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Neue Gebührenordnung für Tierärzte bringt Tierheime in Not

Mit der neuen Gebührenordnung ist die Rechnung für eine Behandlung beim Tierarzt jetzt bis zu dreimal so hoch wie zuvor. Die Tierheime stellt das vor existenzielle Probleme. Auch dem Bauernverband bereiten die Mehrkosten Sorgen.

Die Kosten für die Behandlung beim Tierarzt sind seit diesem Dienstag gestiegen. Manche Behandlungen sind nun doppelt oder dreimal so teuer wie zuvor. So kostet die Erstbehandlung einer verletzten Hundepfote jetzt mindestens 52 statt bisher 23 Euro. Der Preis für eine einfache Untersuchung bei einer Katze liegt bei knapp 24 statt 9 Euro.

Die Bundestierärztekammer begründet das in einem Infoschreiben damit, dass die Gebührenordnung für tierärztliche Leistungen das letzte Mal im Jahr 1999 umfassend angepasst worden sei. Seitdem hätten sich die medizinischen Verfahren verändert und neue Behandlungsmethoden seien daher nicht in der alten Gebührenordnung enthalten gewesen.

Verständnis und Sorge gehen Hand in Hand

Insbesondere beim hessischen Tierschutz- und Bauernverband und den Tierheimen stößt die neue Gebührenordnung auf Kritik. Natürlich hätten die Tierärzte ein Anrecht auf einen angemessenen Lohn, erklärt etwa der Landestierschutzverband. Für Tierhalter und Tierheime sei die neue Gebührenordnung dennoch ein Tropfen, der das Kostenfass überlaufen lässt.

"Das ist eine von vielen finanziellen Katastrophen, denen Tierhalter und Tierheime in diesem Jahr gegenüberstehen", sagt Sigrid Faust-Schmidt vom Landestierschutzverband. In diesem Jahr seien bereits zahlreiche Kostenpunkte wie Futter, Energie und Personal gestiegen.

Faust-Schmidt befürchtet, dass unter der Kostenerhöhung am Ende die Tiere leiden: Viele Tierhalter und Tierhalterinnen könnten sich ihren Hund oder ihre Katze womöglich nicht mehr leisten und nötige Behandlungen herauszögern, sagt sie. Die Tiere würden dann eingeschläfert, ausgesetzt oder direkt im Tierheim abgegeben.

100.000 Euro weniger Einnahmen bei steigenden Kosten

Eine Befürchtung, die Rolf Pomplun nur zu gut kennt. Der Vorsitzende des Vereins "Ein Heim für Tiere", der das Tierheim im nordhessischen Beuern (Felsberg) betreibt, sagt: "Seit Anfang des Jahres kommen immer öfter Tiere in einem fürchterlichen Zustand zu uns. Den Tierpflegern stehen bei der Übernahme oftmals die Tränen in den Augen."

Denn schon vor der Preiserhöhung hätten sich viele Tierhalter die Behandlung ihres Tieres nicht mehr leisten können und auf den Besuch beim Tierarzt verzichtet. Das Tierheim müsse die Tiere vor der Weitervermittlung dann erst einmal therapieren lassen. Die neuen Gebühren für die Behandlungen und die gesunkene Spendenbereitschaft erschweren diesen Prozess, wie Pomplun sagt.

Viele Tierheime finanzieren sich über Spenden. Diese seien im Verlauf dieses Jahres drastisch gesunken. "Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben wir 60.000 Euro Spenden weniger bekommen", sagt Rolf Pomplun. Dazu kämen die gestiegenen Personalkosten durch den höheren Mindestlohn. Pro Jahr bedeute das rund 40.000 Euro Mehrkosten für das Felsberger Tierheim. Zu diesem negativen Finanztrend kommen jetzt noch die höheren Tierarztkosten.

Finanzieller Druck auf Nutztierhalter steigt

Scharfe Kritik an den höheren Arztgebühren kommt auch vom hessischen Bauernverband: Die erneute deutliche Anhebung sei nicht akzeptabel und werde dazu führen, dass einige Bauern sich eine tierärztliche Versorgung kaum mehr leisten könnten. Wegen der aktuellen Kostenexplosionen in der Landwirtschaft gerieten gerade die Nutztierhalter zusätzlich unter Druck.

Der Verband spricht von bis zu 60 Prozent höheren Kosten. Bestandsbetreuungsverträge, bei denen Tierärzte von der Gebührenordnung abweichende Gebührensätze berechnen, seien daher wichtig.