasste daraufhin eine Protestschrift, in der er die "umgehende Stilllegung" der Anlage fordert, die seiner Meinung nach niemals hätte genehmigt werden dürfen, unter anderem, weil sie Wildvögel bedrohe.

BUND: Anlage bedroht Habicht und Waldschnepfe

"Störempfindliche Vögel wie Waldschnepfe, Schwarzspecht und Habicht haben hier ihre Brutreviere", erklärt der Experte. An Wanderer seien die Tiere gewöhnt. "Aber wenn da auf seitlichen Wegen einer durchschleicht, um zu seinem aufgebauten Ziel zu kommen, beeinträchtigt das das Brutverhalten deutlich."

Der BUND führt zudem Sicherheitsbedenken an. Es gebe auf der Anlage keine Fangzäune oder Schutzwälle. "Im Sinne des Schutzes von Waldbesuchern und Wanderern ist ein Konzept mit umfänglichen Sicherheitsvorkehrungen zu erarbeiten und umzusetzen", fordert der Verband in seiner Mitteilung.

Betreiber sieht keine Sicherheitsprobleme

Anlagenbetreiber Carsten Weber kann solche Bedenken nicht nachvollziehen. Die Stationen, die sich nahe der regulären Wege befinden, seien nach den Sicherheitsleitlinien des Feldbogenverbandes aufgebaut, sagt er. Wanderer und Schützen würden sich gegenseitig sehen. Und verirren könne sich ein Pfeil nicht.

"Durch die Topographie ist der Pfeilfang auf jeden Fall gewährleistet", beteuert Weber. Die Menschen, die seine Anlage vor allem nutzen, seien außerdem Sportschützen mit eigener Ausrüstung. "Die wissen, was sie tun." Nichtsdestotrotz habe er einen Sachverständigen damit beauftragt, die Sicherheit zu prüfen. Das Ergebnis stehe noch aus.

BUND-Kreisverbandsvorsitzender Langen hat sich den Parcours noch nicht persönlich angeschaut, wie er einräumt. Doch er fühlt sich übergangen. "Da gibt es zuständige Stellen, die sind alle nicht beteiligt worden." Neben dem Naturschutz seien das auch die für Baurecht und Sicherheit zuständigen Behörden.

Gemeinde wusste von nichts

Auch die Gemeinde fühlt sich durch die Schaffung und Inbetriebnahme des Parcours überrumpelt. Niemand habe davon gewusst, sagt Michael Lellbach vom örtlichen Bauamt. Baurechtliche Vorschriften seien zwar nicht verletzt worden, aber auch Lellbach äußert große Sicherheitsbedenken.

"Ich habe Bauchweh, wenn ich daran denke, dass da ohne Aufsicht im Wald auf Figuren geschossen wird", sagt er. "Pilzsucher, spielende Kinder, jeder kann den Wald betreten." Es gebe lediglich hier und da kleine Hinweisschilder in Bodennähe, die auf den Parcours aufmerksam machten - aber auch das nicht flächendeckend.

Keine rechtliche Handhabe für Schließung

Allerdings seien der Gemeinde die Hände gebunden. "Wir suchen momentan nach ordnungsrechtlichen Möglichkeiten, der Sache Einhalt zu gebieten, wenigstens bis alles geklärt ist." Eine Schließung durchsetzen könnten aber nur die Polizei oder etwa die Naturschutzbehörde des Kreises. Doch da sei bislang nichts passiert.

Lellbach betont, dass er sportliche Aktivitäten in der Natur prinzipiell befürworte. Die Bogenschießanlage könne eine Attraktion in der Region werden. "Das kann man supergut vermarkten." Doch das müsse alles zuvor geprüft und genehmigt sein, sowohl was die Sicherheit als auch, was den Naturschutz betrifft.

Betreiber würde auch umbauen

Weber glaubt nicht, dass sein Parcours Tiere stört, gibt sich aber kompromissbereit. "Wenn an irgendeiner Stelle der Naturschutz eingeschränkt wird, dann baue ich da um." Eine Station sei schnell ab- und anderswo wieder aufgebaut.

Vielleicht kann ein gemeinsames Treffen aller Beteiligten die verfahrene Situation klären. Zu einem Ortstermin haben sich alle bereit erklärt, allein ein Datum wurde noch nicht gefunden. Neben Weber, BUND und Gemeinde sollen auch Vertreter von Forstamt und Naturschutzbehörde daran teilnehmen.

Vorerst "Alle ins Kill"

So lange er kann, will Weber seinen Parcours aber geöffnet lassen. Vorerst heißt es daher in Mörlenbach gemäß dem 3D-Schützengruß weiterhin: "Alle ins Kill".

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