Ziemlich verstimmt: der Darmstädter Trainer Torsten Lieberknecht.

Beim SV Darmstadt 98 ist in dieser verkorksten Bundesliga-Runde einiges kaputt gegangen. Trainer Torsten Lieberknecht soll es wieder reparieren. Kann ihm das gelingen?

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Highlights: Darmstadt - Hoffenheim

Im Hintergrund sieht man ein Fussballstadion, davor links das Logo von SV Darmstadt 98 und rechts das Logo von 1899 Hoffenheim
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Marcel Schuhen ist ein Typ, ein echter noch dazu, wie es im Fußballjargon gerne heißt. Einer, der seine Gefühle nach außen trägt. Spontan, ungefiltert, erfrischend ehrlich. Am Sonntag war wieder so ein Moment, auf dem Rasen des Stadions am Böllenfalltor, als der eigentliche Stammtorwart von Darmstadt 98, diesmal ausnahmsweise nur Ersatz, nach dem 0:6-Debakel gegen Hoffenheim auf seinen Teamkollegen Christoph Klarer einredete. Ach was, er schrie ihn an. Und Klarer schrie zurück. Die Profis, beide Führungskräfte des Teams, hatten sich was mitzuteilen.

Am Dienstag teilte dann ein Club-Sprecher mit, dass die Meinungsverschiedenheiten inzwischen ausgeräumt seien. Der weitere Inhalt des Gesprächs werde "intern behandelt". Im Grunde ist dieser auch unerheblich, ein Streit im Anschluss an eine Klatsche sollte nicht überbewertet werten. Schwamm drüber. Weitet man den Blick jedoch, tritt eines zu Tage: Beim SV Darmstadt 98 ist in dieser Bundesliga-Runde einiges kaputt gegangen. Sogar das für den Verein so wichtige Wir-Gefühl?

Das Faustpfand des Aufstiegs verloren

Rückblick: Den als sensationell zu bezeichnenden Aufstieg in die Bundesliga hatten die Lilien gerade deshalb gepackt, weil sie eine verschworene Einheit waren. Vom Torwart bis zum Stürmer. Von der Nummer eins bis zur Nummer 25. Vom Trainer bis zum Zeugwart. Probleme waren dafür da, gelöst zu werden. Der hr-sport formulierte damals treffend: "Der Aufstieg ist die Geschichte eines Teams, das sich nie hat unterkriegen lassen."

Knapp ein Jahr später sind zwar noch die meisten Protagonisten da, nicht aber mehr das Gefühl. Das lange leidensfähige Publikum hatte in der Rückrunde - zumindest in Teilen - irgendwann zu viel, pfiff auf die Spieler. Schlimmer noch: Gegen Hoffenheim flüchtete es sich in Hohn und Spott.

Christoph Klarer (links) und Torwart Marcel Schuhen (verdeckt) zoffen sich auf dem Platz.

Viele Schwergewichte in der zweiten Liga

Dass eine Saison derart vermurkst werden kann, war trotz des mit Abstand kleinsten Etats kaum vorstellbar. 17 Punkte, 82 Gegentore - und das Abschluss-Spiel bei Champions-League-Finalist Borussia Dortmund steht am Samstag (15.30 Uhr) erst noch bevor. Positives lässt sich daraus nicht saugen.

Und so schnurrt die Hoffnung für die nächste Runde darauf zusammen, dass Trainer Torsten Lieberknecht und Neu-Sportchef Paul Fernie die richtigen Schlüsse ziehen. Dass sie eine Mannschaft formen, die als Einheit funktioniert. Die in einer erneut starken zweiten Liga (unter anderem HSV, Hannover, Hertha, mutmaßlich Köln) schnell zueinander findet.

Großer Umbruch beim kickenden Personal

Denn klar ist, dass sich das Gesicht des Teams wandeln wird, was einerseits eine Chance ist, andererseits ein Risiko. Dazugeholte Spieler tragen zwar nicht die Last des Abstiegs auf ihren Schultern, gleichzeitig aber müssen sie sich erst einmal an das neue Umfeld gewöhnen.

16 Verträge laufen aus, nur wenige davon sollen verlängert und der Kader ohnehin verkleinert werden. 17 Spieler umfasst jener derzeit, ein Gerüst ist also vorhanden, darunter sind der schon feststehende Neuzugang Fynn Lakenmacher (1860 München) und Leih-Rückkehrer Filip Stojilkovic (1. FC Kaiserslautern). Luca Marseiler (Viktoria Köln) wird zeitnah unterschreiben.

Gerade auf Lieberknecht und sein Trainerteam kommt eine Menge Arbeit zu. Der Coach gilt als Menschenfänger, kann eine Mannschaft hinter sich vereinen. Das hat er in der Vergangenheit bewiesen. Doch: Beim aktuellen Team gelang ihm genau das zuletzt nicht. Eher im Gegenteil. Gewiss nicht die allerbesten Aussichten für einen Neuanfang.

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Die Darmstadt-PK nach dem Spiel gegen Hoffenheim

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