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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 15 Aktivisten

Weil sie auf Baumhäusern gegen die Rodung eines Teilstücks des Fechenheimer Waldes protestiert haben, laufen Ermittlungen gegen 15 Menschen. Einem Aktivisten wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Nach der Räumung des Fechenheimer Walds im Frankfurter Osten hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt Ermittlungsverfahren gegen insgesamt 15 mutmaßliche Gegner des Ausbaus des Riederwaldtunnels eingeleitet. Das teilte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen am Montag mit.

Demzufolge werde wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs ermittelt, einer Person werde zudem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Es handele sich bei den Beschuldigten um vier Männer, zwei Frauen und neun diverse Menschen, heißt es in der Mitteilung.

Mit "dem beschuhten Fuß" nach Beamten getreten

Konkret werde ihnen vorgeworfen, sich "illegal in dem zu rodenden und umzäunten Trassenbereich des Fechenheimer Waldes in Baumhäusern aufgehalten zu haben". Spezialkräfte der Polizei hätten sie aus den Bäumen holen und aus dem umzäunten Bereich entfernen müssen.

Eine der beschuldigten Personen soll dabei "mit dem beschuhten Fuß gezielt in Richtung des Kopfes eines helmtragenden Polizeibeamten getreten" haben. Im Gewahrsam des Polizeipräsidiums soll sie zwei weitere Beamte mit Tritten verletzt haben.

Den Angaben zufolge haben sich die Beschuldigten geweigert, ihre Personalien bekannt zu geben und sich sämtlichen Identifizierungsmaßnahmen entzogen. "Insbesondere sollen sie ihre Fingerkuppen durch den Einsatz von Sekundenklebern und Glitzerstaub dauerhaft unkenntlich und damit die Abnahme von Fingerabdrücken unmöglich gemacht haben".

Ehemalige Baumbesetzer bei Waldspaziergang

Als sie schließlich wegen Fluchtgefahr einem Haftrichter vorgeführt wurden, hätten bis auf eine Person alle Angaben zu ihren Personalien gemacht, sodass sie aus der vorläufigen Untersuchungshaft entlassen wurden. Nur gegen einen bislang nicht identifizierten Menschen sei Haftbefehl erlassen und Untersuchungshaft angeordnet worden.

Die Aktivistinnen und Aktivisten hatten sich in Baumhäusern verschanzt und versucht, die Räumung und Rodung des Waldes aufzuhalten. Die bundeseigene Autobahn GmbH hatte Anzeige erstattet, weil sich die Besetzerinnen und Besetzer illegal auf der Rodungsfläche aufgehalten hätten. Die GmbH will möglicherweise Schadenersatz fordern.

Einige der ehemaligen Baumbesetzer waren am Sonntag gemeinsam mit insgesamt etwa 200 Menschen zu einem Waldspaziergang am gerodeten Waldstück zusammengekommen. Mit Transparenten und Gesängen kritisierten sie die Rodung und forderten ein Umdenken in der Verkehrs- und Klimapolitik. An der Protestaktion beteiligten sich Vertreter mehrerer Umweltverbände.

"Wir sind nicht nur ein paar verrückte Aktivisten"

Am Montag hatte die Kampagne "Fecher bleibt - keine A66!" zudem zu einer Pressekonferenz geladen. Eine der Aktivistinnen aus dem Wald, die sich selbst "Elsa" nennt, sagte dort: "Wir werfen der Polizei vor, dass sie bei der Räumung unprofessionell und fahrlässig vorgegangen ist." Die Einsatzkräfte hätten zum Beispiel Feuerlöscher der Aktivisten wahllos im Wald entleert und so Schadstoffe verteilt, zudem sei neben Traversen, in denen noch Menschen in Bäumen saßen, bereits gerodet worden, wodurch Bäume auf die Traversen gefallen seien.

"Es ist traurig, was im Fechenheimer Wald passiert ist", sagte "Elsa" weiter. "Doch wir dürfen uns davon nicht kleinkriegen lassen. Wir müssen immer wieder beweisen, dass wir nicht nur ein paar verrückte Aktivisten sind, sondern eine große Unterstützung erfahren."

Alexis Passadakis vom Netzwerk "Attac" sagte: "Den konkreten Konflikt um den Fechenheimer Wald haben wir verloren, in den letzten eineinhalb Jahren aber auch viel gewonnen". So stehe das Thema Autobahn in Frankfurt nun ganz oben auf der öffentlichen Agenda. "Bei künftigen Projekten wird es also immer wieder Protest geben", sagte Passakadis.

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