SV Darmstadt 98 Vilhelmssons neue Normalität

Der Saisonstart des SV Darmstadt 98 verlief eher holprig. Sturmtalent Oscar Vilhelmsson will in seinem zweiten Jahr bei den Lilien dafür sorgen, dass die Hessen bald den Turnaround schaffen.

Oscar Vilhelmsson
Oscar Vilhelmsson im Spiel gegen Eintracht Frankfurt Bild © Imago Images
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Im Hintergrund sieht man ein Fussballstadion, davor links das Logo von Bayer 04 Leverkusen und rechts das Logo von SV Darmstadt 98
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Ganz Darmstadt ist aktuell eine Baustelle. In der Innenstadt eine Umleitung nach der nächsten, gesperrte Fahrbahnen, Absperrungen und Bagger allerorten. Wer am Dienstag zum öffentlichen Training der Lilien möchte, braucht eine gute Ortskenntnis. Oder zumindest ein verlässliches Navi.

Baustellen gibt es auch beim SV Darmstadt 98 aktuell genug. In der Liga ist der Aufsteiger noch ohne Punkt, schleppt ein Torverhältnis von 2:10 mit sich herum, im Pokal schieden die Lilien gegen Viertligist Homburg aus. Entsprechend ernsthaft gehen die Spieler ihrer Trainingsarbeit nach, kurze Passformen, fünf gegen zwei, intensive Spiele auf verkürztem Feld, viele gelungene Aktionen und der ein oder andere Disput nach weniger gelungenen. Bei den Lilien geht es zu wie auf den Baustellen ringsum: Wo es noch holprig ist, soll durch harte Arbeit nachgebessert werden.

"Ich fühle mich angekommen"

Mittendrin: Oscar Vilhelmsson. Der 19-Jährige Schwede debütierte unlängst für die U21 seines Landes, zuvor schoss er sein erstes Bundesligator im Spiel gegen Bayer Leverkusen. Vielleicht ein Fingerzeig, dass in seinem zweiten Jahr in Deutschland alles besser werden wird als in seinem ersten, als der hochtalentierte Stürmer auch wegen zahlreicher Verletzungen nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinauskam. "Ich fühle mich angekommen. Es fühlt sich jetzt normal an, jeden Tag herzukommen", sagt er.

Die neue Normalität also, nicht wie im ersten Jahr, als er als 18-Jähriger plötzlich in einem fremden Land auf sich alleine gestellt war. "Ich habe eine gute Familie, die sich immer sehr um mich gekümmert hat. Dann war ich auf einmal allein, musste kochen, abwaschen und putzen. Das war eine ziemliche Umstellung", lacht er. "Ich glaube, seine Mutter hat für ihn in Schweden siebenmal am Tag essen gemacht", grinst Trainer Torsten Lieberknecht. Mittlerweile, so Vilhelmsson, könne er sogar sehr gut kochen, es mache ihm Spaß.

"Wir wussten, dass es schwer wird"

Vielleicht wirkt Vilhelmsson auch deshalb kräftiger, robuster als noch im Vorjahr. "Ich habe Muskeln und Gewicht zugelegt", sagt er. Gepaart mit seiner Dynamik und Abschlussstärke könnte er damit zu einem wichtigen Faktor für die Lilien werden.

Auch wenn der Saisonstart trotz Debüt-Tor eher durchwachsen verlief. "Wir wussten, dass es schwer wird. Aber wir sind nicht umsonst aufgestiegen. Wir sind eine gute Mannschaft und halten zusammen", so Vilhelmsson.

"Wir haben gegen sie gewonnen"

Diesen Zusammenhalt endlich in Punkte umzumünzen, wird die Aufgabe der Lilien am kommenden Sonntag (17.30 Uhr) sein, wenn Borussia Mönchengladbach anreist. Wie die bisherigen Gegner sei auch Gladbach eine starke Mannschaft. "Aber wir haben gegen sie im DFB-Pokal gewonnen", erinnert Vilhelmsson an den 2:1-Sieg aus dem Vorjahr.

"Ich saß damals nur auf der Bank, weil ich gerade aus einer Verletzung kam", sagt er. Diesmal möchte er mittun und dafür sorgen, dass die Gladbacher erneut mit leeren Händen den Heimweg vom Böllenfalltor antreten. Dafür aber vielleicht ja mit verlässlichem Navi.

Quelle: hessenschau.de/Stephan Reich