Jubel in Darmstadt nach Tor gegen St. Pauli
Das Böllenfalltor steht Kopf: Darmstädter Jubel nach dem 1:0 gegen St. Pauli. Bild © picture-alliance/dpa

Darmstadt 98 feiert das zweite große Fußball-Wunder hintereinander und lässt es richtig krachen. Marco Sailer spricht nach einigen Bier schon vom Klassenerhalt, äußert dann aber noch ein ganz besonderes persönliches Anliegen.

Wie ein Duracell-Häschen hüpfte Marco Sailer durch die Katakomben des Darmstädter Merck-Stadions am Böllenfalltor. Mit freiem Oberkörper und Riesen-Bierglas in der Hand feierte er am Sonntag (24.05.2015) nach dem hart umkämpften 1:0-Sieg gegen den FC St. Pauli den Aufstieg der Lilien – und machte auf seiner Jubel-Tour auch vor Rüdiger Fritsch keinen Halt. "Ey Präsi, krieg ich keine Umarmung?", schrie Sailer in Richtung des Präsidenten und zerrte ihn aus einem Fernseh-Interview. "Wir spielen nächstes Jahr Bundesliga!"

In den 90 Minuten zuvor hatte Darmstadt 98 das zweite Fußball-Märchen innerhalb von gerade einmal zwölf Monaten wahr werden lassen und den Durchmarsch von der 3. Liga ins Fußball-Oberhaus perfekt gemacht. Der Freistoß-Treffer von Tobias Kempe (71.) sorgte für die Entscheidung im Aufstiegs-Endspiel und verwandelte das Stadion in ein Tollhaus. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme, innerhalb von Sekunden stürmten die Fans den Rasen, die Lilien-Hymne dröhnte durch die Lautsprecher.

Darmstadt plattmachen - dann nach Mallorca

"Wir reißen jetzt erst mal Darmstadt ab", sagte Michael Stegmayer dem hr-sport. "Und dann gucken wir, was wir noch so abreißen." Getreu diesem Motto entwickelte sich im maroden Darmstädter Kabinengang eine Feier der besonderen Art. Bierduschen, Gesänge, tanzende – und nur noch halb bekleidete – junge Menschen. "Wir werden viel feiern, viel Alkohol trinken und morgen nach Mallorca fliegen", gab Sailer die wichtigsten Eckpunkte der nächsten Stunden vor.

Das Programm der Fans wird – vermutlich bis auf den Flug ins "16. oder 17. Bundesland" (Dominik Stroh-Engel) – nicht viel anders aussehen. Direkt vor dem Stadion verharrten tausende freudetrunkene Fans bis weit nach Spielende aus und tunkten anschließend das Schlossgrabenfest, auf dem sich auch die Mannschaft noch einmal blicken ließ, in ein blau-weißes Fahnenmeer. "Es fühlt sich einfach geil an", so Sailer.

Sailer hat Großes vor - auf dem Platz und am Glas

Sailer, der noch vor fünf Jahren für den SV Wehen Wiesbaden II in der Regionalliga gekickt hatte, erfüllte sich selbst einen Kindheitstraum und dankte im Moment des größten Triumphs seiner Karriere vor allem Trainer Dirk Schuster. "Er ist der Vater des Erfolgs", sagte er. "Er hat diesen Haufen hier zusammengestellt. Letztes Jahr waren wir Verrückte, Bekloppte und Geisteskranke, dieses Jahr werden wir vielleicht alle zu Göttern ernannt."

Vor der Heiligsprechung – und nach der Bekämpfung des Katers – steht für die Lilien jetzt aber tatsächlich das deutsche Fußball-Oberhaus auf dem Programm. Statt VfR Aalen, SV Sandhausen oder Erzgebirge Aue heißen die Gegner im nächsten Jahr Bayern München, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt. Angst und bange wird den Lilien trotz dieser großen Namen aber nicht. "Wir haben super Charaktere, die vielleicht eine Chance haben, die Klasse zu halten", sagte Sailer. "Jetzt ist mein Ziel aber erst einmal 7,9 Promille."