Kassel-Calden ist eröffnet "Nordhessen hat Flügel bekommen"

Nach zwei Jahren Bauzeit ist am Donnerstag der umstrittene Flughafen Kassel-Calden eröffnet worden: Die erste Landung, ein "halber" Urlaubsflug - und eine schlechte Nachricht.

Ein Airbus A 319 der Fluggesellschaft Germania landet am 04.04.2013 auf dem Flughafen Kassel-Calden (Hessen). Nach rund 15 Jahren des Planens, Prüfens und Bauens wird der neue Regionalflughafen eröffnet.
Ein Airbus A 319 der Fluggesellschaft Germania landet am Eröffnungstag auf dem Flughafen Kassel-Calden. Bild © picture-alliance/dpa
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Erster Ferienflieger von Kassel-Calden gestartet

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Roter Teppich, schwungvolle Musik - und ein eisiger Wind, der den Fluggästen entgegenwehte: Um 11.11 Uhr landete ein Airbus A319 aus Frankfurt auf dem neuen Regionalflughafen in Calden (Kassel). Die Fluggesellschaft Germania brachte rund 30 Politiker und weitere Gäste nach Nordhessen. Nach etwa 20 Minuten Flugzeit setzte die Maschine auf der neuen 2.500-Meter-Piste auf. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), gleichzeitig Aufsichtsratschef der Flughafen GmbH Kassel, ging als erster die Gangway hinunter. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der von einem Termin in der Nähe mit dem Auto angereist war, und Flughafen-Chefin Maria Anna Muller nahmen die Gäste des Jungfernflugs auf dem Rollfeld in Empfang.

Calden sei nun "Hessens nördlichstes Tor zu Welt", sagte Bouffier während des Festaktes in einem Zelt auf dem Flughafen-Gelände. "Nordhessen hat heute Flügel bekommen." Kassel-Calden ergänze das Straßen- und Schienennetz der Region optimal, betonte Bouffier - und verteidigte die Kosten in Höhe von 271 Millionen Euro.

233 Millionen Euro davon trägt das Land Hessen. Es ist mit 68 Prozent größter Anteilseigner, weitere Anteile an der Flughafen-Gesellschaft halten die Stadt und der Landkreis Kassel sowie die Gemeinde Calden. "Ein Gemeinschaftswerk", wie Bouffier betonte.  

"Zukunftsweisende Investition"?

Das Geld sei eine "zukunftsweisende Investition in die Verkehrsinfrastruktur Nordhessens", sagte der Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD). "Der Ausbau des Flughafens war erforderlich, damit Nordhessen nicht ins Hintertreffen gerät." Von dem Flughafen profitiere der Tourismus und die heimische Wirtschaft. Zudem würden viele neue Arbeitsplätze entstehen: Laut Hilgen wurden bei der Flughafen GmbH 23 Arbeitslose zu Luftsicherheitsassistenten ausgebildet. Zudem sei die Zahl der Mitarbeiter seit Anfang 2012 von 50 auf jetzt 150 gestiegen. Die Betriebe am Flughafen stellten bereits mehr als 700 Arbeitsplätze, ergänzte der Oberbürgermeister. "Wir haben fertig", sagte der Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, Jörg Ries, während der Eröffnungsfeierlichkeiten.

Zum Festakt waren mehr als 250 geladene Gäste aus Politik, Industrie und Gesellschaft gekommen. Im Anschluss startete die Germania-Maschine zu einem Rundflug mit Gästen. Tausende Schaulustige verfolgten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt das Geschehen am Eröffnungstag vom Infopoint aus - oder schauten sich im neuen Terminalgebäude um.  Am frühen Nachmittag landete das zweite Flugzeug, eine Boeing der türkischen Fluggesellschaft Tailwind. Der Flieger kam aus Düsseldorf, nahm in Calden etwa 30 Antalya-Urlauber auf und hob gegen 16 Uhr gen Osten ab - für einen "eigenen" Premierenflug hatten die Passagierzahlen nicht ausgereicht.  

"Ich mache mir keine Sorgen."

Und auch sonst entpuppt sich der Start als holprig: Wegen fehlender Auslastung mussten insgesamt sechs Flüge im April aus dem Caldener Flugplan genommen werden. So wurden Passagiere von einem ursprünglich für Freitag von Kassel aus geplanten Flug ausgerechnet auf einen Flieger im 70 Kilometer entfernten Konkurrenz-Flughafen Paderborn umgebucht. "Es ist unglücklich, aber zum Saisonende auch nichts ungewöhnliches", kommentierte Flughafen-Chefin Muller die Anlaufschwierigkeiten. "Ich mache mir keine Sorgen."

Am Eröffnungstag machte am Flughafen eine weitere schlechte Nachricht die Runde: Die vom Reiseanbieter Rewe-Touristik geplante Verbindung nach Fuerteventura wurde komplett gestrichen. Ursprünglich sollte "XL Airways" diese und andere Charterflüge übernehmen, die Fluggesellschaft war aber pleite gegangen. Der mögliche Nachfolger, Enter Air, winkte ab - jetzt sollen drei Gesellschaften (Hamburg Airways, Germania und Alba Air) die XL-Airways-Flüge auffangen, wie die Rewe-Touristik bestätigte.  

Schäfer: "Werden einen anderen Weg gehen"

Rund ein Dutzend Verbindungen pro Woche stehen auf dem Flugplan: Es geht vor allem zu den klassischen Touristenzielen Mallorca und Antalya. Angepeilt sind aber auch einzelne Charterflüge nach Zypern, Reykjavik, Sardinien, Armenien und zur Seidenstraße (Usbekistan). Flughafen-Aufsichtsratsschef Schäfer kündigte ein langsames Wachstum des Airports an. "Wir werden einen anderen Weg gehen", sagte er mit Blick auf andere Regionalflughäfen, die über Jahre rote Zahlen schreiben. Billigflieger saugten die Airports aus - das werde es in Calden nicht geben, so Schäfer.  

Die Gegner des Projekts - allen voran die hessischen Grünen und der Steuerzahler-Bund - bemängeln eine zu geringe Auslastung und befürchten dauerhafte Landeszuschüsse. Im Jahr 2020 soll der Flughafen etwa 660.000 Passagiere zählen und damit kostendeckend arbeiten - so das Ziel der Flughafen-Gesellschafter. "Ich bin überzeugt: Dieser Flughafen wird eine Erfolgsgeschichte", erklärte Ministerpräsident Bouffier am Eröffnungstag in Calden.

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Längere Piste für 660.000 Passagiere

Der bisherige Flugplatz in Calden (Kassel) hatte lediglich eine 1.500 Meter lange Piste, die für Geschäfts- und Sportflugzeuge ausreichte. Für größere Maschinen – etwa Charterflugzeuge von Reiseanbietern - war die Start- und Landebahn jedoch zu kurz. Diese Flieger landeten bislang entweder im rund 70 Kilometer entfernten Airport Paderborn-Lippstadt oder in Frankfurt und Hannover, jeweils knapp 200 Kilometer von dem Standort in Nordhessen entfernt. Etwa 17.000 Passagiere zählte der Kasseler Flugplatz nach eigenen Angaben im Jahr 2011. Um auch Kassel-Calden für den Charterflug interessant zu machen, ließen die Gesellschafter eine rund 2.500 Meter lange Landebahn und neue Gebäude bauen. Im Jahr 2020 wird mit 660.000 Passagieren jährlich geplant.

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Quelle: hessenschau.de

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