Eckart von Hirschhausen

Kabarettist Eckart von Hirschhausen verabschiedet sich von der Bühne. Für ihn hat Klimaschutz jetzt höchste Priorität. Im Interview verrät er, warum er sich so entscheiden musste und warum es sich lohnt, den Mensch mit einem gekochten Ei zu vergleichen.

Eckart von Hirschhausen hat nicht gerade wenige Berufsbezeichnungen: Er ist Arzt, Moderator, Kabarettist, Produzent, Schriftsteller und Comedian. Seit vielen Jahren tourt der gebürtige Frankfurter als medizinischer Kabarettist von Bühne zu Bühne - damit macht der 55-Jährige jetzt aber Schluss. Der Grund: Der Klimaschutz könne nicht mehr warten.

Wir haben ihn im Rahmen der "Klima_X"-Ausstellung im Frankfurter Museum für Kommunikation zum Interview getroffen.

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Warum Eckart von Hirschhausen sich jetzt ganz dem Klimaschutz verschreibt

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hessenschau.de: Die letzte Möglichkeit, Sie noch auf der Bühne zu sehen, ist im Januar in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Warum verabschieden Sie sich von der Bühne? 

Eckart von Hirschhausen: Es ist tatsächlich eine Frage von Kapazitäten. Wenn ich jetzt merke, dass wir einen planetaren Notfall haben, dann wäre es als Arzt eine unterlassene Hilfeleistung, sich nicht mit höchster Priorität um das wichtigste Problem zu kümmern. In der Bühnenkunst erreiche ich nur die Leute, die gekommen sind und eine Karte gekauft haben.

In den Medien wie Radio, Fernsehen und auch mit dem neuen YouTube-Kanal habe ich die Möglichkeit, auch Menschen zu erreichen, die nicht zu mir kommen. Wenn die Welt gerettet ist, komme ich sofort wieder auf die Bühne und mache wieder Quatsch.

hessenschau.de: Mit Ihrer Stiftung "Gesunde Erde - Gesunde Menschen" sind Sie Teil der "Klima_X"-Ausstellung hier im Museum für Kommunikation in Frankfurt. Weshalb?

Eckart von Hirschhausen: Ich habe vor vier Jahren die Stiftung "Gesunde Erde - Gesunde Menschen" gegründet, weil ich kapiert habe, dass wir eine andere Form von Kommunikation dringend brauchen. Was bislang fehlte, war der Bezug zur Gesundheit, meinem ureigensten Thema. Und solange wir nicht verstehen, dass wir nicht die Erde oder das Klima retten müssen, sondern uns selbst, solange bleiben wir untätig. Das ist wichtig, dass wir diese Ausstellung auch begreifen als ein Puzzlestein in dem, was eine Jahrhundertaufgabe ist - für die wir aber kein Jahrhundert Zeit haben.

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"Klima_X" im MfK Frankfurt

"Klima_X" befasst sich mit der Frage, warum wir trotz unseres Wissens nicht handeln und soll den Besuchern aufzeigen, welcher Klimatyp sie jeweils sind. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, dem Umweltweltamt Frankfurt sowie der Stiftung "Gesunde Erde -Gesunde Menschen". Sie läuft noch bis zum 27. August 2023 im Museum für Kommunikation in Frankfurt.

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Eckart von Hirschhausen in der Ausstellung "Klima_X"

hessenschau.de: Warum geht es Ihnen vor allem um die Kommunikation im Bereich Klimaschutz?

Eckart von Hirschhausen: Wenn wir immer denken, dass es ein Problem von Eisbären oder ein Problem von pazifischen Inselstaaten ist, die zu nah am Wasser gebaut sind, dann distanzieren wir uns ständig - sowohl emotional als auch zeitlich und räumlich. Wir denken, es geht mich nichts an, das ist weit weg oder irgendwann in der Zukunft. Aber nicht jetzt. Und das ist Gift für all das, was unser Reptiliengehirn für eine Handlungsaufforderung empfindet. Jeder würde aus einem brennenden Haus sofort fliehen. Aber wenn sich die Temperatur langsam erwärmt, verpassen wir den Absprung. Und das darf uns nicht passieren.

