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Film über Rex Gildo eröffnet Queer Filmfestival

Der Regisseur Rosa von Praunheim gilt als eine Ikone der Schwulen- und Lesbenbewegung. Mit seinem neuesten Film "Rex Gildo - Der letzte Tanz" wird jetzt das Queer Film Festival in Frankfurt eröffnet. Im Interview verrät er, was er mit Rex Gildo verbindet und wie er auf die heutige LGBTQIA+-Bewegung schaut.

In Frankfurt-Praunheim ist er aufgewachsen und mit einem rosa Winkel wurden die homosexuellen Häftlinge in den KZs der Nazis gekennzeichnet: So entstand der Künstlername des Regisseurs Rosa von Praunheim.

Schon der Name war also eine Provokation und erst recht der Film, der ihn 1971 deutschlandweit bekannt machte: "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt". Zum ersten Mal sah das deutsche Fernsehpublikum dort zwei Männer, die sich küssten. Ein Skandal – und eine Initialzündung für die deutsche Schwulenbewegung.

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Queer Film Festival 8.-14. September 2022

Das Festival findet zeitgleich in zwölf deutschen Städten und in Wien statt. Mit dem Film "Rex Gildo – Der letzte Tanz" wird das Festival in Frankfurt eröffnet. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage.

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Über 50 Jahre später eröffnet der neueste Film von Praunheims das Queer Film Festival in Frankfurt. "Rex Gildo – Der letzte Tanz" ist ein semi-dokumentarischer Film über das widersprüchliche Leben des Schlagerstars Rex Gildo. In einem Mix aus Spielszenen, Zeitzeugeninterviews und Archivaufnahmen folgt die Handlung dem Leben des Schlagersängers und Schauspielers.

hessenschau.de: Was macht Rex Gildos Geschichte so besonders?

von Praunheim: Ich fand die Idee einen Film über Rex Gildo zu machen sehr toll, weil der ja sehr verklemmt schwul gelebt hat. Oder leben musste, weil er so ein Frauenhelden-Image bekommen hat und sein Leben tragisch beendet hat. Wahrscheinlich auch, weil er nicht offen mit seiner Homosexualität umgegangen ist.

hessenschau.de: Rex Gildo hatte seine große Zeit in den 1950er und 1960er Jahren. Inwiefern ist seine Situation exemplarisch gewesen für schwules Leben zu der Zeit?

von Praunheim: Bis 1969 wurde Schwul-Sein kriminalisiert, diskriminiert, gesellschaftlich geächtet. Da haben sich viele ein heterosexuelles Image zugelegt – Familie, Kinder – und mussten unglücklich leben. Keiner konnte sich outen. Das war in der Zeit vor 1969 unmöglich. Das war strafbar. Es sind doppelt so viele Schwule ins Gefängnis gekommen zwischen 1949 und 1969 wie während der Nazizeit.

hessenschau.de: Was verbinden Sie mit Rex Gildo persönlich?

von Praunheim: Als ich noch ein Kind war, war Conny Froboess mit ihren Liedern sehr populär. Sie hat später mit Rex Gildo Musikfilme gemacht. Das ist mir noch in Erinnerung. Es ist nicht so meine Musik, aber ich fand die Figur immer interessant. Er sah blendend aus und konnte sehr gut singen, sehr gut tanzen. Er war auch ein guter Schauspieler. Er hat über 30 Musikfilme gemacht und war in der Unterhaltungsbranche ein ganz Großer.

Nahaufnahme von Rex Gildo und Gitte Hänning

hessenschau.de: Er ist 1999 gestorben, vermutlich infolge eines Suizids. Was kann uns Rex Gildo heute noch sagen?

von Praunheim: Er wurde ja als großer Mädchenschwarm aufgebaut. Dass er so verklemmt gelebt hat, das war ein verlogenes Leben. Das ist für keinen psychisch besonders gut, wenn er eine Rolle spielen muss – auch privat –, die ihm nicht genehm ist.

hessenschau.de: Ihr bekanntester Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" ist über 50 Jahre alt. Was hat sich seither an der Situation von Homosexuellen in Deutschland geändert?

von Praunheim: In Westeuropa hat sich sehr viel geändert. Heute sind Themen wie Homosexualität, Transgender in aller Munde. In vielen Talkshows, Soap Operas und Serien kommen Schwule und Lesben auch positiv vor.

Aber auf der anderen Seite haben wir natürlich immer noch Diskriminierung in anderen Ländern, im Ostblock. Wir haben die muslimische Gesellschaft, die christlichen Fundamentalisten, die gegen Homosexuelle wettern. Und wir haben ganz Afrika und Asien, die Homosexualität nicht besonders toll finden. Wir haben auch immer noch die Todesstrafe in einigen Ländern.

Auch wenn wir in Deutschland leben, haben wir ja Leute aus anderen Ländern, die hier mit uns leben – und das ist schwierig. Wenn man in der Schule ist und viele muslimische Mitschüler hat, die einfach von zu Hause aus lernen, Homosexuelle sind nichts wert und verachtenswert, dann ist es sicher schwer für einen Jungen da aufzuwachsen.

hessenschau.de: Nun fanden in letzter Zeit vermehrt queerfeindliche Übergriffe statt, wie kürzlich in Münster oder auch Frankfurt. Was muss passieren?

von Praunheim: Übergriffe gegen Schwule und Lesben und Transgender sind da und wir müssen immer wieder kämpfen. Die Demokratie und Toleranz werden uns nicht geschenkt. Wir müssen immer wieder dafür eintreten. Je mehr Schwule und Lesben offen zu ihrer Sexualität stehen, umso besser ist das – besonders auch bei Prominenten.

hessenschau.de: Wie würden Sie sich heute bezeichnen? Als Teil der LGBTQIA+-Bewegung oder als schwul?

von Praunheim: Ich bin ein Teil davon. Ich bin altmodisch und sehe mich als schwul an, aber viele modernere, jüngere Leute sehen sich als queer oder als non-binär. Da gibt es ja inzwischen viele Diskussionen und viele Differenzierungen. Die Zeit geht weiter und Leute erfinden sich immer wieder neu. Aber ich bin immer noch altmodisch ein schwuler Mann.

hessenschau.de: Wie schauen Sie auf diese Bewegung? Zum Teil ist sie sprachlich sehr radikal.

von Praunheim: Es ist so, dass man – immer, wenn man radikale Forderungen stellt – übertreibt, oder? Ich meine, das war in der 68er-Bewegung genauso. Wir haben in den 1960ern eine andere Gesellschaft gewollt und waren auch sehr radikal und ausgrenzend in vielem, um etwas zu erreichen. Und das ist heute auch so. Wenn Leute wieder neue Debatten anstoßen, dann sind sie vielleicht erstmal radikal. Vielleicht muss man manchmal einen Stein werfen, um dann wieder zur Normalität zurückzukehren.

Das Interview führte Tamara Marszalkowski.

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