Die Nachrichten aus der Heimat werden besser: Grund für einige geflüchtete Menschen aus der Ukraine, die Heimreise anzutreten. Auch die Zahl der neuen Flüchtlinge aus dem Kriegsland sinkt deutlich. Doch nicht alle wollen schon zurück.

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Die Situation ukrainischer Geflüchteter in Hessen

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Alyona sitzt quasi auf gepackten Koffern. Die 40-jährige ist wegen des Kriegs in ihrer Heimat Ukraine mit ihrem kleinen Sohn aus Kiew nach Gießen geflohen. Seit mehreren Monaten wohnt die Wissenschaftlerin im Gästehaus der Justus-Liebig-Universität. Sie plant, in wenigen Wochen zurück zu gehen.

Bestärkt wird Alyona von den Erfolgsmeldungen der ukrainischen Armee im Kampf gegen die russischen Besatzer. "Die Ukraine braucht jetzt Menschen, die Steuern zahlen und die Wirtschaft wieder aufbauen. Damit die Ukraine wieder auf den Stand vor dem Krieg kommt."

Grafik Ukraine-Flüchtlinge

Weniger neue Ukraineflüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtung

In der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen (EAEH), erste Anlaufstelle für viele der Geflüchteten, kommen aktuell nur noch rund 36 Ukrainerinnen und Ukrainer pro Tag an. "Die Zahl nimmt signifikant ab. Die Zahlen lagen zu Beginn des Krieges deutlich höher", sagt das zuständige Regierungspräsidium Gießen. "Die EAEH erreichte im März dieses Jahres im Schnitt 320 Geflüchtete aus der Ukraine pro Tag." Derzeit wohnen rund 84.000 Geflüchtete aus der Ukraine in Hessen.

Zeitpunkt der Rückkehr ist individuelle Entscheidung

Der ukrainische Generalkonsul in Frankfurt, Vadym Kostiuk, erlebt, dass viele seiner Landsleute in Hessen sehr froh über die militärischen Erfolge in ihrer Heimat sind. "Sie glauben fest daran, dass unser Land von den russischen Aggressoren befreit wird." Ob es klug ist, jetzt schon zurückzukehren, will Kostiuk nicht generell bewerten. Das hänge von der Lage in der jeweiligen Heimatstadt der Geflüchteten ab.

Geflüchtete aus dem Osten der Ukraine warten ab

In der ostukrainischen Region Charkiw wird derzeit noch heftig gekämpft. Von dort kommen die Rentnerin Ludmila, ihre Tochter Svetlana und der 16-jährige Enkel Jaroslaw. Sie sind seit mehreren Monaten privat in Gießen in einer kleinen Wohnung untergekommen.

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Für viele Flüchtlinge steht die Heimkehr in die Ukraine an.

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Wenn sie an die Erfolge der Ukrainischen Armee in der Heimat denken, bekommen sie Freudentränen in die Augen. Bald zurückzukehren komme für sie aktuell aber nicht in Frage. "Es gibt im Ort weder Gas, Strom noch Wasser", sagt Ludmila. "Von meinen Nachbarn sind gerade mal sieben dort geblieben."

Auch ihr Enkel Jaroslaw glaubt nicht an eine baldige Rückkehr. "Vielleicht in einem oder anderthalb Jahren. "Aber ich will dann schon gerne zurück, um meinen Vater und meine Freunde wiederzusehen", sagt der Jugendliche. Bis dahin versuche er, sich so gut wie möglich zu integrieren. Er gehe inzwischen in die Oberstufe einer Gießener Schule und spreche jeden Tag etwas besser Deutsch.

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