Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann ordnet die Lage ein.

Die Ansprüche bei Eintracht Frankfurt sind durch die Erfolge der vergangenen Jahre enorm gestiegen. Vorstandssprecher Axel Hellmann weiß um den Spagat, der gemacht werden muss.

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Eintracht Frankfurt macht 31,9 Mio. Euro Minus

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Wenn ein Verein innerhalb von vier Jahren mit dem DFB-Pokal und der Europa League zwei große Titel holt, dann verändern sich automatisch die Ansprüche. Eintracht Frankfurt bekommt die gewachsene Aufmerksamkeit aktuell zu spüren. Wer den FC Barcelona besiegt und gegen Real Madrid eine ordentliche Figur abgibt, der wird auch global anders wahrgenommen.

Ohne Europa-Einnahmen für Europa planen

Vorstandssprecher Axel Hellmann weiß genau, was das auch kommunikativ bedeutet. Einerseits wollen die Hessen die Euphorie nicht bremsen, andererseits gibt es vor allem im Zuge der Corona-Pandemie die harten Fakten in Form von Zahlen. Der Verlust nach der Saison 2021/22 beträgt 31,9 Millionen, das Eigenkapitel ist weiter geschmolzen. "In dem Cluster, in dem wir uns befinden, sind die Herausforderungen besonders groß", stellte Hellmann daher am Montag im Kicker fest.

Der 51-Jährige erklärte das Eintracht-Dilemma: "Wir sind immer noch Mittelstand, vielleicht guter Mittelstand. Wir können nie fest mit europäischen Einnahmen kalkulieren, müssen aber gleichzeitig den Kader so aufstellen, dass er eine Chance hat, um die internationalen Plätze mitzuspielen." Die Aufgaben gehen dabei über die 90 Minuten am Samstagnachmittag oder Mittwochabend hinaus: "Als großer Traditionsklub müssen wir uns zudem in der Region gut aufstellen in Richtung vieler Fans, aber auch gegenüber Kunden und Sponsoren." Es ist eine Gratwanderung für den Champions-League-Teilnehmer.

Deshalb haben Freiburg und Mainz andere Voraussetzungen

Hellmann wagte einen Vergleich zu zwei Mitkonkurrenten: "Wir müssen einen anderen Apparat als beispielsweise Mainz 05 unterhalten. Der ist kostenintensiv, trägt sich aber gut, wenn die Zuschauer kommen. Doch wenn sie ausbleiben, wie während der Pandemie, bekommen wir die Kosten nicht so schnell angepasst." Geisterspiele reißen in Frankfurt somit deutlich größere Lücken in die Kasse als in Mainz.

Der SC Freiburg, ein weiterer Bewerber um die europäischen Ränge, habe "eine sehr gesunde Kostenstruktur, eine sehr starke Eigenkapitalstruktur, und sie haben auch ein vorbildlich funktionierendes System, junge Spieler zu entwickeln und in den Markt zu geben. Hier zahlt sich ein System, das seit vielen Jahren von denselben Personen erfolgreich getragen wird, auch wirtschaftlich aus", lobte Hellmann.

Hellmann: "Große Traditionsklubs stärker von Corona betroffen"

Das System Freiburg ist in seiner ganzen Zusammensetzung wohl einmalig in Deutschland und in dieser Art und Weise kaum zu implementieren an nervösen Standorten wie Frankfurt, Köln, Schalke oder Bremen. Die Ruhe, die in Mainz oder Hoffenheim vorherrscht, gibt es bei den reichweitenstarken Vereinen nicht. "Daher sind die großen Traditionsklubs weitaus stärker von Corona betroffen als andere", schlussfolgerte Hellmann.