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Schließung zweier Awo-Betriebe in Südhessen

Die Verluste summieren sich auf über 350.000 Euro pro Jahr: Der AWO-Bezirksverband Hessen-Süd muss aus Spargründen einen Supermarkt und einen Catering-Betrieb schließen. Die Rede ist teils von Missmanagement. Auch zahlreiche Menschen mit Behinderung verlieren ihre Arbeit.

In Südhessen müssen im kommenden Jahr zwei von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betriebene Geschäfte schließen, die auch Menschen mit Behinderung beschäftigen. Die Betriebe arbeiteten seit Jahren defizitär, einen Fortbetrieb könne sich der AWO-Bezirksverband Hessen-Süd schlicht nicht leisten, hieß es von den Verantwortlichen.

Hunderttausende Euro jährlich

Konkret geht es um den CAP Supermarkt in Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg) und die Integra Catering gGmbH in Erbach (Odenwald), die seit 2014 unter anderem Schulen und Kitas mit Lebensmitteln beliefert. Der Bezirksverband beziffert die jährlichen Verluste des Supermarktes auf 80.000 bis 90.000 Euro. Bei dem Catering-Betrieb seien es im Schnitt 280.000 Euro pro Jahr.

Den Angaben zufolge wird der CAP-Markt zum 30. Juni 2023 geschlossen. In dem kleinen Laden arbeiten derzeit 14 Menschen, davon elf mit Beeinträchtigung. Trotz einer Optimierung des Geschäftsbetriebs sei es nicht möglich gewesen, diesen wirtschaftlich zu machen. Dass demnächst ein Lebensmittelmarkt in unmittelbarer Nähe eröffnen wolle, erschwere die Situation, hieß es.

"AWO nachhaltig geschwächt"

Das Erbacher Catering-Unternehmen Integra soll bereits zum 31. März den Betrieb einstellen. Davon sind acht Menschen mit und sieben ohne Behinderung betroffen. Ihnen soll eine andere Beschäftigung angeboten werden.

Die Verluste müssten von anderen sozialen Einrichtungen und Diensten der AWO ausgeglichen werden, erklärte Ulrich Bauch, seit September 2020 Geschäftsführer des Bezirksverbandes. Die defizitären Geschäftsbereiche hätten "Millionenbeträge verschlungen, die an anderer Stelle fehlen und die AWO nachhaltig geschwächt haben". Bauch sprach deshalb von Sanierungsmaßnahmen, die "schmerzhaft, aber seit Jahren überfällig" seien.

Jahrelang weggeschaut

Laut einer AWO-Sprecherin war Integra Catering schon bei der Übernahme durch die AWO im Jahr 2016 ein Sanierungsfall. Die alte Geschäftsführung habe jedoch jahrelang weggeschaut und nichts unternommen. Damit meint sie vor allem den früheren Generalbevollächtigten des Bezirksverbands, Torsten Hammann, mit dem man mittlerweile im juristischen Clinch liegt.

Hammann soll nach hr-Recherchen für die AWO Geschäfte mit Firmen gemacht haben, an denen er selber beteiligt war. Rund 1,8 Millionen Euro sollen so für ihn persönlich abgefallen sein, rechnete ein Reporter-Team vor gut zwei Jahren aus. Die AWO trennte sich von ihm. Hamman selbst bezeichnete seine Geschäfte stets als seriös, die AWO habe von den durch ihn eingefädelten Deals profitiert.

Standorte von Dienstleister werden zusammengelegt

Zusätzlich zu den Schließungen hat der Bezirksverband nun eine weitere Sanierungsmaßnahmen beschlossen: Die Pfungstädter AWO Integra Dienstleistungs gGmbH wird mit dem Standort im 30 Kilometer entfernten Erbach zusammengelegt. Die Beschäftigten behalten ihre Arbeitsplätze. Sie seien mit dem Wechsel einverstanden.

Von Erbach aus sollen künftig zentral Dienstleistungen im Bereich Garten- und Landschaftsbau sowie Reinigung angeboten werden. Durch die Zusammenlegung erhofft sich die AWO Synergieeffekte und eine Stärkung der Wirtschaftlichkeit.

Weg mit der intransparenten Struktur

Für den Bezirksvorstand soll es künftig leichter werden, die Aufsicht über den Konzern der AWO Hessen-Süd zu führen. Dazu wird seine, wie es hieß, "in der Vergangenheit verschachtelte und intransparente Struktur" geglättet. Mehrere Gesellschaften seien bereits verkauft, verschmolzen oder liquidiert worden.

Zum AWO-Bezirksverband Hessen-Süd gehören auch die Kreisverbände Wiesbaden und Frankfurt, die von Skandalen um überhöhte Gehälter, teure Dienstwagen und Bestechlichkeit erschüttert wurden. Vor dem Frankfurter Landgericht muss sich in diesem Zusammenhang derzeit Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wegen des Vorwurfs der Vorteilsnahme verantworten.

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