Melsungens Dimitri Ignatow Junge aus Nordhessen als Symbolfigur des Handball-Überfliegers

Die MT Melsungen steht weiterhin ungeschlagen an der Spitze der Handball-Bundesliga. Dimitri Ignatow erklärt den neuen Zusammenhalt und spricht auch über eine mögliche Meisterschaft.

Dimitri Ignatow jubelt über den Sieg gegen Stuttgart.
Dimitri Ignatow jubelt über den Sieg gegen Stuttgart. Bild © Imago Images
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hs 19.09.2023
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Die Handball-Bundesliga schaut verwundert nach Nordhessen. Weiterhin ungeschlagener Spitzenreiter ist die MT Melsungen, die in den vergangenen Spielzeiten ihr Potenzial nicht ausschöpfte und zu selten Kontinuität zeigte. Nun gab es fünf Siege nach fünf Spielen - mehr Kontinuität geht nicht. Und für den Überflieger aus Nordhessen steht symbolisch ein fliegender Rechtsaußen aus Nordhesen: Dimitri Ignatow. Er kommt aus Fuldabrück, einem "kleinen Dörfchen in Kassel", wie er selbst sagt. Und auch wenn er in Kasachstan geboren wurde, schwärmt Ignatow von seiner hiesigen Heimat: "Ich denke direkt an Verbundenheit, ich will hier nicht weg, weil ich hier groß geworden bin. Es ist einfach super."

Der 24-Jährige will zwar nicht weg, aber hoch hinaus. Er formuliert ambitionierte Ziele im Handball: "Man will das Bestmögliche erreichen, ich will schon mal Deutscher Meister werden oder die Champions League gewinnen, Europameister oder Weltmeister werden. Doch erst einmal will ich mich in Melsungen beweisen und dann weiter schauen." Da stellt sich glatt die Frage: Muss man denn Nordhessen verlassen, um Meister zu werden?

"Meisterschaft kann möglich sein"

"Nein", sagt Ignatow klar im Gespräch mit dem hr-Sport. Und führt aus: "Die letzten Jahre sah es vielleicht nicht danach aus, aber wir haben die Gegebenheiten und müssen uns einfach finden. In ein paar Jahren kann der Titel möglich sein. Es gibt immer mehrere Mannschaften, die oben mitspielen können."

Tatsächlich trauen einige den Melsungern nicht erst in ein paar Jahren zu, um den Titel mitzspielen - sondern schon in dieser Saison. Stefan Kretzschmar zählte die MT sogar bereits vor Saisonbeginn zu den Meisterschaftsaspiranten. Da wurde er noch von seinen "Harzblut"-Talk-Kollegen belächelt, schließlich waren die Melsunger in den vergangenen Spielzeiten immer unter ihren Möglichkeiten geblieben.

Zugänge als Schlüssel

In diesem Jahr, so ist der Eindruck nach fünf Spielen, scheint es anders zu laufen. "Der Mannschaftszusammenhalt ist groß geworden, die neuen Spieler haben Charakter und das überträgt sich. Die wollen sich zerreißen und wir auch - es ist ein Geben und Nehmen", erklärt Ignatow.

Die Zugänge wie Erik Balenciaga oder Dainis Kristopans wirken auch mit ihrer Mentalität auf das Team ein. Trainer Roberto Garcia Parrondo setzt zudem auf Rotation und gibt allen Spielern Chancen. Star-Einkauf Kristopans saß beim jüngsten Erfolg gegen Stuttgart im ersten Durchgang beispielsweise auf der Bank.

Schmerzhafte Erinnerungen an Lemgo

Auch Ignatow bekam da mehr Spielzeit als Kapitän Timo Kastening auf Rechtsaußen und zahlte das Vertrauen mit fünf Treffern zurück - der zweitbeste Wert auf der Platte. Am kommenden Sonntag geht es nun nach Lemgo (16.30 Uhr), einem unangenehmen Gegner, an den die MT auch schmerzhafte Erinnerungen durch das verlorene Pokalfinale 2021 und Viertelfinale 2022 hat.

Ignatow warnt daher: "Wir brauchen Konzentration und Willen. Wir müssen 60 Minuten in der Abwehr Eins gegen Eins verteidigen, da haben sie starke Spieler." Die Tabellenführung sei für ihn nur ein "cooler side fact", relativiert er. Aber Ignatow sagt auch: "Wenn wir in einen Lauf kommen, sind wir schwer aufzuhalten."

Quelle: hessenschau.de/ Florian Naß, Ron Ulrich