Hitlergruß und weitere Entgleisungen nach Hessenpokal-Finale Die Polizei ermittelt, der Verband gibt sich zufrieden

Ein Hitlergruß und weitere Vorfälle: Das Hessenpokal-Finale ist Gegenstand langwieriger polizeilicher Ermittlungen. Der hessische Fußballverband zieht dennoch eine erstaunlich positive Bilanz.

Fans von Kickers Offenbach Türkgücü Friedberg beim Hessenpokal-Finale gegen Türkgücü Friedberg
Fans von Kickers Offenbach beim Hessenpokal-Finale gegen Türk Gücü Friedberg. Bild © Imago Images
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Hitlergruß und Provokationen bei Hessenpokalfinale

hessenschau vom 27.05.2024
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Steht der Sommer vor der Tür, steigt das Risiko von Tribünenbränden und Platzstürmen auf Fußballplätzen. Für viele Vereine geht es um Titel, Auf- und Abstiege, ganze Saisons können von einem Spiel abhängen. Das führt bei Erfolg und Misserfolg zu unterschiedlich ritualisierten Eskalationen: Fans kanalisieren ihre Gefühle durch Pyrotechnik, zerschnittene Tornetze oder manchmal auch Gewalt.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

Vor dem Hessenpokal-Endspiel zwischen Kickers Offenbach und Türk Gücü Friedberg hatten sich der Hessische Fußballverband und die Polizei deshalb intensive Gedanken über die Sicherheit gemacht. 200 Ordner waren am Samstag im Stadion am Bornheimer Hang im Einsatz. Wenn der FSV Frankfurt hier seine Heimspiele austrägt, sind es nur 60 bis 120, betont der HFV. Auch einen möglichen Platzsturm der Offenbacher Fans hatten Verband und Polizei in ihrem Sicherheitskonzept eingepreist.

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Platzbegehung nennt die Polizei das etwas betulich. Im Ergebnis war das, was sich nach dem 3:2-Sieg des OFC ereignete, schließlich kein Spaziergang. Hunderte Kickers-Anhänger stürmten den Innenraum und provozierten vor allem den Türk-Gücü-Anhang. Eine vollständig unapettitliche Note bekam dieser Nachmittag dann durch einen Offenbacher Fan, der unverhohlen den Hitlergruß in Richtung der gegnerischen Fans zeigte.

Zwei Ordner sollen zuvor schon mit dem "Wolfsgruß" die OFC-Anhänger provoziert haben, ein Erkennungszeichen türkischer Rechtsextremisten. Die Polizei sah sich veranlasst, beide Fanlager mit dem Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray zu trennen. Ein bedrückendes Ende, das nachhallt.

HFV: Pokalfinale ein "herausragendes Ereignis"

Auf Anfrage des hr-Sport hat der Hessische Fußballverband allerdings eine erstaunlich positive Sicht auf die Ereignisse mitgeteilt: "Das Hessenpokal-Finale war ein herausragendes Ereignis mit einer Rekordkulisse. Türk Gücü Friedberg und Kickers Offenbach boten eine beeindruckende Leistung. Wir sind mit dem Fanaufkommen und dem überwiegend friedlichen Verhalten der Anhänger beider Mannschaften sehr zufrieden", heißt es von Verbandsseite.

Immerhin: Man bedauere die "isolierten Vorfälle diskriminierenden Verhaltens einzelner Personen. Diese repräsentieren nicht die Gesamtheit der Fans der beiden Vereine und werden von uns entschieden verurteilt."

Polizei geht weiteren Hinweisen nach

Wie viele isolierte Vorfälle sich genau ereignet haben, darüber sind sich die Beamten auch zwei Tage nach dem Spiel noch unsicher. Polizeisprecher Thomas Hollerbach erklärte gegenüber unserer Redaktion, dass seine Kollegen noch damit beschäftigt sind, das Videomaterial auszuwerten.

Und auszuwerten gibt es da offenbar einiges: Die Polizei ermittelt bereits gegen einzelne Personen wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung. Darüber hinaus wurde ein Offenbacher Fan gleich im Stadion nach einer rassistischen Beleidigung festgenommen, gegen ihn wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

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Die Ordner, die den "Wolfsgruß" gezeigt haben, müssen zumindest dafür keine strafrechlichen Konsequenzen fürchten. Ob sie erneut im Stadion zum Einsatz kommen, ist unklar. Engagiert hat das Sicherheitspersonal bei diesem Spiel der Hessische Fußballverband, verweist seinerseits aber auf das Sicherheitsunternehmen, das die Ordner beschäftigt. Diese seien regelmäßig im Stadion am Bornheimer Hang tätig und mit den Gegebenheiten bestens vertraut, unterstreicht der HFV.

Proaktive Sicherheitsmaßnahmen für eine positive Atmosphäre

Deutlich lieber thematisiert der Verband die Weitsicht und den Erfolg seines Sicherheitskonzepts. Als Lehre aus dem Spiel sei festzuhalten: "Wir haben erkannt, dass proaktive Sicherheitsmaßnahmen, wie die geplante Begleitung von Fanmärschen und klare Sicherheitskommunikation, wesentlich zur Sicherheit und positiven Atmosphäre beitragen."

Obwohl sich Polizei, Verband und Vereine vorab darauf verständigt haben sollen, einen Platzsturm nicht aktiv zu unterbinden, fühlten sich Türk Gücü und Vorstandssprecher Fatih Kaplan überrumpelt. Die Friedberger Spieler ließen Trikots und Fußballschuhe auf der Ersatzbank liegen, wenig später war die Ausrüstung weg – mutmaßlich geklaut. Der HFV hält dagegen: "Beide Mannschaften wurden im Vorfeld informiert und beauftragt, dass jegliche Materialen von den Ersatzbänken zügig zu entfernen sind. Der Schutz persönlichen Eigentums ist uns sehr wichtig, und wir nehmen alle Vorwürfe ernst."

Nicht auszuschließen, dass zu den bislang bekannten Tatbeständen noch einige dazukommen. Auf Videoaufnahmen ist etwa der Ruf "Ausländer raus" zu hören gewesen. Auch dem geht die Polizei nun nach, will aber nicht mehr sagen: die Ermittlungen dauern an.

Quelle: hessenschau.de/Aaron Knopp