Psycho-Drogen, klaustrophobischer Grusel und zwei Hände voll Leichen: Der neue Frankfurt-Tatort führt in die Welt einer seltsamen Psychotherapie, in eine Villa mit Seele und dreht mit Schockeffekten ordentlich auf.

Audiobeitrag

Audio

Frankfurt-Tatort: Fantasievoller Trip ins Jenseits

Ende des Audiobeitrags

Es fängt ganz harmlos an: Sieben Frauen und Männer sitzen im Kreis auf Kissen auf dem Boden, die Atmosphäre ist angenehm, intim, das Ambiente edel. Eine Therapiegruppe, zusammengekommen, um mit ihrem charismatischen Psychiater und Guru Dr. Goser (Martin Wuttke) in seiner Villa am Waldrand eine Gruppensitzung mit psychodelischen Drogen zu erleben. "Das dritte Auge öffnen", wie Goser, der die Session leitet, es nennt.

Ein glatzköpfiger Mann träufelt mit einer Pipette etwas in ein Glas Champagner. Rechts und links von ihm sitzt jeweils eine Frau.

Er gibt einen Tropfen LSD in jedes Champagnerglas, die drei Frauen und Männer trinken andächtig – und nur wenig später bricht das Inferno los: Alle geraten vollkommen außer Kontrolle, ein Reigen absurder Szenen der Selbstverstümmelung mündet in sechs Toten, nur der Psychologe überlebt das tödliche Chaos. Der lakonische Kommentar von Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) am Tatort: "Scheint eine wilde Party gewesen zu sein". Und zum Setting der Gruppe fällt ihm nur ein knappes "verdammte Freaks" ein.

Schnitt. Zehn Tage später: Um den Fall zu klären, holen die Kommissare den Psychologen, der sich angeblich an gar nichts erinnern kann, aus der U-Haft und machen eine Tatortbegehung in der Villa mit ihm. Sie wollen den Abend rekonstruieren. Aber auch diese Situation läuft massiv aus dem Ruder und führt erneut in ein blutiges Chaos.

Die Villa spielt eine Hauptrolle

Weite Teile des Tatorts "Leben. Tod. Ekstase." (hier in der ARD-Mediathek) spielen auf diesem schlossähnlichen Anwesen, in der Villa, die riesig, imposant, verwinkelt, schön und gruselig ist: oben repräsentative Wohnräume, unten ein dunkler Keller mit Gängen, verrosteten Stahltüren und dazwischen viele Treppen. "Ich wollte den Kasten erst gar nicht haben", sagt Goser. "Das war mal eine forensische Psychiatrie." Wie passend! Nun ist das Haus ein ganzer Kosmos, der Goser-Psycho-Kosmos, der sich in zahlreichen Rückblicken auf die Sitzungen und Partys der Therapiegruppe über Jahre auffächert.

In der Gegenwart entwickelt sich bei der Tatortbegehung ein klaustrophobisches, blutiges Katz- und Mausspiel. Verschlossene Türen, tote Telefone, unklare Lage.

Die Atmosphäre: psychodelisch und düster

Eine Frau kniet, im Hintergrund ist eine Villa mit rot erleuchteten  Fenstern.

Die Drogentrips der Therapiegruppe werden in grellen, psychedelischen Farben gefilmt, das Licht flackert stroboskopartig, die Kamera wackelt, die Akustik ist zerrissen - phasenweise mutet der Tatort an wie ein Horrortrip für Augen und Ohren.

Wenn keine Drogen im Spiel sind, ist der Film in dunklen Farben gehalten, düster und unheilvoll in den Innenräumen der Villa, nachtdunkel draußen.

Drogen als Therapie – gibt es das?

Dr. Adrian Goser ist "eine Koryphäe auf dem Gebiet der Psycholyse", weiß Kommissarin Anna Janneke (Margarita Broich). Sie hat seine Bücher gelesen und interessiert sich sehr für die Psychotherapie mit psychedelischen Drogen. "Was soll das sein?", fragt Brix, "also eine Überdosis?". Er hält nichts vom Ansatz Gosers, vermutet Gruppensuizid und traut dem Psychologen kein bisschen. "Psycholyse! Das ist doch Mumpitz. Schlaues Wort für kollektiven Rausch, nichts weiter!".

Goser verteidigt seine Methode und betont, er sei mit seinen Patienten auf der Suche nach "Grenzerfahrungen" gewesen, "zur Selbsterkenntnis". Er besteht darauf, nur laborreines LSD einzusetzen, das weder gesundheitsschädlich sei, noch abhängig mache – und vor allem unter gar keinen Umständen tödlich sein könne. Janneke steuert viel von ihrem Wissen bei und hält Brix kleine Vorträge zur Geschichte der Psychodrogen.

Hintergrund: Die Psycholyse als Therapieform gibt es wirklich, sie wurde in den 1950er-Jahren entwickelt, ist allerdings von den Krankenkassen nicht zugelassen und wissenschaftlich nicht anerkannt. Verboten ist sie nicht.

Der lustige rote Faden

Actionheld Arnold Schwarzenegger ist der Running Gag in diesem düsteren Tatort. Der Psychiater leitet von den Blockbusterfilmen eine ganze Philosophie ab und teilt Menschentypen nach den Streifen ein. Seine Standardfrage lautet: "Welches ist Ihr Lieblingsfilm von Arnold Schwarzenegger?" Für ihn ist das "wie ein Sternzeichen".

Fazit: sehenswert - oder Zeitverschwendung?

Der Frankfurt-Tatort "Leben. Tod. Ekstase." ist ein echter Gruselschocker und konsequent auf Effekt gedreht. Er ist spannend, psycho, gemein, blutig, böse, eklig - und manchmal auch lustig. Besonders Kommissar Brix lockert das ganze Grauen mit seinen lakonischen Bemerkungen immer wieder auf und steuert ein paar echte Lacher bei, etwa wenn er einen Walpenis sehr effektiv einsetzt. Mit insgesamt zehn Toten hat der Krimi eine ordentliche Leichenbilanz! Nichts für Dünnhäutige, für alle anderen unbedingt sehenswert.

Die Kommissare Paul Brix und Anna Janneke prosten sich mit einem Bier zu.
Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen