Deniz Yücel nach seiner Freilassung mit seiner Ehefrau Dilek in Istanbul
Deniz Yücel nach seiner Freilassung mit seiner Ehefrau Dilek in Istanbul Bild © picture-alliance/dpa

Erleichterung pur: So lässt sich die Stimmung in Deniz Yücels Heimatstadt Flörsheim zusammenfassen. Der nach einem Jahr Haft in der Türkei freigelassene Journalist ist nach Deutschland zurückgekehrt.

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Deniz Yücel ist wieder in Deutschland. Der aus Flörsheim (Main-Taunus) stammende "Welt"-Korrespondent, der ein Jahr lang in türkischer Haft saß, landete am Freitagabend (16.02.18) mit einer Privatmaschine in Berlin-Tegel. Stunden zuvor war er aus dem Gefängnis entlassen worden.

In einer Videobotschaft wandte sich der 44-Jährige an die Öffentlichkeit. Darin erklärte er, dass er noch immer nicht wisse, warum er verhaftet und ebenso wenig, warum er freigelassen wurde. Am Mittwoch hatte sich der Tag von Yücels Inhaftierung gejährt. Der Vorwurf: Volksverhetzung und Terrorpropaganda.

Yücel dankte der Bundesregierung und allen Unterstützern. Ein bitterer Nachgeschmack bleibe aber, da noch immer viele kritische Journalisten in der Türkei inhaftiert seien.

Flörsheim feiert

In Flörsheim, wo Yücel geboren wurde und wo seine Eltern und seine Schwester leben, war die Nachricht seiner Freilassung schon am Mittag mit großer Freude aufgenommen worden. "Das erlebt man als Bürgermeister auch nicht alle Tage, dass so eine Telefonlawine über einen hereinbricht", sagte Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD).

"Wir freuen uns alle und versuchen uns erstmal wieder ein wenig zu sammeln", so der Rathauschef. Antenbrink glaubt, dass der Journalist nach seiner Freilassung bald in seine hessische Heimat kommen wird. "Ich denke, dass er seinen Vater im Krankenhaus besucht." In der Stadt würde man sich auch über eine Veranstaltung mit Yücel freuen, in der der Journalist über seine Erfahrungen in der Türkei sprechen könne.

"Dann werden wir uns genauso fetzen wie vorher"

Vor der Stadthalle versammelten sich spontan Teilnehmer der seit Monaten immer wieder stattfindenden Mahnwache für Yücel. Es gab eine spontane Freuden-Demonstration und einen Autokorso. "Ich habe das vor zehn Minuten erfahren und bin sofort hierher", sagte Carola Gottas, die mit ihren zwei Töchtern zur Stadthalle kam. Sie sei unglaublich erleichtert, erinnerte aber auch an die anderen noch inhaftierten Journalisten.

Auch Antenbrink betonte, wie wichtig es sei, sich weiter für die anderen in der Türkei eingesperrten Journalisten einzusetzen. Mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: "Ich hoffe, dass der Deniz irgendwann wieder hier ist - und ich vermute, dann werden wir uns inhaltlich und politisch auch wieder genauso weiter fetzen wie vorher."

Landesregierung begrüßt Freilassung

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne) begrüßten die Freilassung von Yücel in einer gemeinsamen Stellungnahme als gute Nachricht "insbesondere für ihn persönlich und seine Familie".

Bouffier und Al-Wazir betonten, nun bleibe zu wünschen, "dass Menschenrechte, Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei wieder den Stellenwert bekommen, den sie in einer Demokratie haben müssen und die für uns in Europa unverzichtbar sind."

Schäfer-Gümbel erinnert an weitere Inhaftierte

SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel zeigte sich ebenfalls erleichtert. "Ich bin unendlich froh, dass Deniz Yücel endlich wieder frei sein wird", sagte er. "Der Einsatz für Rechtsstaatlichkeit in der Türkei muss jedoch weitergehen, weil viele Journalisten und viele andere noch zu Unrecht inhaftiert sind."

Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, würdigte am Nachmittag Yücels Mut und sein "konsequentes Festhalten an seinen Werten". Yücels Haftentlassung sei ein Hoffnungsschimmer, von Entwarnung könne angesichts von noch immer 150 Kultur- und Medienschaffenden in türkischen Gefängnissen aber noch keine Rede sein.

Yücels Anwalt Veysel Ok twitterte am Freitagmittag ein Bild von Yücel und seiner Frau vor dem Gefängnis in der Türkei: