Seit Jahresbeginn müssen Gastronomen Mehrwegverpackungen für Gerichte zum Mitnehmen anbieten. Die bestehenden Probleme sind lösbar, wie der Geschäftsführer des hessischen Branchenverbands sagt.

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Die Mehrwegpflicht in der Praxis - in Bensheim

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Seit 1. Januar müssen Restaurants Mehrwegverpackungen für Essen zum Mitnehmen anbieten. Ausnahmen gibt es nur bei kleineren Betrieben mit wenigen Mitarbeitenden. Im hr-Interview zieht der Interim-Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Hessen (Dehoga), Oliver Kasties, eine erste Bilanz. Er erläutert die Regeln und sagt: Plastik zu vermeiden, sei eine "gute Idee". Allerdings gebe es noch lange nicht Lösungen für alles - zum Beispiel für Pommes.

hessenschau.de: Welches Gericht haben Sie zuletzt in einer Mehrweg-Schüssel gegessen oder geholt?

Oliver Kasties: (lacht) Ich bin im privaten Rahmen tatsächlich noch nicht auf ein Mehrwegbehältnis gestoßen. Das war bislang alles noch Einweg.

hessenschau.de: Nun gibt es die Mehrwegpflicht erst seit rund zwei Wochen. Können Sie ein erstes Fazit ziehen?

Kasties: Es führt zu erhöhten Rückfragen seitens der Betriebe, aber auch seitens der Gäste, die das Konzept noch gar nicht kennen. Wir erhalten viele Rechtsfragen, etwa wenn es um kundeneigene Behältnisse geht. Diese sind oft unterschiedlich gut gereinigt und dürfen nicht hinter die Theke - deshalb existieren bei vielen Gastronomen noch Unsicherheiten, wann ihre Verantwortung für die Hygiene anfängt und wann sie aufhört. Für eine umfassende Bilanz ist es aber noch zu früh. Frühestens in einem halben Jahr können wir sie ziehen.

hessenschau.de: Wie sieht das in der Praxis aus: Bekomme ich beim Inder um die Ecke nun immer ein Mehrwegbehältnis?

Kasties: Es ist komplizierter und für den Gast nicht unbedingt einsichtig: In den Regularien wird zwischen einem kleinem und einem großem Betrieb unterschieden. Wer weniger als fünf Mitarbeiter und unter 80 Quadratmetern Verkaufsfläche zur Verfügung hat, muss nicht mitmachen - das kann der Gast aber nicht wirklich vorher wissen. Alle Betriebe über dieser Grenze müssen neben der Einweg-Verpackung nun auch Mehrweg anbieten und es kenntlich machen.

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Mehrweg-Pflicht in der Gastronomie

Seit 1. Januar müssen Restaurants zu Einwegverpackungen nun auch Mehrweg-Alternativen anbieten - zum selben Preis, aber mit der Option ein Pfand zu verlangen. Neben Caterern und Lieferdiensten ist auch der Einzelhandel laut Umweltministerium von dieser Regelung betroffen, zum Beispiel Heiße Theken, Kaffee-Bars, Sushi-Bars, Salat-Stationen oder Eis-Theken.

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hessenschau.de: Handelt es sich um Hartplastik-Schüsseln?

Kasties: Das ist noch die große Frage, weil es unterschiedliche Verpackungen zu den Gerichten braucht. Cups beim Kaffee und Bowls beim Essen sind bekannt, aber man stelle sich ein Schnitzel mit Pommes und Salat vor. Das würde ich außer Haus nicht in einer Bowl servieren wollen. Die Industrie ist nun gefragt, Behältnisse zu entwickeln, die passend zu den Speisen sind. Es gibt zwar bereits flachere Teller mit unterteilten Fächern, so dass mehrere Beilagen untergebracht werden, trotzdem sehe ich noch viel Luft nach oben.

hessenschau.de: Ebenso beim Pfandsystem.

Kasties: Hier existieren große Unterschiede. Es gibt Betriebe, die das Behältnis vor Ort mit einem Pfand versehen - ähnlich wie bei Getränkedosen. Andere drucken stattdessen einen QR-Code auf die Verpackung. So wird sie registriert und erst dann beim Gast Geld abgebucht, wenn die Schüssel nicht innerhalb einer bestimmten Zeit zurückgebracht wird. Meine Erfahrung ist, dass viele Gäste die Pfandfrist verstreichen lassen, um die Mehrwegverpackungen für den privaten Gebrauch zu nutzen, weil sie oft vom Design sehr schick sind.

hessenschau.de: Wird das Angebot kundenseitig tatsächlich angenommen oder fragt noch niemand danach?

Kasties: Laut Studien und Umfragen ist mehr als die Hälfte der Verbraucher für Mehrwegverpackungen. Ob sie es wirklich im Alltag nutzen, wird sich zeigen. Man stelle sich einen Büroangestellten in Frankfurt vor, der nach dem Take-Away-Lunch den ganzen Tag eine Bowl in der Aktentasche mitnehmen muss und nicht weiß, wo er sie zurückgeben kann. Dann muss er sie womöglich zu Hause in der eigenen Spülmaschine reinigen. Ganz praktisch ist das noch nicht, obwohl allen klar ist, dass wir aus Umweltschutzgründen unbedingt weniger Plastik verbrauchen müssen.

hessenschau.de: Sie sprechen Frankfurt an - auf dem Land könnte die Rückgabe aber noch schwieriger sein.

Kasties: Ja, weil solche Stellen noch weniger vorhanden sind. Betriebe in einer Stadt können ein gemeinsames Pfandsystem entwickeln, so dass Gäste die Verpackungen auch an anderen Stellen abgeben können. Im ländlichen Bereich geht das vor allem mit einem hohen Stammkundenanteil, also Menschen, die stetig wieder ins gleiche Lokal kommen und die Boxen zurückbringen.

hessenschau.de: Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Betrieben?

Kasties: Einen Vorteil haben gerade solche, die während der Corona-Lockdowns Lösungen zur Mehrwegverpackung angeboten haben. Durch ihre Erfahrung sind sie am weitesten. Aus dieser Richtung hören wir, dass das sehr gut funktioniert. Andere befinden sind noch in der Orientierungsphase und müssen für sich klären, welches System für ihre Zwecke passt und was sich lohnt auszuprobieren.

hessenschau.de: Manche kleineren Betriebe werden kreativ. Es gibt eine Brötchenrutsche bei einem Bäcker in der Nähe von Limburg, durch die Backwaren in die eigene Tasche gleiten, ohne dass diese über die Ladentheke geht.

Kasties: Jede Idee, die Plastik vermeidet, ist eine gute Idee. Allerdings gibt es noch lange nicht Lösungen für alles. Ich kenne bislang etwa keine Mehrwegverpackung, die für Pommes Frites funktioniert. Knusprig, wie im Restaurant - das klappt mit geschlossenen Verpackungen nicht. Darin bleiben sie leider nicht knusprig.

Das Gespräch führte Simon Rustler.

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