Gutes für die Umwelt tun und daran verdienen: Mit solchen Slogans werben große Vermögensverwalter in Frankfurt für nachhaltige Geldanlagen. Doch eine Studie von Klimaschutzorganisationen zeigt, dass längst nicht alles so grün ist, wie es aussieht.

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Von wegen nachhaltig: Greenpeace-Studie zu Vermögensverwaltern

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Maike Weber ist mittlerweile ernüchtert: Die 21-Jährige studiert Humanbiologie in Marburg und kommt ursprünglich aus Wiesbaden. Vor zwei Jahren ließ sie sich dort bei einer Volksbank beraten. "Ich hatte von einer Verwandten Geld bekommen für mein Studium, und das wollte ich anlegen, rentabel und vor allem nachhaltig", erzählt Weber. Denn die Studentin setzt sich seit Jahren für den Klimaschutz ein.

So wie Maike Weber geht es vielen Anlegern: Grüne Finanzprodukte werden immer beliebter. Wie aus einer Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken hervorgeht, investieren mittlerweile über sechs Millionen Deutsche nachhaltig – doppelt so viele wie vor drei Jahren.

Doch nicht so grün, verrät der Blick ins Kleingedruckte

Maike Weber wurden nach eigenen Angaben mehrere nachhaltige Fonds von Union Investment vorgestellt, dem Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken. "Das will die Kundengelder in klimafreundliche und soziale Unternehmen mit guter Führung stecken und hat sich strenge Regeln gegeben."

Diese würden aber im Kleingedruckten "oft aufgeweicht", so die Kritik der Studentin. Zum Beispiel bei der Kohle: Dort stehe etwa, dass Union Investment weiter in Unternehmen investiert, die mit Kohleförderung zu tun haben, und solche Investitionen nur ausschließt, wenn der Geschäftsbereich mehr als fünf Prozent vom Gesamtumsatz ausmacht. Verdient ein Unternehmen am Kohlestrom, ist Union Investment sogar noch toleranter.

"Wir achten darauf, dass diese Firmen eine Ausstiegsstrategie haben bis 2025", meint Henrik Pontzen, Nachhaltigkeitsexperte von Union Investment. Ein solches Vorgehen sei sinnvoll, da der Umbau hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft Zeit erfordere. Das Öl- und Gasgeschäft schließe die Fondsgesellschaft aus, allerdings auch nur bei manchen Fonds.

Studie: Milliarden fließen in Kohle, Öl und Gas

"Da fühle ich mich verschaukelt", meint Studentin Weber. Denn im Rahmen einer Initiative haben sich die Nachhaltigkeitsfonds dazu verpflichtet, so zu investieren, dass der Ausstoß von Treibhausgasen verringert wird und sich die Erderwärmung in Grenzen hält.

Mehrere Klimaschutzorganisationen, darunter Greenpeace, werfen den vier größten Vermögensverwaltern in Deutschland in Sachen Klimaschutz nun Scheinheiligkeit vor. Im Rahmen einer Studie haben sie neben Union Investment drei weitere Firmen mit Sitz in Frankfurt unter die Lupe genommen: die Deka, die DWS und die Allianz Global Investors.

Wie aus der Studie hervorgeht, stecken die Vermögensverwalter aktuell 13 Milliarden Euro in fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas und Unternehmen, die damit zu tun haben. Teilweise seien diese sogar noch auf Expansionskurs. Aus Sicht der Klimaaktivisten unterlaufen die Fondshäuser damit ihre eigenen Klimaversprechen.

Schlusslicht: Deutsche-Bank-Tochter DWS

Schlusslicht ist in der Studie die Deutsche-Bank-Tochter DWS, die allein knapp acht Milliarden Euro in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie investiert. Pläne zum Ausstieg aus dem Geschäft mit fossilen Brennstoffen gebe es hier fast gar nicht, kritisiert ein Greenpeace-Vertreter. "Das sollte die DWS schleunigst korrigieren."

Die Zahl von knapp acht Milliarden Euro will die DWS nicht kommentieren. Allerdings räumt DWS-Pressesprecherin Ina Kolanowski ein, dass es in Sachen Klimaschutz Nachholbedarf gebe. "Die DWS arbeitet an einer Anlagerichtlinie für kohlebezogene Investitionen", meint Kolanowski. Bereits heute schließe man in bestimmten Fonds Unternehmen aus, die ihre Einnahmen übermäßig aus dem Kohlegeschäft erzielten.

DWS: Verbraucher sollen Produktinformationsblatt lesen

Zum Vorwurf der Klimaaktivisten, dass beim Öl- und Gasgeschäft bislang noch weniger passiert sei, will sich Kolanowski nicht äußern. Sie erklärt nur allgemein: Wie nachhaltig ein DWS-Fonds letztlich sei, könnten Verbraucher im sogenannten Produktinformationsblatt nachlesen.

Allerdings gibt es gegen die DWS den Vorwurf des Greenwashings, nämlich, dass sie Finanzprodukte nachhaltiger dargestellt hätte, als sie tatsächlich seien. Deshalb hatten Ermittler Ende Mai die Zentrale der DWS durchsucht, die Ermittlungen dauern laut Staatsanwaltschaft Frankfurt noch an.

Experte: Siegel bieten gute Orientierung

Wer sich angesichts der Diskussionen um Grünfärberei verunsichert fühlt, dem empfiehlt Christian Klein, Professor für nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel, objektive Kennzeichnungen. "Bei Fonds gibt es Nachhaltigkeitssiegel wie das FNG-Siegel, die bieten eine gute Orientierung."

Maike Weber aus Marburg ist einen anderen Weg gegangen. Sie hat in Fonds der GLS Bank investiert, die als besonders nachhaltig gilt. Auf Nachfrage will aber selbst GLS-Pressesprecherin Nora Schareika differenzieren: "Investitionen in den Abbau von Kohle, Öl- und Gasförderung schließen wir kategorisch aus", so Schareika.

Wenn allerdings ein Unternehmen zu einem geringen Anteil etwa mit Kohlestrom Geld verdiene, wäre eine Investition eventuell denkbar. Solange klar sei, dass sich die Firma dieser Altlasten bald entledige und stattdessen auf erneuerbare Energien setze. Wie nachhaltig ihre Geldanlage also tatsächlich ist, müssen Verbraucher sehr genau prüfen und dann entscheiden, ob ihnen ein Produkt noch grün genug ist – oder eben nicht.

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