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Es gibt einige Eintracht-Clubs mit dem Adler

Collage aus einem roten Trikot, einer Coverseite eines Fußballmagazins, einem gelb-blauen Wimpel und einem Foto, auf welchem eine Menschenmenge eine riesige Fahne trägt - alle mit einem Logo auf Grundlage eines Adlers.

Eintracht Frankfurt ist einzigartig? Von wegen, es gab schon viele Eintracht Frankfurts im ganzen Land. Und den Eintracht-Adler benutzen gleich mehrere Klubs. Ein Streifzug durch die kuriose Welt der Eintracht-Doppelgänger.

Das Mysterium beginnt mit einer Anzeige bei Ebay. "Vintage Adidas Eintracht Frankfurt Shirt mit coolem Snickers Sponsor", steht dort. Der Autor dieser Zeilen, passionierter Sammler alter Eintracht-Kleidung, ist interessiert. "Ein must-have für jeden Eintracht-Fan. Ein offizielles Eintracht-Trikot, perfekt für Sammler", behauptet die Artikelbeschreibung. Das Trikot ist blau-weiß, vorne Adidas und der Snickers-Schriftzug, kein Wappen, aber tatsächlich, hinten auf dem Rücken der Schriftzug Eintracht Frankfurt. Und dann ein Schrägstrich und ein "O".

Von vielen Fußballvereinen denkt man ja, sie seien völlig einzigartig. Aber stimmt das zwangsläufig? Im ecuadorianischen Guayaquil gründeten katalanische Auswanderer einst den Barcelona SC, dessen Wappen exakt so aussieht wie jenes des FC Barcelona. In Simbabwe spielen die Harare Gunners, ein Klon-Verein der Gunners vom FC Arsenal. Aber dass es von einem Verein einfach einen zweiten exakt gleichen Namens gibt? Verwirrung. Irritation. Kopfkratzen. Wer ist denn jetzt gemeint, wenn es in der Hymne heißt: Nur du sollst heute siegen? Die Eintracht aus Frankfurt? Oder Blau-Weiß Vintage Snickers?

SV Eintracht Frankfurt/Oder

Was folgt, ist eine Recherche in die Untiefen des ostdeutschen Amateurfußballs. "Tatsächlich gab es mal einen Verein in Frankfurt an der Oder, der auch Eintracht hieß", weiß Mathias Thoma vom Eintracht-Museum. Mehr noch: Gegen den unterklassigen SV Eintracht Frankfurt/Oder spielte die hessische Eintracht sogar einmal, in einem Freundschaftsspiel 1993 vor 3.000 Zuschauern in Frankfurt an der Oder. Und auch wenn sich die Eintracht ja oft selbst der schwerste Gegner ist: Dieses Spiel gewannen die Hessen souverän mit 15:0.

2009 fusionierte der SV Eintracht Frankfurt/Oder mit einem Klub namens Hanse Frankfurt (der in der DDR unter dem schönen Namen Einheit Frankfurt firmiert hatte) zum MSV Eintracht Frankfurt. Sowohl von SV als auch von MSV findet man heute nur noch Spurenelemente im Internet, seit 2012 heißt der Klub nach einer erneuten Fusion 1. FC Frankfurt (Oder) und kickt in der Brandenburg-Liga, aus dem Adler im Wappen ist ein Hahn geworden. Genau genommen gab es mit dem SV Eintracht Frankfurt und dem MSV Eintracht Frankfurt aber zwei weitere Eintrachten im Land.

SV Eintracht Fockendorf und den SV Eintracht Blau-Gelb Peißen

Damit ist eine Recherche in Gang gebracht, die ganz Erstaunliches zu Tage fördert. "Es gab nicht nur Eintracht Frankfurt/Oder, es gibt auch Vereine, die das Wappen der hessischen Eintracht benutzen", sagt Thoma. Und damit Vorhang auf für den SV Eintracht Fockendorf und den SV Eintracht Blau-Gelb Peißen, zwei Amateurvereine aus Ostdeutschland.

Eintracht Frankfurt Doppelgänger

Besucht man die Internetseite Fockendorfs, begrüßt einen direkt ein Zitat von Marco Russ: "Nach meiner Familie ist die Eintracht das Größte!" Humor haben sie also, die Fockendorfer. Auf der Website trägt der Adler des thüringischen Kreisligisten das Gründungsjahr 1990 auf der Brust, auf dem Trikot den Schriftzug Eintracht. Ansonsten ist er aber klar als jener Adler zu erkennen, den Eintracht Frankfurt von 1977 bis 1999 benutzte.

