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Selbstgebaute Solaranlagen in Kassel

Die Nachfrage nach Solaranlagen boomt, doch sie sind teuer und Handwerker sind rar. In Kassel können Interessierte Solaranlagen selbst aufbauen - unter Anleitung von Fachleuten und zusammen mit Gleichgesinnten. Ein gemeinnütziger Verein macht es möglich.

Feierstimmung in Kassel, es ist Solarparty. Die Solaranlage auf Holger Langes Haus ist fertig aufgebaut und kann jetzt Strom liefern. Das Besondere an Langes Anlage: Es war kein Solar-Handwerksbetrieb, der sie montiert hat sondern Lange selbst, zusammen mit zwei anderen Hausbesitzern.

"In so großer Höhe auf einem Gerüst zu stehen, da musste man sich erst einmal überwinden, sich mit Werkzeug aufs Dach zu wagen", resümiert er. Aber Lange und seine Mitstreitenden hatten Hilfe: Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins SoLocal. Der Verein wurde 2020 von drei Studierenden des Fachbereichs Regenerative Energien der Uni Kassel gegründet.

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Gemeinnützige Vereine

Gemeinnützige Vereine dürfen nicht in erster Linie eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen, zum Beispiel, indem sie Vermögen bilden. Sie unterliegen einer Reihe von Einschränkungen zum Beispiel bei der Verwendung von Mitteln, bei wirtschaftlichen Betätigungen oder bei den Zuwendungen an Mitarbeiter.

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Verein plant, Interessierte führen aus

SoLocal will nach eigenen Angaben die Energiewende voranbringen, indem der Verein Interessierte zusammenbringt, die sich in einer Selbstbaugemeinschaft gegenseitig helfen. So soll es auch für Menschen mit weniger Geld möglich sein, die nicht ganz billige Technik aufs Dach zu bekommen.

Der Verein bringt bis zu sechs Solar-Interessierte zusammen, stellt über Elektrotechnikerinnen und -techniker das Know-how, übernimmt die Planung, die Materialbestellung, das Gerüst, die Versicherung und die Koordination des Projekts. "Und dann zieht diese Truppe von Dach zu Dach und hilft sich gegenseitig", erklärt Kerstin Lopau von SoLocal. "Dabei wächst die Gruppe auch immer zusammen. Und am Ende feiern wir das mit einer Solarparty."

Bezahlung nach Solidaritätsprinzip

Auch bezahlt wird nach dem Solidaritätsprinzip: Jeder oder jede gibt, so viel er oder sie kann. Sind die Kosten gedeckt, kann es losgehen. Die Dauer der Projekte richtet sich danach, wie gut die Hobbyhandwerkerinnen und -handwerker mit den Anlagen zurechtkommen: "Uns ist wichtig, den Menschen, die mit uns bauen, Zeit zu lassen", sagt Technikerin Angelica Gamarra. Jeder müsse sich ja erst mit dem Werkzeug und Solarmodulen vertraut machen.

Hausbesitzer Holger Lange ist von dem Konzept überzeugt: "Es ist etwas ganz anderes, wenn man sagen kann: Ich habe die Anlage selbst mit aufgebaut", berichtet er. "Da macht es umso mehr Spaß, den Sonnenertrag dann einzufahren." Die Nachfrage ist nach Angaben von SoLocal groß. Inzwischen hat der Verein 36 Mitglieder, sechs Menschen im Vorstand und ist im ganzen Landkreis Kassel aktiv.

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