Feyyaz Çetiner koordiniert die Zusammenarbeit mit jüdischen Gruppen im Kreisverband der Frankfurter Grünen. Hinweise über Kontakte im Netz und Vorgänge in der Kommunalen Ausländervertretung werfen allerdings Fragen auf, was er mit türkischen Rechtsextremen zu tun hat.

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Frankfurts Grünen-Kreisverband verteidigt Feyyaz Çetiner

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Feyyaz Çetiner zeigt sich gerne mit Promis der Frankfurter Grünen. Auf einem seiner Facebook-Profile ist er mit dem Bundesvorsitzenden Omid Nouripour oder der Frankfurter OB-Kandidatin Manuela Rottmann zu sehen. Er ist Mitglied im Präsidium der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) und seit 2021 Mitglied der Grünen. Çetiner hat 2022 die Arbeitsgruppe "Freund*innen des Jüdischen Lebens" im Kreisverband mitgegründet und ist deren Koordinator.

Çetiner war bereits 2011 in der KAV - damals auf der Liste "Multikulturelles Hilfsbereites Publikum (MHP)". Recherchen des hr brachten damals ans Licht, dass mehrere Mitglieder auf der Liste dem deutschen Ableger der türkischen Mutterpartei der Grauen Wölfe (MHP) zuzuordnen waren. Çetiner war im Jahr zuvor im Vorstand eines Frankfurter Vereins der MHP. Die Partei zählt Kurden, Armenier und Juden zu ihren Feindbildern und geht von einer kulturellen Überlegenheit der Türken aus.    

"Menschen, die ihre Jugendsünden hinter sich lassen"

Die Frankfurter Antifa und nicht-türkische KAV-Mitglieder haben Çetiners extremistische Vergangenheit vor kurzem öffentlich gemacht. Anlass für die beiden Sprecher des Frankfurter Grünen-Kreisverbandes, Julia Frank und Götz von Stumpfeldt, sich zu dem Fall zu äußern: "Es gibt immer öfter Menschen, die ihre Jugendsünden entschieden hinter sich lassen und versuchen, mit ihrem Hintergrundwissen den Kampf gegen Rassismus, Faschismus und Antisemitismus zu unterstützen."

Sie seien froh, jemanden mit einer so "klaren Haltung gegen rechte Strukturen und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in unseren Reihen zu haben", heißt es in einer Pressemittelung.

Çetiner habe seit 2011 Annäherungsversuche von Grauen Wölfen unterbunden, habe seitdem keinerlei Kontakte in diese Richtung und unterstütze antifaschistische Arbeit, auch gegen Graue Wölfe. 

Fragwürdige Follower bei Facebook

Doch schaut man sich Çetiners privates Facebook-Profil an, kann man zumindest hinter letztere Aussage ein Fragezeichen setzen. Ein Foto aus dem Jahr 2020 zeigt Çetiner im Arm mit zwei Männern vor einem Frankfurter Grillrestaurant. Darüber ein Hashtag-Link für ein Facebook-Profil, das den Titel eines türkischen Actionfilms trägt (übersetzt: "Die Türken kommen").

Auf dem Profil dahinter finden sich etliche Follower, die den Wolfsgruß, die osmanische Kriegsflagge mit drei Halbmonden oder MHP-Logos posten. Unter den 14 Likes für Çetiners Foto stammen drei von Personen, die auf ihren Profilen offen ihre Sympathie für die Grauen Wölfe bekunden.

"Menschen zu kennen, heißt nicht, ihre Meinung zu teilen"

Auf hr-Anfrage erklärt Çetiner, er kenne den türkischen Schauspieler seit seiner Kindheit. Das Foto mit ihm und dem Regisseur sei zum Filmstart in Deutschland entstanden. "Seine politische Haltung und die des Redakteurs sind mir nicht bekannt", beteuert er. Warum er den Hashtag mit dem Profil zu dem Foto gesetzt hat, lässt er offen.

"Die politische Auffassung der Personen, die den Post geliked haben, ist mir ebenfalls nicht bekannt, noch habe ich sie veranlasst", so Çetiner weiter. Er habe viele türkische Freunde, aber türkeistämmige Personen zu kennen, heiße noch lange nicht, ihre Meinung zu vertreten. Er bedauere zutiefst, dass er nach so vielen Jahren trotz seines "Beitrags in der Politik gegen die faschistische Gesinnung mit den Grauen Wölfen in Verbindung gebracht" werde.

Ehemaliger Mitstreiter zeigt Profilbild mit Wolfsgruß

Doch es findet sich ein weiterer Beleg, der die Frage aufwirft, wie glaubwürdig die Distanzierung Çetiners von den Grauen Wölfen ist. Der Grüne ist eines von zwölf Präsidiumsmitgliedern der KAV. Ein weiteres türkeistämmiges Mitglied postet auf seinem Facebook-Profil regelmäßig Inhalte der MHP. Çetiner ist mit ihm bei Facebook befreundet. Als Profilbild auf WhatsApp nutzte das Mitglied 2021 ein Foto von sich, wie es den Wolfsgruß am Grab eines Idols der Grauen Wölfe zeigt.

Das Pikante daran: Der Name des Präsidiumsmitglieds findet sich auch auf der MHP-Liste für die KAV-Wahlen 2010. Er und Çetiner waren damals im selben Türkischen Kulturverein aktiv, der den Grauen Wölfen zuzuordnen ist. Es handelt sich um einen kleinen Verein, bei dem beide im Umfeld der KAV-Wahl 2010 aktiv waren. Çetiner sollte also vorgewarnt gewesen sein, was den ideologischen Hintergrund seines ehemaligen Mitstreiters angeht, als er 2021 in der KAV erneut auf ihn traf.

Distanzierung auf Türkisch angekündigt

Çetiner hat sich bislang weder von seinem Co-Mitglied im Präsidium distanziert noch im Ausländerbeirat eine offene Diskussion über dessen Zugehörigkeit zu den Grauen Wölfen geführt. Ihm sei bis zu der hr-Anfrage nicht bewusst gewesen, dass das Präsidiumsmitglied "ein solches Foto veröffentlicht haben soll", teilt Çetiner mit. Er habe keinen Einfluss darauf, wer welche Fotos im Internet oder sonst irgendwo veröffentliche. Das angesprochene Mitglied sitze nicht nur mit ihm, sondern mit weiteren zehn Personen im Präsidium. Fragen, wie er als erklärter Gegner der extremistischen Bewegung mit dem bekennenden Grauen Wolf im Präsidium umgehen werde, lässt Çetiner unbeantwortet.

Auf seinem Facebook-Profil, auf dem Çetiner sein Engagement bei den Grünen darstellt, hat er sich inzwischen auf Türkisch von den Grauen Wölfen distanziert. Bislang hatte er dies auf Deutsch in Pressemitteilungen der Grünen getan.

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