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Radprofi Jonas Rutsch: 2022 vom Pech verfolgt

Es sollte eigentlich sein Jahr werden. Nach einem starken 2021 und einer guten Vorbereitung erwarteten viele den Durchbruch von Jonas Rutsch. Dann setzte es einen Tiefschlag nach dem anderen.

2021 hatte Jonas Rutsch bei der Tour de France und einigen Radklassikern überzeugt. Es machte den Eindruck, als würde der 24-Jährige kurz vor dem endgültigen Durchbruch stehen, 2022 sollte sein Jahr werden. Stattdessen wird es eine Aneinanderreihung gesundheitlicher Rückschläge und Unfällen – bis auf einen sportlichen und privaten Höhepunkt auf den Champs-Elysees in Paris.

Im Winter hatte er Kilometer geschrubbt, bei Wind und Wetter mehrere Stunden auf dem Rad verbracht. Vor dem Saisonbeginn erwischte Jonas Rutsch aber eine Corona-Infektion: "Normalerweise hat man sich eine Form antrainiert, man hat den Motor, um die Rennen zu fahren. Und das ist nach Corona komplett weg, weil ja der Körper einfach geschwächt ist."

Dementsprechend mau läuft es für Rutsch in den ersten Rennen der Saison: "Ich fahre zum ersten Rennen hin und weiß, das wird jetzt nicht laufen, weil ich Corona hatte. Das zweite Rennen läuft dann auch nicht. Und dann dachte ich: Ich muss jetzt mal wieder an mein Level rankommen."

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Jonas Rutsch – sein bewegtes Jahr 2022 | hessenschau Sport 28.12.2022

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Comeback zerschellt an Bodenwelle

Rutsch beißt sich zurück, steht am 17. April beim Radklassiker Paris-Roubaix an der Startlinie. Ein brutales Eintagesrennen, Kopfsteinpflasterpassagen und Staub oder bei Regen auch Matsch setzen den Radprofis zu. Rutsch liegen diese Rennen, er fühlt sich nach seiner Infektion zum ersten Mal seit langem wieder richtig fit. Aber die harte Strecke fordert ihren Tribut: "Ich fahre über diese Bodenwelle drüber und es hebelt mir die Kette raus, sie fällt runter und verkeilt sich zwischen Rahmen und Kettenblatt. Dann stand ich da drei Minuten und das Rennen ist für mich gelaufen."

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„Da kollabiert alles. (...) Man kriegt große Lust, das Fahrrad zu nehmen und irgendwo hinzuschmeißen.“ Jonas Rutsch Jonas Rutsch
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Mental ist es ein Schlag in die Magengrube, erinnert sich Rutsch: "Da kollabiert alles. Ich habe mich auf dieses Rennen vorbereitet, und ich habe es auch geschafft, trotz der Widrigkeiten auf den Punkt fit zu sein. Und jetzt fliegt mir hier die Kette runter. Da kriegt man auch große Lust, das Fahrrad zu nehmen und irgendwo hinzuschmeißen."

Qualvolle Tour de France

Das Rennen fährt er zu Ende. Groß darüber nachdenken kann er nicht: Es geht in die Vorbereitung auf den Höhepunkt der Saison. Die Tour de France ist das Größte, was ein Straßenrad-Profi fahren kann. Die erste Etappe steigt im verregneten Kopenhagen, Rutsch ist für sein Team EF Education First am Start: "Vor der Tour hatte ich ein sehr gutes Bauchgefühl. Ich bin hochmotiviert da hingefahren."

Auf dem nassen Asphalt passiert es dann aber: "In der einen Linkskurve, wo es bestimmt zehn, zwanzig Fahrer geschmissen hat, hat es mich auch geschmissen. Bei dem Sturz hab ich mir gleich noch das Kettenblatt hinten in die Wade reingehauen." Ohne diesen Zeitverlust wäre Jonas Rutsch ganz vorne mitgefahren. Die darauffolgenden Etappen ist er nicht wiederzuerkennen, schleppt sich ins Ziel. Rutsch selbst vermutet einen Infekt, bis heute ist unklar, was los war.

Happy End in Paris

Aber: Jonas Rutsch kämpft sich zurück und fährt bei der letzten Etappe in Paris ins Rampenlicht. Lange führt er das Rennen mit einer Ausreißergruppe an, wird erst kurz vor dem Ziel eingeholt. Eine couragierte Leistung, ein versöhnliches Ende einer verkorksten Tour de France. Ein noch bedeutenderes Happy End passiert aber hinter der Ziellinie, erzählt Rutsch: "Ich habe mir meine persönliche Tour versüßt. Ich habe meiner jetzt Verlobten einen Heiratsantrag gemacht, und den hat sie glücklicherweise angenommen. Sonst würde ich wahrscheinlich immer noch da sitzen und heulen."

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Mit seiner Verlobten hat Rutsch ein Haus in der Nähe von Miltenberg gekauft. In Unterfranken gibt es viele Landstraßen und wenig Verkehr – beste Trainingsvoraussetzungen. Und wenn Jonas Rutsch im nächsten Jahr auch nur halb so wenig Pech hat wie 2022, dann könnte es ein ganz großes werden.

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