Fünf Deutsche im Hexenkessel "Ally Pally" Dieser Dartspieler aus Kassel fliegt zur WM nach London

Am 15. Dezember steigt für Dart-Fans das Event des Jahres: Die WM im legendären Londoner “Ally Pally”. Mit dabei ist Dartspieler Dragutin Horvat aus Kassel. Der musste kurz um seine WM-Teilnahme zittern.

Dragutin Horvat aus Kassel fliegt zur Darts-WM nach London
Dragutin Horvat aus Kassel fliegt zur Darts-WM nach London Bild © hr/Najil Noukrache
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Dragutin Horvat
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Plopp, plopp, plopp - lässig wirft Dragutin Horvat drei Pfeile auf die runde Scheibe an der Wand. Seine Pokale hat er im Rücken. Der 47-Jährige hat einen straffen Trainingsplan: zwei bis drei Stunden vormittags, dazu vier bis fünf Stunden nachmittags.

Der Dart-Spieler bereitet sich auf die Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation (PDC) im Alexandra Palace vor, dem legendären Londoner Spielort für Darts.

Denn mit der WM am 15. Dezember steigt hier für Dart-Fans das Event des Jahres - mit den meisten Zuschauern, der höchsten Einschaltquote und üppigen Preisgeldern. Der Sieger bekommt mehr als eine halbe Million Euro.

Fünf deutsche Teilnehmer bei der WM

Aus deutscher Sicht gibt es eine Premiere, denn zum ersten Mal in der Geschichte der Darts-WM sind gleich fünf deutsche Teilnehmer am Start, darunter auch Dragutin Horvat aus Kassel. Er hat es bereits zum zweiten Mal geschafft, bei diesem Prestige-Turnier gegen die Besten der Welt anzutreten. Das WM-Ticket hat er beim deutschen Superleague-Finale im November in Bitburg (Rheinland-Pfalz) gelöst.

Seine erste WM war sehr aufregend, erinnert sich Horvat. 2017 hatte er sich in der Vorrunde durchgesetzt, scheiterte aber dann in Runde eins. Diesmal will "Herkules", wie ihn seine Fans frei nach dem Kasseler Wahrzeichen nennen, den ganzen Trubel im Hexenkessel “Ally Pally” viel gelassener angehen - auch wenn in der ersten Runde mit dem Belgier Mike De Decker ein starker Gegner wartet.

Freier Kopf für den perfekten Wurf

Dennoch rechnet er sich bei dem Duell gute Chancen aus. In der zweiten Runde wartet mit dem Letten Madars Razma ein gesetzter Spieler. Er steht auf Platz 32 der Weltrangliste, sagt Horvat. "Das wird komplizierter, aber alles ist machbar!" Obwohl er sich mit den Profis misst, ist Dart sein Hobby.

Für den perfekten Wurf braucht er “einen freien Kopf” Konzentration, Fokus und ein bisschen Wille. Der Reiz am Spiel liegt für ihn in der Abwechslung. Sieg und Niederlage lägen nah nebeneinander, sagt Horvat, man könne hoch führen und diese Führung in fünf Minuten wieder verlieren. Auch deshalb sei Darts mental anstrengend.

Dragutin Horvat aus Kassel fliegt zur Darts-WM nach London
Das Ziel im Blick: Dragutin Horvat trainiert mehrere Stunden täglich. Bild © hr/Najil Noukrache

Sonderurlaub für die WM

Dass er als Hobby-Spieler, der in einer Kneipe einst zum Mitspielen überredet werden musste, Jahre später im Ally Pally antritt - das hätte er damals nicht gedacht. Fürs Training und die WM hat er von seinem Arbeitgeber jetzt Sonderurlaub bekommen, der reguläre Urlaub war schon aufgebraucht.

Horvat arbeitet als Lagerist in einem Hydraulik-Großhandel - ein krasser Gegensatz zu seinem Hobby. Denn hier hält er 21 Gramm leichte Pfeile, im Job stemmt er Kisten mit 20 Kilogramm. Doch leben kann er von seinem Hobby noch nicht. Das sei den Top -Spielern vorbehalten.

Nach London fliegen und bodenständig bleiben

Am 18. Dezember geht es für Horvat mit dem Flieger nach London. Bis zum 5. Januar bleibt er dort, nach dem Finale. Kollegen und Freunde drücken ihm die Daumen. Berühmt ist Horvat übrigens noch nicht, bisher wird er nur ab und zu auf der Straße oder beim Bäcker erkannt.

Das könnte sich je nach Abschneiden bei der WM ändern. Der 47-Jährige sieht das entspannt: “Ich gehe locker damit um, ich bin ja nicht so”, sagt er und lacht.

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Redaktion: Stefanie Küster, Thomas Haß, Najil Noukrache

Sendung: ARD, Morgenmagazin, 08.12.2023, 5.30 Uhr

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Quelle: hessenschau.de