Aaron Seydel

Gegen Kaiserslautern mutierte Lilien-Stürmer Aaron Seydel nach seiner überstandenen Hirnhautentzündung zum Matchwinner. Nun gab er Einblicke in seine Leidenszeit: "Ich konnte kaum reden, nichts essen, war stillgelegt."

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Aaron Seydel nach seiner Hirnhautentzündung: "konnte kaum aufstehen und essen"

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Es war der Schlusspunkt einer spektakulären Zweitliga-Partie. 2:0 führte der SV Darmstadt 98 am vergangenen Wochenende, um sich das Spiel von Kaiserslautern noch 2:3 aus der Hand nehmen zu lassen. Bis ein langer Ball Lilien-Stürmer Aaron Seydel erreichte, der den Ball gekonnt annahm und aus der Drehung zum 3:3-Endstand verwandelte. Ein denkwürdiger Abschluss eines mitreißenden Spiels.

Denkwürdig vor allem für Seydel, dessen Treffer nicht nur den Endpunkt der Partie darstellte, sondern auch den Endpunkt einer erstaunlichen Leidenszeit. Anfang Juli bekam der 26-Jährige die Diagnose Hirnhautentzündung, verbrachte zehn Tage im Krankenhaus und weitere Wochen zur Genesung zuhause. "Mittlerweile geht es mir nach der Erkrankung wieder gut. Ich habe mich gut erholt, bin wieder im Training, Ich denke, dass ich bald wieder bei 100 Prozent bin", sagte Seydel in einer Medienrunde am Mittwoch. "Aber die Erkrankung war sehr intensiv."

"Ich habe es gerade so in die Küche geschafft"

Meningitis, das meint eine meist durch Bakterien oder Viren ausgelöste Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Sie stellt immer einen medizinischen Notfall dar, je nach Ursache unterscheidet sich auch die Prognose. Oft wird sie mit einem Zeckenbiss assoziiert, bei Seydel war ein Virus die Ursache. Eigentlich die harmloseste Variante.

Wie sehr Seydel die Meningitis dennoch ausgeknockt hat, schilderte er mit drastischen Worten. "Ich hatte starke Kopfschmerzen in Stirn und Schläfe, ich konnte nichts mehr machen. Ich hatte Schwindel, war schwach. Ich habe es gerade so in die Küche geschafft, um ein Glas Wasser zu trinken, dann musste ich mich wieder hinlegen", sagte Seydel. "Ich war komplett stillgelegt, selbst reden konnte ich nur das Notwendigste. Auch das Handy zu bedienen, fiel mir schwer. Ich konnte drei, vier Tage kaum etwas essen. Es war echt ekelhaft", so Seydel weiter.

"Da ist man kleiner Junge und freut sich über sein Tor"

Er müsse froh sein, dass die Krankheit nicht noch schlimmer verlaufen sei, so Seydel. "Es klingt dramatisch, aber lebensgefährlich war es nicht. Andere Leute trifft die Krankheit härter." Dennoch hatte er auch nach dem Krankenhausaufenthalt noch mit der Erkrankung zu kämpfen. "Nach den zehn Tagen im Krankenhaus hatte ich auch noch eine Phase, in der ich zu kämpfen hatte. Normale Eindrücke wie Lautstärke oder Licht musste ich erst wieder einordnen lernen. Aber das ist überwunden."

Zum Glück für Seydel, zum Glück auch für die Lilien, denen nun ein weiterer Stürmer wieder zur Verfügung steht. Der seinen Wert mit dem Treffer gegen Kaiserslautern direkt wieder unter Beweis stellte. "Dafür spielt man Fußball. Drei Punkte wären besser gewesen, aber für mich nach so einer langen Zeit: Da ist man kleiner Junge und freut sich über sein Tor", so Seydel.