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Plagiatsvorwürfe gegen Springer-Chef Döpfner

Plagiatsforscher erheben schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger: Mathias Döpfner soll 1991 in seiner Doktorarbeit aus einer Doktorarbeit aus der NS-Zeit abgeschrieben haben.

Die Goethe-Universität Frankfurt überprüft die Doktorarbeit von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner wegen eines Plagiatsverdachts. Das teilte die Hochschule am Freitag mit. Davor hatten Buzzfeed und Spiegel berichtet.

Von der Hochschule hieß es: "An die Goethe-Universität wurde ein Sachverhalt herangetragen, in dem es um den Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens im Zusammenhang mit der Dissertation 'Musikkritik in Deutschland nach 1945: Inhaltliche und formale Tendenzen - eine kritische Analyse' von Herrn Dr. Mathias Döpfner geht."

Plagiatsgutachter sieht 28 Übereinstimmungen

Man habe den Sachverhalt zur Prüfung an eine Kommission der Uni abgegeben. Ein Unternehmenssprecher des Medienkonzerns Axel Springer teilte mit: "Mathias Döpfner ist über den Vorgang informiert. Er hat volles Vertrauen in die Arbeit der Kommission der Universität Frankfurt."

In dem Bericht von Buzzfeed Deutschland heißt es, Döpfner nehme in seiner Doktorarbeit aus dem Jahr 1991 Bezug auf die Doktorarbeit von Helmut Andres aus dem Jahr 1938. Diese bezeichne Döpfner als "Sprachrohr unverhohlen faschistischer Kultur-Ideologien".

Nun werfe der österreichische Kommunikationswissenschaftler und Plagiatsgutachter Stefan Weber Döpfner aber vor, von Andres abgeschrieben zu haben. Es gebe insgesamt 28 Übereinstimmungen. Darunter "Text- und Ideenplagiate sowie ein dominierendes Strukturplagiat", heißt es in Webers Analyse, aus der Buzzfeed zitiert. 

Der 59 Jahre alte Döpfner ist heute Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und gilt als einer der einflussreichsten Medienmacher Deutschlands. Er hat Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Germanistik in Frankfurt und Boston studiert. Seine Doktorarbeit behandelt die Entwicklung der deutschen Musikkritik nach 1945. Döpfner hatte dazu Musikrezensionen in lokalen und überregionalen Medien untersucht.

Vertrauliche Überprüfung

Im zweiten Kapitel fasst er Buzzfeed zufolge die Geschichte des Musikjournalismus bis 1945 zusammen - und plagiiert demzufolge in diesem Teil von Helmut Andres, der in seiner an der Universität Heidelberg eingereichten Arbeit die Musikkritik in der Zeit vor dem Nationalsozialismus scharf kritisiert und deren positive Entwicklung in der Blütezeit des NS-Regimes lobt.

Die Goethe-Universität teilte weiter mit, gemäß Satzung seien die Verfahren vor der Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten absolut vertraulich. Auch zur Dauer des Verfahrens wurden keine Angaben gemacht.

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