Appell an künftige Landesregierung ADFC fordert Tempo beim Radewegebau an Landesstraßen

Per Gesetz will die schwarz-grüne Regierung den Ausbau von Radwegen in Hessen fördern. So viel zur Zukunft. In der Gegenwart stellt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub dem Land ein ernüchterndes Zeugnis aus.

Radweg
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Ob an Landes- oder Bundesstraßen - in Hessen fehlt es nach Ansicht des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) an sicheren Wegen für den Radverkehr. An die künftige Landesregierung gerichtet verlangt der Club, den Ausbau der Radwege an Landesstraßen zu beschleunigen. Wer künftig Hessen regiert, entscheidet sich im Oktober, wenn ein neuer Landtag gewählt wird.

Von der noch amtierenden schwarz-grünen Koalition scheint der ADFC nicht mehr viel zu erwarten. Dabei hat sie erst im Februar den Entwurf für ein Nahmobilitätsgesetz in erster Lesung in den Landtag eingebracht. Mit dem Gesetz will die Landesregierung den Rad- und Fußverkehr in Hessen stärken.

Radfahrer und Fußgänger sollen so auf einer Stufe mit dem motorisierten Verkehr gestellt werden. "Seit Jahren arbeiten wir konsequent an Neubau und Sanierung von Radwegen sowie besseren Bedingungen fürs Radfahren", sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Samstag. Davon unbeeindruckt, bescheinigt der ADFC der Landesregierung ein unbefriedigendes Zeugnis bei Radverkehrsprojekten.

Datenauswertung: Hessen auf drittletztem Platz

Sowohl bei der Entwicklung von Radschnellwegen als auch beim Ausbau des Radwegenetzes in ländlichen Gebieten komme man kaum voran und sei noch nicht auf dem Kurs in Richtung "Fahrradland", erklärte der ADFC anlässlich seiner Landesversammlung am Samstag in Frankfurt. Dies sei aber im Sinne des Klimaschutzes, der Verkehrssicherheit und der Bewegungsförderung zwingend.

In keinem anderen Bundesland sei das Radwegenetz an Landesstraßen in den vergangenen neun Jahren so langsam gewachsen wie in Hessen, so der ADFC. Dies zeige eine Auswertung, die der Verband jüngst mit Daten des Fernstraßenbundesamtes vorgenommen habe.

Al-Wazir kann Kritik nachvollziehen

Pro Quadratkilometer Landesfläche seien in Hessen seit 2014 nur 1,3 Meter Radweg an Landesstraßen hinzugekommen - in Baden-Württemberg seien es sechs Meter und beim Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen mehr als 20 Meter gewesen. Insgesamt 89 Prozent der Landesstraßen seien in Hessen ohne Radweg - "die drittschlechteste Ausstattung aller Bundesländer", hieß es.

Die Kritik sei berechtigt, sagt auch Wirtschaftsminister Al-Wazir. "Hessen hat bisher einen sehr geringen Anteil von Radwegen an Landesstraßen, weil der Radwegebau an Landesstraßen in der Vergangenheit deutlich vernachlässigt worden ist", hieß es dazu. Die Investitionen des Landes seien aber stark gestiegen: von 1,7 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 13 Millionen Euro in 2023.

ADFC: Radwege jährlich 100 Kilometer wachsen

Der Entwurf für das Nahmobilitätsgesetz sieht vor, dass zehn Prozent der Mittel für den Landesstraßenbau zusätzlich in den Bau von Radwegen fließen. Für den Ausbau von Radwegen an Landesstraßen seien für 2023 Rekordsummen von 13 Millionen und für 2024 von 17 Millionen Euro beschlossen worden, erklärte Verkehrsminister Al-Wazir bei der Vorstellung des Gesetzentwurfs. Doch wieviel Kilometer neue Radwege können damit gebaut werden?

Der ADFC hat konkrete Vorstellungen, wie schnell das Radwegenetz in Hessen wachsen sollte. In einem politischen Leitantrag fordert der Club, dass künftig jährlich 100 Kilometer Radwege an Landesstraßen entstehen müssten. Dazu müsse das Land auch zusätzliches Personal und Geld für Planung und Bau bereitstellen und die Planungsverfahren vereinfachen.

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Sendung: hr-iNFO, 15.03.2023, 11.25 Uhr

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Quelle: hessenschau.de/ Meliha Verderber, dpa/lhe