Forsche Lilien belohnen sich mit dem DFB-Pokal-Achtelfinale

Der SV Darmstadt 98 wirft den Favoriten aus Gladbach aus dem DFB-Pokal: weil sich die Lilien nicht verstecken und das Elfer-Glück auf ihrer Seite haben. Eine Analyse in fünf Punkten.

Die Darmstäder Bank jubelt nach dem Abpfiff
Nach dem Abpfiff war der Jubel bei den Lilien grenzenlos. Bild © Imago Images
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Highlights: Darmstadt - Gladbach

Darmstadt Pokal
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Darmstadt 98 steht im Achtelfinale des DFB-Pokals. Die Südhessen schalteten am Dienstagabend Bundesligist Borussia Mönchengladbach aus. Beim 2:1-Sieg trafen Phillip Tietz (23.) und Aaron Seydel (79.) für die Hausherren, Luca Netz glich zwischenzeitlich zum 1:1 aus (48.).

1. Kein Wiedersehen mit dem Ex

Natürlich hatten sich alle Lilien, ob Profis oder Fans, auf den Pokal-Hit gegen Mönchengladbach gefreut, aber wahrscheinlich niemand so sehr wie Christoph Zimmermann. Der Verteidiger hat in der Jugend jahrelang bei den Fohlen gespielt – und später dann bei der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund und in England unter Trainer Daniel Farke. "Ich freue mich riesig. Ein spezielleres Los hätte es nicht geben können", hatte Zimmermann noch vor der Partie gesagt. Doch dann stand er nicht einmal im Kader.

Den 29-Jährigen zwickten die Adduktoren. Sein Einsatz stand auf der Kippe. Und weil Zimmermann die Entscheidung nicht selbst treffen wollte, ob er spielen kann oder nicht, überließ er die Entscheidung seinem Trainer. "Also habe ich das schweren Herzens gemacht", sagte Torsten Lieberknecht nach dem Spiel. Es sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, so der Lilien-Coach. Beim Zweitligaspiel am Freitag (18.30 Uhr) gegen Kiel könnte "Zimbo" schon wieder bereitstehen. Das ist natürlich bitter für den Spieler, war aber wohl die richtige Entscheidung.

2. Früh den Ton angeben

Die Lilien machten auf dem Rasen gleich klar, dass sie hier nicht der Underdog sind. Die Hausherren spielten mutig nach vorne, standen hoch und versuchten, den Gegner zu Fehlern zu zwingen. "Wir wollten dem Publikum was bieten", erklärte Lieberknecht, und das taten die Darmstädter auch. Tobias Kempe schickte Marvin Mehlen steil in den Strafraum, der Mittelfeldspieler legte quer auf Tietz, der die Nerven behielt und zur Führung vollstreckte (23.).

Die Lilien hatten in der ersten Halbzeit alles im Griff und durch Matthias Bader die große Möglichkeit zum zweiten Treffer. Der Schuss des Rechtsverteidigers klatschte aber nur an die Oberkante der Latte (33.). Den einzig wirklich gefährlichen Angriff der Gäste entschärfte Thomas Isherwood, der einen Abschluss von Marcus Thuram auf der Linie klärte (37.). Isherwood – auch das so eine der vielen kleinen Geschichten des Spiels – war für den oben erwähnten Zimmermann in die Mannschaft gerückt.

3. Lilien im Elfmeter-Glück

Nachdem sich die Borussia in der ersten Halbzeit von mutigen Lilien hatte überrumpeln lassen, hatte der Bundesligist etwas gutzumachen. Die Gladbacher spielten gleich mit dem ersten Angriff ihr Tempo aus. Alassane Pléa bediente den durchgestarteten Netz, schon stand es 1:1 (48.). Und gäbe es in der zweiten Pokalrunde einen Video Assistant Referee (VAR), hätten die Gäste das Spiel wohl binnen Minuten gedreht.

Nur vier Zeigerumdrehungen später drang Thuram rechts in den Strafraum ein, Jannik Müller versuchte den Angreifer per Grätsche zu stoppen, erwischte aber nur den Fuß des Gladbachers. Schiedsrichter Robert Schröder übersah den Kontakt und ließ weiterspielen. "Ja, da kannst du Elfmeter geben. Da haben wir Glück gehabt", gestand Lieberknecht. Schiedsrichter Schröder ging nach dem Spiel sogar in die Gladbacher Kabine, um sich zu entschuldigen. "Ich finde es fair gegenüber den Mannschaften, dass wir Schiedsrichter zu unseren Fehlern stehen und das dann auch sagen. Auch wenn sich die Gladbacher davon nichts kaufen können", stellte Schröder klar.

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Robert Schröder beim Interview
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4. Seydel trifft und muss raus

Unverdient war der Sieg der Lilien freilich dennoch nicht. Auch das bekundeten beide Trainer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Denn: Die Lilien ließen sich vom Ausgleich überhaupt nicht aus dem Konzept bringen. "Die Reaktion von uns, dass wir uns davon nicht haben beeindrucken lassen, das war schon à la bonne heure", so Lieberknecht.

Darmstadt suchte weiter den Weg nach vorne und konnte in der 79. Minute erneut jubeln. Wieder glänzte Mehlem als Vorlagengeber, schickte den erst fünf Minuten zuvor eingewechselten Seydel auf die Reise, der zum 2:1 traf. Kurios: Noch mal fünf Minuten später musste Seydel mit Muskelbeschwerden im Oberschenkel schon wieder vom Platz. "Auf der einen Seite freue ich mich natürlich mega, dass wir das Spiel gewinnen konnten und ich der Mannschaft helfen konnte. Aber der kleine Wermutstropfen ist natürlich, dass ich jetzt ein paar Tage raus sein werde", so der Matchwinner. "So liegen manchmal Freud und Leid eng beieinander."

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5. Das Lazarett wird größer

Die Freude über das Weiterkommen im DFB-Pokal dürfte ohnehin nur kurz währen. Immerhin steht am Freitag schon das nächste Flutlicht-Heimspiel gegen Kiel an. Die Verletzungen von Seydel und Zimmermann machen die ohnehin schon schwere Aufgabe gegen den Tabellensechsten nicht gerade leichter.

"Wir haben fast eine komplette Mannschaft, die dann in zivil mitjubelt", sagte Lieberknecht mit Blick auf das immer größer werdende Lilien-Lazarett. Der Trainer ist sich dennoch sicher: "Wir werden das irgendwie kompensieren." Immerhin hat das gegen den Bundesligisten aus Mönchengladbach ja auch geklappt.

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Torsten Lieberknecht
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Quelle: hessenschau.de/Gerald Schäfer