Das Wichtigste, was ein Einzelner heute machen kann, ist, nicht alleine zu bleiben, sich zu vernetzen, sich Profis zu suchen. Es ist schwer, die Welt ehrenamtlich zu retten, wenn andere sie hauptberuflich zerstören. Und deswegen habe ich mich entschieden, sozusagen auch als Profi der Kommunikation in dieses Feld zu investieren. Mit meiner Zeit, mit meiner Persönlichkeit, mit meiner Stimme in der Öffentlichkeit und auch mit dem tollen Team.

hessenschau.de: Inwiefern lassen sich für Sie Bühnenkunst und Klimaschutz nicht mehr miteinander vereinbaren?

Eckart von Hirschhausen: Gesundheitsgefahren in der Klimakrise wurden lange übersehen. Das ist der Kern von der Kommunikationsarbeit, die jetzt ansteht, gerade mit "Gesunde Erde - Gesunde Menschen". Das ist auch der Grund, warum ich jetzt nicht mehr als Bühnenkünstler auftreten möchte, sondern als ich selber. Weil in dem Moment, wo man denkt: "Ach, der Hirschhausen ist doch der Typ mit der roten Nase, gleich wird's lustig", versteht man vielleicht nicht die Ernsthaftigkeit oder die Dringlichkeit der Diagnose.

Als Arzt habe ich gelernt: Wenn man nicht die Diagnose erst mal klärt, lohnt es sich nicht, über die Therapiemaßnahmen zu streiten. Die Grundlage von Gesundheit ist eben nicht eine Operation oder eine Tablette. Sondern die Grundlage von Gesundheit ist saubere Luft zum Atmen, sauberes Wasser zum Trinken, Pflanzen, die man essen kann und erträgliche Temperaturen. Alle diese vier Grundpfeiler von Gesundheit sind akut in Gefahr. Und nichts davon kann man ersetzen für größere Mengen an Menschen.

hessenschau.de: Braucht es vielleicht genau solche Anschauungen, damit die Dringlichkeit deutlicher wird?

Eckart von Hirschhausen: Mein liebstes Beispiel, was jeder sofort nachvollziehen kann, ist, wenn man mal ein Ei gekocht hat. Legt man es in warmes Wasser, dann wird es hart - und es wird für immer hart. Wenn das Wasser abkühlt, wird es nicht mehr weich. Das heißt, dieses Ei hat für immer irreversibel seine Form und Struktur geändert. Das Protein ist denaturiert, sagt man auf schlau dazu.

Und wichtig ist auch: Aus diesem gekochten Ei wird nie mehr ein Küken. Das hat für immer seine Chance auf Leben verloren. Woraus besteht ein Ei? Aus Wasser, aus Fett und aus Eiweiß. Woraus besteht unser Körper und maßgeblich unser Hirn? Aus Wasser, aus Fett und aus Eiweiß. Wir sind aus genau den gleichen Bausteinen.

Eckart von Hirschhausen

hessenschau.de: Welche Fähigkeiten Ihrer Bühnenkunst helfen Ihnen auch in Sachen Klimaschutz?

Was ich mitnehme, ist die Fähigkeit, Themen miteinander zu verknüpfen, auch auf eine überraschende Art und Weise. Oder wie das Beispiel mit dem Ei und der Irreversibilität, wo ich die Fähigkeiten, Dinge auf den Punkt zu bringen oder auf eine Pointe zu bringen, weiter nutzen will.

Ich habe selber nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich nicht als Vorbild tauge, was meinen eigenen Fußabdruck angeht. Aber das ist auch Teil der Kommunikation. Das ist auch nicht das Entscheidende. Du musst nicht alles perfekt machen, um den Mund aufzumachen.

Das Gespräch führte Lara Karbalaie.

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