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Wolf im Norden Waldeck-Frankenbergs gesichtet und gefilmt

Auf einem Feldweg in Korbach hat ein Autofahrer einen Wolf entdeckt und gefilmt. Ob das Tier auf der Durchreise ist oder im Kreis Waldeck-Frankenberg sesshaft wird, ist unklar.

Ein Wolf ist zwischen den Korbacher Ortsteilen Nieder-Ense und Ober-Ense über Felder gelaufen und dabei gefilmt worden. Der Clip wurde bei Youtube hochgeladen, in sozialen Netzwerken geteilt und sorgt seitdem für Aufsehen.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) analysierte das Video und bestätigte zunächst, dass es sich um einen Wolf handelt. In einem zweiten Schritt habe man den Standort verifiziert und festgestellt, dass das Video tatsächlich an dem angegebenen Ort aufgenommen wurde, so Susanne Jokisch vom Wolfszentrum Hessen des HLNUG. Damit gilt der Film als sicherer Wolfsnachweis für Hessen.

Doch das Tier ist damit nicht der erste Wolf im Landkreis Waldeck-Frankenberg, wie Mark Harthun vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen weiß: Bereits 1994 sei dort der erste hessische Wolf aufgetaucht und schnell zum Abschuss freigegeben worden - unter Protest. Viele Menschen forderten den Schutz des Wildtiers. Bevor es zum Abschuss kommen konnte, sei der Wolf wieder verschwunden.

Wolf zeigt "Fluchtverhalten mit Absicherungsstopps"

Das Video war am Dienstag von einem Zeugen aufgenommen und später auf dem Youtube-Kanal der lokalen Nachrichtenseite "Eder Dampfradio" hochgeladen worden. Dem Betreiber Olaf Dudek war der Clip anonym zur Verfügung gestellt worden.

Das Video ist gut 20 Sekunden lang. Es zeigt die Perspektive aus einem fahrenden Auto. Zu sehen ist ein Wolf, der zunächst wegläuft, sich dann aber mehrmals umdreht. "Was ein Apparat", sagt jemand im Fahrzeuginneren. In der letzten Einstellung sieht man, wie das Tier von dem Auto wegrennt.

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Verhalten zeigt starke Verunsicherung

Damit zeige der Wolf eine starke Verunsicherung, interpretiert HLNUG-Expertin Jokisch das Verhalten des Tiers. Es handele sich bei den Bewegungsabläufen um ein Fluchtverhalten mit Absicherungsstopps, "um die Gefährlichkeit der Situation einzuschätzen".

Das Alter des Tieres lasse sich anhand der Aufnahmen schlecht einschätzen, sagt sie. Meist handele es sich bei abwandernden Tieren jedoch um junge, erwachsene Wölfe im zweiten Lebensjahr, die auf der Suche nach einem eigenen Territorium und einem Paarungspartner seien.

Das Wolfszentrum des HLNUG erwartet, dass die Wolfspopulation in Hessen 2023 weiter wachsen werde.

Auto wird vom Wolf nicht als Gefahr eingestuft

Ein Auto sei für Wölfe im Übrigen nichts Neues, ergänzt Jokisch: "Sie werden von ihnen nicht per se als gefährlich eingestuft." Menschen, die in oder auf Fahrzeugen säßen, würden dazu von Wölfen nicht als Menschen wahrgenommen.

Anders ist das bei Joggern oder Spaziergängern. Wer einem Wolf in freier Wildbahn begegnen sollte, dem rät das Landesamt, sich als Mensch bemerkbar zu machen, um dessen Fluchtverhalten auszulösen. Laute Geräusche wie Klatschen würden den Wolf vertreiben.

Genproben geben Aufschluss über Herkunft

In Waldeck-Frankenberg wurden bisher keine Wölfe per DNA-Probe nachgewiesen, so die Sprecherin, allerdings müsse man "mit durchziehenden Wölfen in ganz Hessen rechnen". Ob sich der Wolf in Waldeck-Frankenberg niederlässt, wird sich zeigen. Dafür muss er über einen Zeitraum von wenigstens sechs Monaten mindestens zweimal genetisch nachgewiesen werden.

So wie Anfang Juni 2022 in Nordhessen. Dort entdeckte eine Spaziergängerin zwischen Spangenberg (Schwalm-Eder) und Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner) Kot - ein Hinweis darauf, dass ein neuer Wolf Hessen durchwandert hat oder jetzt hier lebt. Im Februar 2022 wurde mitten am Tag ein Wolf sogar in einem Wohngebiet gefilmt.

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