Am 24. Dezember wird der Platz nicht ganz so voll: Willingen feiert Weihnachten mit Open-Air-Gottesdienst.

Am Freitagabend platzte die Meldung heraus, dass Willingen und Winterberg ihren Status als Bundesstützpunkt Ski Nordisch verlieren. Nun soll es doch eine Förderung geben – für ein Jahr.

Audiobeitrag

Audio

Bundesstützpunkt Willingen wird 2023 gefördert - aber nicht anerkannt

Ende des Audiobeitrags

Die Verwirrung könnte größer nicht sein: Verliert Willingen seinen Status und auch die Förderung als Bundesstützpunkt zum Jahresende – oder nicht? Am Freitag gab das Innenministerium in Wiesbaden bekannt, dass der Status entzogen werden würde. Innenminister Peter Beuth (CDU) bezog sich auf ein Schreiben aus Berlin, das in seinem Haus am Nachmittag eintraf.

Dem hr liegt das Schreiben des zum Bundesinnenministerium (BMI) gehörenden Bundesverwaltungsamtes (BVA) vor, das am Freitag an die Ministerien sowie den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt verschickt wurde. Darin aufgeführt sind die anerkannten Stützpunkte sowie insgesamt drei Standorte, die leer ausgehen.

Als Begründung heißt es im Schreiben: Im "Ampelverfahren" sei mindestens ein negatives Votum abgegeben worden – im Fall Willingen und Winterberg durch das BMI. Die Standorte Altenberg (Sachsen) und Clausthal-Zellerfeld (Niedersachsen) werden ebenso nicht als Bundesstützpunkte anerkannt.

Status weg, doch Fördergelder fürs kommende Jahr

Auf hr-Nachfrage am Samstagmittag allerdings kamen andere Töne vom BMI: "Das Bundesinnenministerium hat die Förderung für den Standort gerade um ein weiteres Jahr verlängert. Wir werden den Standort auch im Jahr 2023 unterstützen." Man sei mit dem Bundesstützpunkt in einem sehr regelmäßigen Austausch zu einer dauerhaften Perspektive, sagte eine Sprecherin. "Wir sind sicher, dass wir im Zuge der anstehenden Reform der Spitzensportförderung eine gute Lösung finden - besonders für die betroffenen Athletinnen und Athleten." Also nun doch eine Förderung und eine Rolle rückwärts?

Mitnichten. Bei der Förderung für das kommende Jahr soll es sich um eine Übergangsfinanzierung handeln, wie ein Sprecher des hessischen Innenministeriums dem hr bestätigte. Dies schließe Förderungen für Trainerinnen und Trainer sowie Athletinnen und Athleten ein. Dennoch verliert der Standort seinen Status zum Jahresende, erhält aber noch im kommenden Jahr Fördergelder.

Das Bundesinnenministerium fördere die Trainer am Olympiastützpunkt mit 26.500 Euro und die Trainingsstätte 2023 mit mindestens 37.000 Euro, heißt es aus dem BMI. Dazu komme ein Betrag aus der Verbandsförderung des Ministeriums.

Irritationen in Willingen

Diese Informationen soll das Ministerium in Wiesbaden aber erst nach dem Schreiben aus Berlin erhalten haben – und damit nach der Wortmeldung von Beuth. In Willingen erfuhren die Verantwortlichen am Freitag vom hr über die Standort-Pläne. Stützpunkt-Leiter Thomas Berghoff sagte: "Ich hätte damit gerechnet, dass wir eine Information vorab bekommen." Berghoff zufolge trainieren derzeit um die 40 Athletinnen und Athleten in Willingen in der Talentförderung, dazu kämen drei Bundeskaderathleten.

Auch am Samstag zeigte man sich in Willingen noch irritiert über die Kommunikation. "Das hat uns überrascht", sagte Berghoff am Samstag gegenüber dem hr. Man schaue nun, ob man 2023 einen Antrag für einen Nachwuchs-Stützpunkt stellen könne.

Politischer Streit: "Dreist" – ein "Foulspiel"

Im Hintergrund tobt ein ein politischer Streit – auch hier ist die Kommunikation ein Thema. Minister Beuth hatte sich am Freitagabend erbost gezeigt: "Dass solch eine weitreichende Entscheidung bewusst unmittelbar vor einem Feiertag mitgeteilt wird, ist dreist und stillos." Das Bundesinnenministerium habe dem Leistungssport im Upland "die Grundlage entzogen", sagte er in Richtung Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), gleichzeitig hessische SPD-Vorsitzende.

Der aus dem Hochsauerland stammende Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese (SPD) sprach von einer "Falschmeldung" und einem "Foulspiel" der hessischen Landesregierung und forderte den Rücktritt von Innenminister Beuth.

Denn Ministerin Faeser und er selbst hätten sich dafür eingesetzt, die Förderung für Willingen und Winterberg (Hochsauerlandkreis) noch um ein Übergangsjahr zu verlängern. "Ich bin guter Dinge, dass wir auch über den 31.12.2023 hinaus ein klares Bekenntnis zum Stützpunkt Winterberg/Willingen kommen werden", sagte Wiese am Samstag dem hr.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen