Amtsinhaber geht in Ruhestand Vier Kandidaten wollen Landrat im Lahn-Dill-Kreis werden

Der langjährige Landrat des Lahn-Dill-Kreises geht in den Ruhestand. Vier Kandidaten standen am Sonntag für seine Nachfolge zur Wahl, darunter zwei Bürgermeister.

Links die Hessenkarte mit Hervorhebung des Lahn-Dill-Kreises, links die vier Kandidaten
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Lahn-Dill-Kreis wählt neuen Landrat

Vogelperspektive des Lahn-Dill-Kreises
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Themen der vergangenen Jahre im Lahn-Dill-Kreis mit seinen rund 260.000 Einwohnern waren unter anderem die Schließung der Geburtsstation in den Lahn-Dill-Kliniken, die Unterbringung von Geflüchteten, die Schließung von Continental und der Verkauf von Buderus in Wetzlar.

Nun geht der langjährige SPD-Landrat Wolfgang Schuster mit 66 Jahren in den Ruhestand. Für seine Nachfolge bewarben sich am Sonntag vier Kandidaten.

Carsten Braun (CDU)

Landratswahl Lahn-Dill-Kreis
Carsten Braun (CDU) Bild © Carsten Braun

Der gebürtiger Herborner ist seit 2016 Bürgermeister der Gemeinde Driedorf, wo er mit Frau und zwei Söhnen lebt. Zuvor war der 46-Jährige bei der hessischen Polizei.

Braun sieht dringenden Reformbedarf in der Organisationsstruktur der Kreisverwaltung, wie der gelernte Diplom-Verwaltungswirt auf hr-Anfrage mitteilt. "Die fünf Fachbereiche erfordern einen vergleichsweise hohen Personal- und Abstimmungsaufwand", betont Braun. Er will Strukturen verschlanken und Verwaltungsabläufe optimieren.

Ein weiterer Schwerpunkt sollen die Schulen und Berufsschulen im Kreis sein, für die er "gute Rahmenbedingungen" erhalten beziehungsweise schaffen will, genauso wie "verlässliche und gute Betreuungsstrukturen". Dafür will er seine Erfahrungen als Bürgermeister auf Kreisebene einbringen.

Außerdem auf Brauns Agenda: Er will unter anderem den Tourismus ankurbeln, die Gesundheitsversorgung durch bessere Verzahnung der stationären und ambulanten Angebote stärken, den Katastrophenschutz handlungsfähig halten und die Infrastruktur des Kreises sichern. Bei der Finanzierung all dieser Maßnahmen will er mit den 23 umlagepflichtigen Städten und Gemeinden zusammenarbeiten.

Frank Inderthal (SPD)

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Frank Inderthal (SPD) Bild © Frank Inderthal

Frank Inderthal lebt in Solms, wo er seit 13 Jahren Bürgermeister ist. Der 51-Jährige ist gelernter Diplom-Verwaltungswirt und hat früher als Beamter beim Land Hessen gearbeitet.

Dem dreifachen Vater ist der Katastrophenschutz und dessen Ausbau besonders wichtig. "Die letzten Jahre und auch aktuell wieder die vergangene Woche haben uns deutlich gemacht, wie nahe uns Gefahren wie Überschwemmungen, Starkregenereignisse oder auch Waldbrände sind", sagt Inderthal.

In der Kreisverwaltung will er die Digitalisierung der Verwaltung voranbringen, um mit "kurzen Wartezeiten guten Service für Bürger" zu bieten. Die Digitalisierung will er auch in Schulen weiter vorantreiben, die Schulen entsprechend ausstatten und flächendeckende Ganztagsangebote ausbauen. Um die Transformation etwa der Stahl- und Autozuliefererindustrie aktiv zu gestalten, will er alle wichtigen Akteure "an einen Tisch bringen".

Im Gesundheitsbereich will er sich für die Versorgung mit ortsnahen Hausarztpraxen stark machen. Gleiches gelte für die medizinische Versorgung in den Lahn-Dill-Kliniken an den Standorten Wetzlar, Dillenburg und Braunfels.

Christopher-Ray Lenz (Die Partei)

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Christopher-Ray Lenz (Die Partei) Bild © Oli Förster

Christopher-Ray Lenz ist seit zehn Jahren Mitglied der Satirepartei "Die Partei" und nennt sich selbst "Gottkaiser von Hüttenberg". Außerdem sitzt er in der Stadtverordnetenversammlung Wetzlar.

Seine möglichen ersten Schritte als neuer Landrat skizziert er auf hr-Anfrage wie folgt: "Wenn ich zum Landrat gewählt werde, was für mich - mangels ernstzunehmender Alternativen - außer Frage steht, werde ich erst einmal einen richtig schönen, langen Sommerurlaub machen."

Ein paar Wochen auf Sylt habe er sich nach dem anstrengenden Wahlkampf "redlich verdient", findet der 35-Jährige. "Der Pöbel mag dies für vermessen halten, aber sind wir mal ehrlich: Ich bin nur Landrat, wem soll das bitte auffallen, ob ich im Kreishaus oder am Strand sitze?"

Im weiteren Verlauf seiner Amtszeit sei das Motto "Prokrastinieren und delegieren", was auch eines Tages auf seinem Grabstein stehen werde. Bekannte aus seinem Freundeskreis will er als "Experten" fürstlich bezahlen "und ihre wildesten Phantasien im Kreis ausleben lassen". Zitat Christopher-Ray Lenz: "Mein persönlicher Fokus liegt auf Buffets, Hände schütteln und für pressewirksame Fotos posieren."

Thassilo Hantusch (Die Heimat, ehemals NPD)

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Thassilo Hantusch Bild © Thassilo Hantusch

Thassilo Hantusch ist seit 2016 Kreistagsabgeordneter im Lahn-Dill-Kreis. Er wolle als Erstes die Wiedereröffnung der Geburtsstation in Dillenburg anstreben, schreibt der Vater zweier Kinder auf hr-Anfrage.

Die Geburtsstation in Dillenburg sei ihm eine Herzensangelegenheit. "Geburten sind im Regelfall selten planbar", sagt Hantusch. "Mit dem Wegfall der Geburtsstation ist eine große Versorgungslücke im alten Dillkreis entstanden."

Die Menschen müssten jetzt zu weit fahren, was wichtige Zeit koste. "Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, zügig in die nächste Geburtsklinik zu kommen." Er wolle Eltern und Kindern einen sicheren Start ermöglichen.

Als Landrat werde er "komplett andere Prioritäten" setzen als die bisherigen Amtsinhaber, sagt Hantusch in einem Interview, das auf der Website seiner Partei veröffentlicht ist. Mit den "ständigen Zuweisungen" von Asylbewerbern komme der Kreis an seine Grenzen.

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Redaktion: Sonja Fouraté

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.06.2024, 19.30 Uhr

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Quelle: hessenschau.de