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Digitalministerin will Hessen zum Silicon Valley Europas machen

Die IT-Branche ist inzwischen einer der wichtigsten Arbeitgeber in Hessen. Einer aktuellen Studie zufolge arbeiten derzeit rund 120.000 Menschen in dem Bereich. Digitalministerin Sinemus möchte das Bundesland zum "Silicon Valley von Europa" machen.

Die hessische Landesregierung sieht sich im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) auf dem richtigen Weg und hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. "Diese Branche bildet das Rückgrat der Digitalisierung der Wirtschaft, nicht nur in Hessen", sagte die Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) am Montag in Frankfurt.

"Unser Ziel ist es, Hessen zum Silicon Valley Europas weiterzuentwickeln", erklärte Sinemus. Das Silicon Valley in Kalifornien gilt als globales Zentrum für digitale Technologie und Innovation.

120.000 Mitarbeitende in der Branche

Laut einer vom Ministerium vorgestellten Studie sind die meisten Mitarbeitenden (mehr als 100.000) im Bereich IKT-Dienstleistungen tätig, zu der etwa die IT-Beratung oder Web- und Datenbanklösungen zählen. Dahinter folgt der Bereich Warenproduktion (Herstellung von elektronischen Bauteilen) mit über 12.000 Beschäftigten. Insgesamt arbeitet demnach knapp ein Drittel aller Beschäftigten in Frankfurt, gefolgt von Darmstadt und dem Main-Taunus-Kreis.

Zugleich sei der Gesamtumsatz der Branche zwischen 2015 und 2020 hessenweit um 50 Prozent auf knapp 34 Milliarden Euro angewachsen. Nach einer krisenbedingten Stagnation 2020 hätten die Zahlen dann erneut zugelegt: "2022 wurde voraussichtlich ein Umsatz von 39 Milliarden Euro generiert", hieß es.

Frankfurt nimmt führende Rolle ein

Das Ministerium verweist darauf, dass etwa Darmstadt im letzten Jahr bei einem bundesweiten Ranking der besten Smart Cities den fünften Platz belegte. Dort habe sich mit dem nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit "Athene" ein Standort für Internetsicherheit entwickelt. Den Angaben zufolge befindet sich in Hessen ein Drittel aller deutschen Rechenzentrumskapazitäten.

Besonders Frankfurt nimmt hierbei eine führende Rolle ein: So ist mit dem DE-CIX einer der größten Internetknoten der Welt in der Mainmetropole ansässig. Dieser hatte 2022 den Angaben zufolge einen neuen Rekord beim Datendurchsatz aufgestellt und zum ersten Mal die Grenze von 14 Terabit pro Sekunde überschritten. Das entspreche über drei Millionen gleichzeitig gestreamter Live-Videos in HD-Qualität, hieß es.

Wohnungen mit Abwärme heizen

Die Stadt hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die Nutzung der großen Mengen an Abwärme voranzutreiben, die von den Zentren ausgeht. Konkret entsteht derzeit gegenüber des Rechenzentrums Telehouse im Stadtteil Gallus das Westville-Quartier. Die rund 1.330 Wohneinheiten sollen bis Mitte 2025 größtenteils über Abwärme beheizt werden.

Auch die hessische Gründerszene sei stark von der IKT-Branche geprägt, betonte Sinemus. Demnach ordneten fast 40 Prozent aller Start-ups in Hessen ihr Kerngeschäft im Jahr 2020 der Informations- und Kommunikationstechnologie zu. Zum Vergleich: Bundesweit liegt der Wert laut der Studie bei knapp 32 Prozent.

Opposition kritisiert das Digitalministerium

Kritik kam unterdessen von der Opposition im Landtag. Es stelle sich die Frage, warum die Ministerin vier Jahre benötige, um Zahlen der statistischen Ämter auszuwerten und zu präsentieren, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Bijan Kaffenberger. "Es scheint fast so, als hätte die Ministerin die Branche erst jetzt entdeckt und möchte sich nun zum Ende der Legislaturperiode mit fremden Federn schmücken." Denn zur Ansiedelung der Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet habe die Landesregierung nichts beigetragen.

"Es sei wichtig, die Rechenzentren zu unterstützen und ihnen die Arbeit möglichst leicht zu machen, statt sie durch Überregulierung zu vertreiben", betonte der digitalpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Oliver Stirböck. "Tatsächlich droht der Exodus der Rechenzentren nach Skandinavien, weil sie dort bessere Bedingungen vorfinden."

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