Trainerin Heike Ahlgrimm steht mit ihren Flames im Europapokal.

Die HSG Bensheim/Auerbach Flames feiern die Vizemeiterschaft – und das fast gegen jede Regel. Doch in die überschäumende Freude mischen sich konkrete Zukunftsängste.

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Flames freuen sich über Vizemeisterschaft

Die HSG Bensheim/Auerbach hatte in der vergangenen Saison häufig Grund zur Freude.
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Platz zwei in der Handball-Bundesliga – eigentlich hat die HSG Bensheim/Auerbach dort gar nichts verloren. Durch sture Ignoranz vermeintlicher Gesetzmäßigkeiten haben die Handballerinnen der Flames ihrer jüngeren Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzugefügt und die abgelaufene Runde als Vizemeisterinnen abgeschlossen.

"Mir fehlen immer noch die Worte", sagt Trainerin Heike Ahlgrimm, dabei ist der 30:23 (13:11)-Sieg bei Bayer Leverkusen und der damit sichere Platz zwei nun schon ein paar Tage her. Nicht das erste Mal in den vergangenen Wochen, dass Ahlgrimm in Sprachlosigkeit verfiel. So etwa nach dem Heimsieg vor gut 2.000 Menschen gegen Borussia Dortmund eine Woche zuvor. Oder überhaupt ob der Leistungen in dieser Saison.

"Wir haben fast gezaubert"

Zufrieden könne sie mit der abgelaufenen Runde daher überhaupt nicht sein, unterstreicht Ahlgrimm: "Das wäre viel zu wenig." Die ambitionierten Profiteams vom Thüringer HC und aus Dortmund haben die Flames hinter sich gelassen, einzig die Meisterinnen aus Bietigheim spielten mit nur zwei Verlustpunkten fast ihren eigenen Wettbewerb aus.

"Damit hat überhaupt niemand gerechnet", sagt Ahlgrimm. "Wenn man sieht, was die anderen Teams für einen Etat haben, das sind alles Profis. Das ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Wir haben fast gezaubert."

Und als Lohn geht es wieder auf die Reise in der European League. Ein Erfolg, an dem Ahlgrimm nur zu gerne auch ihre Spielerinnen teilhaben lassen würde. Wenn einige vielleicht etwas weniger arbeiten müssten, würde das schon auf das Team einzahlen. Doch die finanziellen Möglichkeiten bleiben bescheiden, den Südhessinnen fällt es schwer, neue Sponsoren zu akquirieren.

Die Zukunft des Standorts steht auf dem Prüfstand

Das allein wäre schon ernüchternd. Regelrecht besorgniserregend ist der Blick in die mittelfristige Zukunft: Der Verband verlangt durch eine Strukturreform ab 2025 eine Halle mit zwei gegenüberliegenen Tribünen. Die kann die HSG nicht vorweisen. Ein Umbau der Weststadthalle Bensheim: keine Option. Ein Umzug: undenkbar. Die Hoffnung: ein Kamerasystem. Ob das dem Verband genügt, entscheidet sich im Juni.

Im schlimmsten Fall wäre sonst sogar Zukunft das Team in Gefahr. "Wenn wir das nicht schaffen, dann kann es sein, dass es uns nicht mehr gibt", unkt Ahlgrimm. Zumindest nicht mehr als Erstligastandort, der sogar auf europäischer Bühne Handball spielt.

Mobile Tribüne kostet 200.000 Euro

"Ansonsten müssen wir gucken, dass wir einen Plan B haben", sagt die Trainerin. Wohlwissend, dass sie bereits einen in der Tasche hat. Eine mobile Tribüne könnte Abhilfe schaffen, die kostet allerdings rund 200.000 Euro.

Wenn sich aber jemand darauf besteht, aus schwierigen Voraussetzungen das Beste herauszuholen, dann Ahlgrimm und die Flames. Deshalb ist die 48-Jährige im Kopf natürlich schon in der kommenden Saison: "Wir sind gut beraten, auf dem Boden zu bleiben. Unsere Voraussetzungen haben sich nicht geändert. Aber natürlich wünsche ich mir, dass wir vielleicht bestätigen können, dass wir zurecht da oben stehen." Wer wollte das gerade bezweifeln.