Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta
Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta Bild © picture-alliance/dpa

Nach viel Kritik und einem Millionendefizit legt documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff ihr Amt nieder. Das teilte die Stadt Kassel am Montag mit.

Per Mitteilung informierte die Stadt Kassel am Montag über den bevorstehenden Abschied von Annette Kulenkampff als Geschäftsführerin der documenta. Ihr Vertrag werde in beiderseitigem Einvernehmen vorzeitig zum 1. Juni 2018 aufgelöst, hieß es. Sie werde sich nun neuen beruflichen Herausforderungen stellen.

Laut Vertrag wäre Kulenkampff eigentlich noch bis Mitte 2019 Geschäftsführerin der Kunstschau. Die documenta wird in diesem Jahr voraussichtlich ein Defizit von mehreren Millionen Euro einfahren.

Wer nach Kulenkampff die Leitung der gemeinnützigen documenta-Gesellschaft übernimmt, ist noch unklar. Nachdem bekannt wurde, dass die bedeutendste Ausstellung für moderne Kunst für das laufende Jahr ein Defizit von 5,4 Millionen Euro erwartet, sicherten die Stadt Kassel und das Land Hessen ihre Zahlungsfähigkeit mit einer Bürgschaft von acht Millionen Euro.

Gründe für Ausscheiden noch unbekannt

Inwiefern Kulenkampffs Ausscheiden mit der Bilanz der Kunstschau zusammenhängt, ließ die Stadt Kassel offen. "Der Aufsichtsrat dankt Frau Kulenkampff für ihren außergewöhnlichen persönlichen Einsatz bei der documenta 14 und für ihre Bereitschaft, bis dahin an der Schaffung wichtiger struktureller Voraussetzungen für eine erfolgreiche documenta 15 mitzuwirken", teilte die Stadt mit. Dies gelte vor allem auch dafür, eine künstlerische Leitung der documenta 15 zu finden.

Als Ursache des Defizits gelten die Kosten in Athen, dem zweiten Standort der vergangenen Ausstellung. Die Aufsichtsratsvorsitzenden, Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Kunstminister Boris Rhein (CDU), hatten bereits im September personelle, strukturelle und finanzielle Konsequenzen für die documenta angekündigt. Geselle hatte zuletzt im Oktober betont, dass Kulenkampff den Anspruch habe, "bis Mitte 2018 über eine mögliche Verlängerung oder Nichtverlängerung ihres Vertrages durch den Aufsichtsrat informiert zu werden".

Sendung: hr-iNFO, 27.11.2017, 16 Uhr