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Höhlentaucher trainieren in Bergwerk

Höhlentaucher unter Wasser

In der namibischen Drachenhauchhöhle liegt der größte unterirdische See der Welt. Ein Team deutscher Höhlentaucher will in das etwa 200 Meter tiefe Gewässer vorstoßen - und hat dafür in einem Bergwerk bei Willingen das letzte Training absolviert.

Mit riesigen Scheinwerfern, 70 Kilogramm schweren Atemgasflaschen und eingepackt in einem dicken Neoprenanzug stapft ein Taucher nach dem anderen auf den Schachteingang zu. Sie befeuchten sich kurz das Gesicht, dann stoßen sie sich hinab in die Tiefe.

Tom Baier steht daneben und brüllt Anweisungen hinterher. Der Teamleiter der Höhlentaucher weiß: Bei der bevorstehenden Expedition darf es keine Fehler geben. "Wir haben da ja wirklich widrige Bedingungen", sagt er. "Wir haben kein Telefon vor Ort, es gibt auch keinen Strom, wir müssen auf alles vorbereitet sein."

Drei Taucher sitzen vor einem Höhleneingang im Bergwerk bei Willingen

Hinab in den "Atem des Drachen"

Im Juni wollen die acht Taucher, die hier im Willinger Bergwerk ihre letzte Übung absolvieren, 200 Meter tief in die namibische Drachenhauchhöhle abtauchen. Seit etwa drei Jahren sind Baier und sein Team bereits in Namibias Hochland aktiv und erforschen Höhlen, diese Expedition wird ihre bisher größte.

Das Objekt der Erkundung sei spektakulär, so Baier: "Mitten im kargen Gebirge geht es durch ein etwa 50 mal 80 Zentimeter großes Loch. Dann öffnet sich nach 250 Metern Kletterei unten ein Höhlensystem in der Größe von zwei bis drei Fußballfeldern."

Die Taucher sitzen in einem Kreis, Tom Baier zeichnet auf eine Tafel

Weltweit größter unterirdischer See

Darin liegt der größte unterirdische See der Welt. Was genau die Taucher in den Tiefen des Gewässers finden, ist aber noch unklar. Denn bisher ist der See erst bis zu einer Tiefe von 132 Metern, also etwa zur Hälfte, erkundet.

In einer ähnlichen Mission hatten die Taucher vor ein paar Jahren etwa 25.000 Jahre alte menschliche Knochen und Trinkgefäße gefunden. Diese hätten noch aus der Zeit gestammt, in der die unterirdischen Höhlen aufgrund der Eiszeit trockenlagen und Menschen zugänglich waren.

Zwei knochen werden mit einem Maßband unter Wasser vermessen.

Erforschen und dokumentieren

Hauptaugenmerk der Taucher liegt aber auf der Frage, ob es eine Verbindung in andere Höhlen der Regionen geben könnte. "Vielleicht ist das ein geschlossenes System, das wäre natürlich schon eine spannende Geschichte", sagt Baier.

Das Ganze soll spektakulär dokumentiert werden. Wie Kamera und Licht dabei zusammenspielen müssen, das haben die Taucher nun im Bergewerk Schwalefeld bei Willingen (Waldeck-Frankenberg) trainiert - neben einem medizinischen Notfall.

Drei Männer sitzen im Wasser, einer liegt vor ihnen auf dem Rücken und scheint bewusstlos.

Verletzungen oft Todesurteil

"Vom Abstürzen bis zum Dekompressionsunfall oder Dehydratation - passieren kann da unten natürlich eine Menge", sagt Tom Baier im Gespräch mit hessenschau.de. Zudem sei die nächste namibische Stadt hunderte Kilometer entfernt, eine zeitnahe Versorgung nicht garantiert.

Wegen solcher Bedingungen gilt das Höhlentauchen in der Szene auch als Königsdisziplin des Gerätetauchens. Wenn ein Taucher sich verletzt, kann er nicht auftauchen, sondern muss den ganzen Weg zum Eingang zurücktauchen. Gerade die stundenlangen Dekompressionsphasen können einen verletzten Taucher das Leben kosten.

Ein Höhlentaucher steht in seiner Montur mit Gasflaschen und Helm im Höhleneingang.

Klettern, abseilen, filmen, tauchen

Vorsicht sei deshalb oberstes Gebot, die Übungen seien herausfordernd. Für die Rettungs- und Beleuchtungsübung bietet das vor etwa 50 Jahren mit Grundwasser vollgelaufene Schieferbergwerk beste Trainingsvoraussetzungen. Am Ende müsse jeder Handgriff sitzen, allein darauf habe sich das Team ein ganzes Jahr vorbereitet.

Ohne etwas zu sehen aus einer Unterwasserhöhle entkommen, in feuchten und trockenen Höhlen herumklettern, sich vom Sprungturm im Gießener Schwimmbad abseilen - um Höhlentaucher zu werden, müssten Neulinge mindestens zweihundert Tauchgänge erledigt haben. Andernfalls wären Einsätze wie der bevorstehende lebensgefährlich.

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