"Der Verein wollte nach der Wende sein DDR-Erbe abschütteln"

"Der Verein wollte nach der Wende sein DDR-Erbe abschütteln", erklärt der Vorsitzende Steffen Fleischer. Warum es dann ausgerechnet die Eintracht samt Adler wurde, weiß im Verein aber niemand mehr. Die alten Recken der Fockendorfer, die die Umbenennung vorantrieben, weilen nicht mehr unter den Lebenden.

Der Adler der Eintracht von 1977 bis 1999 ist ohnehin schon ein Sonderfall. "Den Adler von 1977, bei den Fans auch Binding-Adler genannt, hat eine Werbeagentur desingt", sagt Thoma. Bekanntgegeben wurde die Änderung im Vereinsmagazin. Erstmals überhaupt war der Eintracht-Adler damit schwarz, traditionell war er rot auf weißem Grund gewesen. Mit der Modernisierung ging damals auch die Einführung des Maskottchens Schöppchen einher, ein kickendes Pony, dessen Abbild man auch heute noch ab und an im und um das Stadion sieht. Erste Vorboten der Kommerzialisierung des Fußballs.

"Unser Vizepräsident mochte Eintracht Frankfurt"

In der Kreisliga Ostthüringen, Staffel A, weiß jeder um den Eintracht-Adler Fockendorfs, Fragen danach gebe es eher, wenn die Fockendorfer auf Turnieren weiter weg spielten, so Fleischer. Auch die Eintracht aus Frankfurt weiß vom Fockendorfer Doppelgänger-Adler. "Aber solange wir ihn nicht vermarkten, haben sie nichts dagegen", sagt Fleischer.

Auch in Peissen spielte die Wende eine Rolle, auch der kleine Klub aus dem Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt wollte nach 1990 einen Neuanfang. Kurioserweise wurde dank eines Handtuchs aus BSG Traktor Peissen die Peissener Eintracht. "Unser Vizepräsident mochte damals Eintracht Frankfurt, vor allem den Torwart Uli Stein", erklärt Sebastian Schulz, der Abteilungsleiter Fußball und selbst Torwart bei Eintracht Peissen.

So kamen die Peissener auf die Idee des neuen Namens, und weil der Vizepräsident ein Handtuch von der Frankfurter Eintracht besaß, auf dem der Adler abgebildet war, nahm man sich diesen als Wappen zum Vorbild. Der Peissener Eintracht-Adler ist übrigens spiegelverkehrt, im Wappen selbst finden sich noch einige zusätzliche Elemente, etwa ein Fußball auf blau-gelbem Grund in der Mitte.

Eintracht Frankfurt Doppelgänger

Auch andere Frankfurter Klubs benutzten den Adler

Peissen und Fockendorf sind übrigens nicht die einzigen Klubs, die den Binding-Adler benutzen, auch in Frankfurt freute sich der Adler einst großer Beliebtheit. So benutzten auch der Frankfurter Rennclub und SAFO Frankfurt eine Weile den Adler. Andere Zeiten. Zumal die Eintracht es auch lange versäumte, sich die Rechte an ihrem eigenen Wappen zu sichern. "Es gab auch einen Frankfurter Ringerverein, der sich kurz in Eintracht Frankfurt umbenannte, um so an Sponsoren zu kommen. Aber das hat die Eintracht dann unterbunden", sagt Thoma.

Eintracht Frankfurt Doppelgänger

Es gibt nur einen Rudi Völler, heißt es ja landläufig, aber ein Blick ins Telefonbuch würde wohl das Gegenteil offenbaren. Und so ist es anscheinend auch mit der Eintracht, zumindest in Ansätzen. Fockendorf und Peissen befinden sich aktuell in der Sommerpause, irgendwann im August geht es dann weiter in der Kreisliga Ostthüringen, Staffel A bzw. in der Salzlandliga. Nur du sollst heute siegen, wünsche ich da. Und das Trikot von Eintracht Frankfurt an der Oder? Ist leider in Größe S und damit deutlich zu klein für die Sammlung.