Darmstadts Spieler schleichen frustriert über den Rasen.

Eine verkorkste Saison endet für die Lilien vor 80.000 Zuschauern beim Champions-League-Finalisten. Ein würdiger Rahmen, wären da nicht die vielen Verletzte und die Angst vor einer erneuten Klatsche.

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Die ganze Lilien-PK vor dem Saisonfinale in Dortmund

Torsten Lieberknecht
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Der Beginn der letzten Bundesliga-Pressekonferenz der Lilien hatte schon etwas Symptomatisches: Vor dem Spiel beim BVB am Samstag (15.30 Uhr) fielen ohnehin Fabian Holland, Braydon Manu, Fraser Hornby und Clemens Riedel aus. In dieser Woche kamen noch einige Hiobsbotschaften hinzu: Fabian Nürnberger muss an der Schulter operiert werden und ist monatelang raus. Aaron Seydel laboriert an einem Infekt. Gerrit Holtmann plagen Rückenprobleme. Jannik Müller ist nach der fünften Gelben gesperrt. Bartol Franjic hat Oberschenkelprobleme. Und Luca Pfeiffer, der als Hoffnungsträger Zurückgeholte, brach sich zum Ende einer enttäuschenden Saison noch im Training den Mittelfuß.

Puh. Das war die ganze Verletztenmisere der Saison noch einmal komprimiert. "Stand jetzt haben wir aber noch 19 Mann zur Verfügung", sagte Trainer Torsten Lieberknecht, unter anderem den mit Maske spielenden Matthias Bader. Die Ausfälle seien "ein schwieriger Teil der Saison" und gehörten zur Fehleranalyse, meinte der aufgeräumt wirkende Lieberknecht. Er zeigte sich an diesem Tag selbstkritisch und sagte: "Mir ist es nicht gelungen, Kontinuität in die Aufstellung zu kriegen. Wir haben alle zusammen keine Erstligatauglichkeit bewiesen."

Klarer und Schuhen geben sich die Hand

Der Coach präsentierte sich damit genauso schonungslos in der Analyse wie unmittelbar nach der 0:6-Klatsche am Sonntag daheim gegen Hoffenheim. Noch am folgenden Tag sei er genauso frustriert über das Auftreten gewesen. Und ausgerechnet jetzt müssen die Lilien zum Abschluss der Saison zum Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund. Die Ansprüche sind gering: "Das Wichtigste ist, dass wir uns an der Ehre packen und vernünftig spielen. Dass wir die besprochenen Dinge konsequent umsetzen." Gegen die TSG habe seine Mannschaft plötztlich auf Abseits gespielt und so das 0:1 nach wenigen Minuten hergeschenkt.

Neben den sportlichen Tiefpunkten traten zuletzt auch atmosphärische Reibungen zutage. Christoph Klarer und Marcel Schuhen lieferten sich einen Streit vor aller Augen. Diese Angelegenheit wurde zumindest ausgeräumt. "Die beiden haben sich in der Kabine vor allen die Hand gegeben", so Lieberknecht. Er betonte, dass kein Riss durch die Mannschaft gehe, sondern sich nur der Frust Bahn gebrochen habe.

Torsiello soll der Zukunftsspieler sein

Für das Duell mit den Dortmundern muss sich die Mannschaft anders präsentieren, allein schon um ein ähnliches Debakel zu vermeiden. Die Borussen bekamen nach ihrer Niederlage in Mainz zuletzt viel Kritik für ihre Rotation ab und wollen im letzten Heimspiel vor dem Finale von Wembley ein anderes Gesicht zeigen. "Sie haben unberechtigterweise auf die Fresse bekommen", verteidigte Lieberknecht die Dortmunder Personalwechsel. Dennoch dürfte BVB-Trainer Edin Terzic wieder mehr auf seine eigentliche Stammformation setzen.

Zu einer Rotation ist Lieberknecht qua Verletztenlage ohnehin gezwungen, doch er könnte auch Spielern die Chance zum Vorspielen für die nächste Runde geben. Fabio Torsiello beispielsweise wurde von ihm als "Zukunftsspieler" tituliert, dem er in Folge eines "Rüffels" eine gute Trainingswoche bescheinigte. Der Angreifer könnte zu denjenigen gehören, die in der neuen Saison wieder für Optimismus am Böllenfalltor sorgen. Oder wie Lieberknecht es treffend ausdrückte: die wieder "das helle Licht hier reintragen".

So könnten die Lilien in Dortmund spielen:

So könnten die Lilien spielen.