Schlag für den Wintersport in Hessen Willingen verliert Status als Bundesstützpunkt Ski Nordisch

Der Standort Willingen und Winterberg verliert seinen Status als Bundesstützpunkt Ski-Nordisch. Die Entscheidung aus dem Bundesinnenministerium schlägt in Hessen große Wellen. Die Art der Verkündung sorgt in Willingen für Kopschütteln.

Die Mühlenkopfschanze in Willingen
Die Mühlenkopfschanze in Willingen Bild © picture-alliance/dpa
  • Link kopiert!
Audiobeitrag
Bild © picture-alliance/dpa| zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Das Bundesinnenministerium hat beschlossen, dem Standort Ski-Nordisch in Willingen und Winterberg den Status als Bundesstützpunkt zu entziehen. Das wurde am Freitagabend durch eine Pressemitteilung des Hessischen Innenministeriums bekannt. Darin echauffierte sich Innenminister Peter Beuth (CDU) über die Entscheidung des SPD-geführten Ministeriums in Berlin und warf Amtskollegin Nancy Faeser vor: "Dass solch eine weitreichende Entscheidung bewusst unmittelbar vor einem Feiertag mitgeteilt wird, ist dreist und stillos."

Dem hr liegt das Schreiben des zum Bundesinnenministerium (BMI) gehörenden Bundesverwaltungsamtes (BVA) vor, das am Freitag an die Ministerien sowie den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt verschickt wurde. Darin aufgeführt sind die anerkannten Stützpunkte sowie insgesamt drei Standorte, die leer ausgehen. Als Begründung heißt es im Schreiben: Im "Ampelverfahren" sei mindestens ein negatives Votum abgegeben worden – im Fall Willingen und Winterberg durch das BMI.

In Willingen zeigten sich die Verantwortlichen gelinde gesagt irritiert von der Mitteilung aus dem hessischen Innenministerium. Denn Thomas Berghoff erfuhr davon in seiner Funktion als Leiter des Stützpunkts erst in einem Telefonat vom hr. "Ich hätte damit gerechnet, dass wir eine Information vorab bekommen", sagte Berghoff. "Deswegen hat es mich auch aus den Socken gehauen, auf Deutsch gesagt."

Kein Geld mehr für Trainer?

Wie im sauerländischen Winterberg entfällt somit künftig auch im nordhessischen Willingen die gesamte finanzielle Unterstützung des Bundes für hauptamtlich Beschäftigte, die in den Schwerpunktdisziplinen Ski nordisch und Biathlon den Wintersportnachwuchs sowie die Kader-Athleten betreuen. Winterberg und Willingen werden als ein Standort geführt. Die Standorte Altenberg (Sachsen) und Clausthal-Zellerfeld (Niedersachsen) werden ebenso nicht als Bundesstützpunkte anerkannt.

Berghoff zufolge trainieren derzeit um die 40 Athletinnen und Athleten in Willingen in der Talentförderung, dazu kämen drei Bundeskaderathleten. Darin liege auch das Problem: Kürzlich habe eine Hand voll Athleten aus dem Bundeskader den Standort verlassen. Damit, so Berghoff, sei Willingen knapp unter die für eine Förderung notwendige Grenze gerutscht. Man habe also mit Problemen gerechnet. "Wir hätten aber nicht gedacht, dass uns der Status als Stützpunkt entzogen werden würde."

Stützpunkt will sich gegen die Entscheidung wehren

Hessens Innenminister Beuth sagte: "Das Bundesinnenministerium hat heute dem Leistungssport im Upland die Grundlage entzogen. Der Stützpunkt, der Stephan Leyhe in die Weltspitze geführt hat und auch Jochen Behle beheimatet, hat durch diese Entscheidung seine nationale Bedeutung verloren." Die Entscheidung mache "fassungslos" und bedeute für die gesamte Region einen herben Rückschlag.

Wie groß der finanzielle Verlust für den Wintersport-Standort konkret sein wird, lässt sich laut Berghoff noch nicht beziffern. Er sagt lediglich: "Da müssen wir natürlich mit Einschränkungen rechnen." Zugleich werde man sich nicht einfach mit der Entscheidung abfinden. Noch übers lange Wochenende werde er mit seinen Kolleginnen und Kollegen am Standort über mögliche Schritte beraten, denn vor allem die Nachwuchsarbeit und perspektivisch auch Events wie das Skispringen in Willingen stünden vor einer ungewissen Zukunft: "Wir werden alles dafür tun, dieses Prädikat 'Bundesstützpunkt' doch zu erhalten."

Weitere Informationen

Sendung: hr-iNFO, 30.9.2022, 21 Uhr

Ende der weiteren Informationen

Quelle: hessenschau.de/Fabian Weidenhausen, Andreas Gerlach, dpa/lhe