Bildkombination: links, Detailfoto eines Deckengemädes; mittig, Filmfoto von Marilyn Monroe; rechts Foto vom Innenraum einer Kirche.

Hollywood-Diva Marilyn Monroe war einst eine der meistfotografierten Frauen der Welt. Was viele nicht wissen: Sie ist im Deckengemälde einer Rhöner Dorfkirche zu bestaunen. Wir verraten, wie es vor Jahrzehnten dazu kam - und was die Kirche heute dazu sagt.

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Marylin Monroe als Engelsgesicht in Rhöner Dorfkirche verewigt

Fotografische Außenansicht einer kleinen Kirche
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Marilyn Monroe wurde als Schauspielerin und Sex-Symbol weltberühmt. Bilder von ihr haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt – wahrscheinlich vor allem in der Männerwelt. Fotos der lasziven Blondine wurden zu Ikonen der Pop-Kultur. Manchmal trifft man auf Abbildungen von ihr, wo man überhaupt nicht damit rechnet: in einem hessischen Gotteshaus.

In einer Rhöner Dorfkirche ist ein Engel eines Deckengemäldes mit dem Kopf von Marilyn Monroe versehen. Gut zu erkennen ist der blonde Locken-Schnitt und Monroes zarte Gesichtsform. Von einem Schmollmund oder einem kurvigen Frauenkörper ist aber nichts zu sehen. Der Monroe-Engel mit den grauen Flügeln aus dem Rücken folgt im weißen Wolken-Meer ganz brav seinen Gefährten.

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Marilyn Monroe 1954 in New York

Marilyn Monroe, die mit bürgerlichem Namen Norma Jeane Baker hieß, ist mittlerweile 60 Jahre tot. Die amerikanische Schauspielerin wurde berühmt durch Filme wie "Blondinen bevorzugt" und "Manche mögen's heiß". In den 1950er Jahre wurde sie zum Weltstar. Zu ihrer Zeit war sie eine der bekanntesten und meistfotografierten Frauen der Welt. Sie starb in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962 an einer Medikamenten-Überdosis  (Barbiturate) und wurde nur 36 Jahre alt.

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Reimund Romeis muss immer wieder schmunzeln, wenn er an die Decke der evangelischen Kirche im Ortsteil Habel von Tann (Fulda) blickt. Er war über 30 Jahre Kirchenvorstand der Laien in der Kleinstadt und er weiß, wie die Hollywood-Diva an die Decke der Kirche kam.

Kinder-Porträts für Engels-Gesichter

Romeis berichtet, dass in den Jahren 1963 und 1964 die Kirche renoviert wurde. Ein Kirchenmaler wurde beauftragt, einen Deckenabschnitt mit Engeln zu verzieren. Die Körper samt Fügeln malte er ohne spezielle Vorbilder. Doch für die Gesichter entstand die Idee, Porträts von Kindern aus dem Dorf zu verwenden.

Dem Kirchenmaler wurden Fotografien gebracht. "Und dabei haben sich ein paar Jungs einen Streich erlaubt", berichtet Romeis. Die jubelten dem Kirchen-Künstler nämlich eine Aufnahme von Marilyn Monroe unter. Ob er sie unwissentlich auf die Decke des Gotteshauses bannte oder er sie erkannte und trotzdem verewigte, ist nicht überliefert. Der Pfarrer war zu der Zeit im Urlaub – und schon war's passiert, wie Romeis berichtet.

"Das ist schon was Besonderes"

In der Riege der Engel findet sich auch Romeis' Ehefrau Ingrid wieder. Ihr Foto diente ebenfalls als Vorlage für ein Engelsgesicht. "Das ist schon was Besonderes", sagte sie noch heute viele Jahrzehnte später. "Wer ist schon an der Decke einer Kirche zu sehen. Und dann auch noch als Engel."

Aus welchen Gründen auch immer – in der Kirche ist noch eine Hollywood-Diva zu sehen: Nahe des Deckengemäldes ist Jane Russell mit einer Fanfare in der Hand abgebildet. Russell (1921-2011) war ebenfalls eine US-Schauspielern und Sängerin, die in den 1940er und 1950er Jahre als Sex-Symbol galt.

Die in der Kirche verewigten Schauspiel-Schönheiten führen zwar nicht dazu, dass scharenweise Touristen in das Gotteshaus kommen, wie Konrad Kirchner vom Tanner Kultur- und Geschichtsverein sagt. Doch ein Besuch in der zwischen 1782 und 1785 erbauten Barockkirche lohne sich auf jeden Fall - nicht zuletzt wegen der besonderen Malereien.

Foto einer Wandmalerei im Innenraum einer Kirche. Auf den Körper eines fliegenden Engels wurde der Kopf der Schauspielerin Jane Russell gemalt.

Die Kirche sieht es gelassen

Die Kirche nimmt das alles mit Humor. Eine Sprecherin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sagte dem hr auf Anfrage: "Engel sind die Boten Gottes: Sie zeigen den Menschen, dass Gott bei ihnen ist. Wenn nun die Kirchgängerinnen und Kirchgänger in der Habeler Dorfkirche durch einen als Marilyn Monroe stilisierten Engel Gottes Gegenwart erfahren, dann ist uns das recht. Wir sehen den Streich daher nicht etwa als gotteslästerlich oder anrüchig, sondern ganz gelassen."

Die EKKW erklärte weiter: "Hier geht es auch um christliche Hoffnungsbilder: Die Lebenden werden verwandelt und unvergänglich. Insofern passen auch eine Hollywood-Ikone und die christliche Botschaft zusammen."

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