Einige Dutzend Menschen im Bildvordergrund, die sich um zwei Personen drängen: in der Mitte interviewt eine Frau einen Mann. Im Hintergund der Eingang zu einem beleuchteten Raum, in dem Bilder zu sehen sind.

Neo Rauch gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart. Der Maler der Neuen Leipziger Schule stellte schon im New Yorker Metropolitan Museum aus. Jetzt darf sich das kleine Museum Bensheim in seinem Glanz sonnen.

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Neo-Rauch-Ausstellung im Stadtmuseum Bensheim

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Das Auffälligste an ihm sind die silberfarbenen Schuhe, die Neo Rauch am Abend der Ausstellungseröffnung trägt. An der Seite seiner Frau – der Künstlerin Rosa Loy – und zusammen mit seinem langjährigen Galeristen Judy Lybke geht er ein letztes Mal die Bilder ab.

Große, farbenprächtige Werke hängen an den Wänden im Stadtmuseum Bensheim (Kreis Bergstrasse), aber auch kleinformatige Zeichnungen in schwarz-weiß. Insgesamt sind es 65 Bilder, die der Leipziger Künstler zeigt, chronologisch geordnet von den 1990er-Jahren bis heute.

Kleine Orte mit "Herzenswärme"

"Bensheim ist für mich heute der Nabel der Welt" sagt Neo Rauch bei der Eröffnung. Dass der Maler, dessen Bilder weltweit für teils siebenstellige Beträge verkauft werden, sich für den südhessischen Ort entschieden hat, überrascht nur auf den ersten Blick. Zuletzt hatte der 64-Jährige zunehmend in kleineren Orte ausgestellt.

Große Kunstmuseen hätten zwar durchaus eine Magnetwirkung, "aber vor Ort erlebt man nur einen Bruchteil der Herzenswärme, die einen an kleinen Orten empfängt", schwärmt der Leipziger.

Drei Männer in einer Ausstellung

In Bensheim strahlt diese Wärme vor allem Museumsleiter Christoph Breitwieser aus, der angesichts der Bilder eines Weltkünstlers in seinem Museum sagt: "Ich bin gerade der glücklichste Mensch."

Ausstellung ist "große Verantwortung"

Der Kontakt sei schon im vergangenen Jahr entstanden, erzählen die beiden. 2023 hatte Rauchs Frau Rosa Loy ihre Bilder im Stadtmuseum Bensheim ausgestellt. Dabei habe Neo Rauch spontan angeboten, bisher kaum gezeigte Papierarbeiten in Bensheim auszustellen.

Eine große Verantwortung, betont Christoph Breitwieser. Die Schau mit Neo Rauch sei "ein Statement". Der Künstler löse zwar Diskussionen aus, aber er halte Neo Rauch für einen der wichtigsten Deutschen Maler, sagt Breitwieser.

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Die Kontroverse um den "Anbräuner"

Auch außerhalb der Kunstwelt erregte Neo Rauch 2019 Aufsehen mit einer Auseinandersetzung mit dem Kunstkritiker Wolfgang Ulrich. Ulrich hatte Rauch in einem Essay in der "Zeit" in die Nähe rechts gerichteter Künstler gerückt, die sich in Deutschland in einer Art DDR 2.0 fühlten.

Rauch fühlte sich davon angegriffen und reagiert mit dem Ölgemälde "Der Anbräuner". Es zeigt einen Maler, auf einem Nachttopf sitzend, der mit seinen eigenen Fäkalien eine Leinwand bemalt. Die entstehende Figur scheint die Hand zum Hitlergruß zu heben, daneben sind die Initialen WU zu sehen. 

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Dem Figürlichen treu geblieben

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Neo Rauch in Bensheim

Einige Dutzend Menschen im Bildvordergrund, die sich um zwei Personen drängen: in der Mitte interviewt eine Frau einen Mann. Im Hintergund der Eingang zu einem beleuchteten Raum, in dem Bilder zu sehen sind.
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Neo Rauch gilt als bedeutendster Vertreter der sogenannten Neuen Leipziger Schule. Er studierte in den 1980er Jahren an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst Malerei und malte schon zu einer Zeit figürlich, als auf dem Kunstmarkt noch die abstrakte Malerei in Mode war.

So werden auch in jedem der in Bensheim gezeigten Bilder Situationen eingefangen, Stimmungen abgebildet, Geschichten erzählt. Dass sich die Besucher in seine Bilder vertiefen, vermittle ihm das Gefühl, dass sich seine Arbeit lohne, sagt Rauch.

"Ich habe beobachtet, dass die Malerei zu den ganz wenigen Möglichkeiten gehört, die Zeit stillstehen zu lassen. Das muss ich natürlich im Kalkül haben." Er wolle den Besuchern nicht ihre Zeit rauben, sondern ihnen etwas geben.

Ein Mann und zwei Frauen von bunten Gemälden, vor sich ein dickes Buch

Großer Andrang im kleinen Museum

Zur Vernissage am Samstagabend strömen die Menschen in die kleinen Ausstellungsräume des Museums in Bensheim. Mehr als 350 sind gekommen, um Neo Rauch und seine Bilder zu sehen. Selbst Anfragen aus dem Ausland hätten ihn erreicht, erzählt Museumsleiter Christoph Breitwieser.

Er hofft, dass die Ausstellung auch weiterhin viel Anklang finden wird. Immerhin gebe es sonst selten die Möglichkeit, Weltkunst von so nah und für vergleichsweise geringen Eintritt sehen zu können.

Der Mensch hinter den Kunstwerken

Der bislang eher zurückhaltend auftretende Neo Rauch ist plötzlich mittendrin im Menschenstrudel, lächelt, schüttelt Hände. "Es fehlt die Arroganz, die man erwarten würde", ist ein Besucher positiv überrascht. "Er ist ein herzlicher, ein sensibler Mensch", beschreibt Museumsleiter Christoph Breitwieser den Künstler.

Das sehe man auch in dessen Bildern, findet er. Indem man sich mit ihnen beschäftige, könne man auch dem Menschen Neo Rauch ein Stück weit näher kommen.

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Die Ausstellung "Neo Rauch - Im Papiergrund"

Noch bis 1. September
Im Museum Bensheim, Marktplatz 13
Geöffnet Donnerstag und Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr
Das Kombiticket für Dauer- und Sonderausstellung kostet 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

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