Bürgels Ayoub Filali (rechts) im Spiel gegen den FC Langen.

Fußball-Gruppenligist Sparta Bürgel kassiert in dieser Saison Klatsche nach Klatsche – und gibt dennoch nicht auf. Erst ein 0:29 beendet die Schmach.

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Bürgel tritt mit Trainer im Tor an

Der Mann für alle Fälle bei Sparta Bürgel: Olaf Happel.
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Im Laufe dieser Woche erlebten die Amateurkicker von Sparta Bürgel etwas Außergewöhnliches: Sie gewannen ein Spiel, noch dazu deutlich mit zehn Toren Vorsprung. Nun gut, es war nur ein Trainingsspielchen, obendrein gegen Teile der eigenen A-Jugend, aber dennoch: "Das war Balsam für die Seele", sagt Olaf Happel.

Happel, 64 Jahre alt, ist beim Offenbacher Stadtteilverein so ziemlich alles, was man sein kann. Trainer der ersten Mannschaft, Abteilungsleiter Fußball, 2. Vorsitzender des Hauptvereins, gar Teilzeitkraft im Tor. Vergangene Woche nämlich musste er ran zwischen den Pfosten – zu wenige Spieler hatten den Weg zur Gruppenligapartie nach Gedern gepackt. Drei standen im Feierabendverkehr mit dem Auto im Stau, zwei saßen in der Bahn fest, so blieben Sparta gerade sieben Leute – inklusive des eigentlichen Trainers Happel.

29 Gegentore in 55 Minuten

Doch sie traten an, "aus Fair-Play-Gründen", wie jener sagt. Sie wollten nicht abschenken, was sie natürlich indirekt doch taten. Der 64-Jährige stellte sich aus der Not heraus in den Kasten, warf sich erst gar nicht nach den Schüssen, sondern versuchte, sie mit den Füßen zu klären. Vergeblich, logisch.

0:24 stand es zur Halbzeit, 0:29 nach 55 Minuten, ehe sich ein weiterer Bürgeler verletzte. Der Schiedsrichter brach das Spiel entsprechend des Regelwerks ab, was gleichbedeutend war mit dem Zwangsausschluss von Sparta aus der Liga. Sie waren schon zuvor zweimal nicht angetreten. Seit Donnerstag ist die Saison ohnehin für alle Teams vorbei.

Das ist die eine, die negative Betrachtungsweise. Die andere offenbart, dass sie immerhin 29-mal angetreten sind in dieser Spielzeit, obwohl sie stets wussten, dass sowieso nichts zu holen ist. Zu ausgedünnt der Kader, zu stark die Konkurrenten. Ein Sieg, ein Remis, ansonsten nur Pleiten, fast immer fußballerische Abreibungen. Bezeichnend die Tordifferenz, die bei 16:308 liegt. Nochmal: dreihundertacht! "Wir wussten natürlich früh, dass nichts mehr geht", sagt Happel, "aber wir wollten es durchziehen, um sportlich fair zu bleiben. Wir haben immer versucht, das Beste zu geben."

Abstieg in die Kreisoberliga

Die Gründe für das Scheitern liegen bereits im vergangenen Sommer. Da nämlich sollte die Mannschaft, die einen Altersschnitt oberhalb der 30 Jahre vorwies, verjüngt werden. Spieler hatten zugesagt, und kamen letztlich doch nicht. Ein Rumpfkader startete in die Runde, rasch folgte ein Trainerwechsel. Und je mehr Rückschläge es gab, desto weniger Spieler kamen ins Training und zu den Partien. Ganz grundsätzlich läuft aus Sicht von Happel der Amateurfußball sowieso in eine verkehrte Richtung.

"Es waren Spieler hier, die kaum unfallfrei laufen können, aber sofort gefragt haben: Was kriege ich?" Diejenigen habe er stets nach Hause geschickt. Geld sei nicht alles, gerade in der siebten Liga. Stattdessen dankt der abteilungsleitende Trainer-Torwart explizit denen, die bis zum bitteren Ende durchgezogen haben.

Gute Jungs seien das, die einfach Spaß am Fußball hätten, "sie haben alles gegeben". Und tun es weiterhin. Obwohl die Saison ihr Ende fand, der Abstieg in die Kreisoberliga schon seit langem feststand, lief das Training weiter. Inklusive netter Erfolgserlebnisse in internen Übungsspielchen.