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So nachhaltig ist die EM in Frankfurt

Fanzone am Frankfurter Mainufer

Am Freitag beginnt die Fußball-Europameisterschaft. In der Frankfurter Fan-Zone können tausende Zuschauer alle Spiele live verfolgen. Die Stadt setzt auf Nachhaltigkeit, doch einige Maßnahmen werfen Fragen auf.

Der Countdown läuft. Bei der Fußball-Europameisterschaft wird die DFB-Auswahl in München gegen Schottland den Auftakt machen. Ein Spiel, bei dem bis zu 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in der errichteten Frankfurter Fan-Zone am Mainufer mitfiebern können – und das alles ganz nachhaltig. Oder doch nicht? Wir zeigen, wie nachhaltig die Stadt Frankfurt bei der EM aufgestellt ist.

Müllvermeidung oder Sicherheit: Kein K.o.-Tropfen-Schutz 

Abfälle reduzieren und den CO2-Fußabdruck klein halten – klingt gut. Aber auf Kosten der Sicherheit? Es wird in den Stadien und der Fan-Zone in Frankfurt keinen Becherschutz gegen K.o.-Tropfen geben. "Sowohl in der Fanzone als auch im Stadion werden während der EM keine Deckel für Becher ausgegeben." So wird zusätzliches Müllaufkommen vermieden, teilte die Stadt Frankfurt auf Anfrage mit. 

Dabei waren die Vereine der Bundesliga da schon viel weiter: Sie reagierten bereits auf das Sicherheitsrisiko K.o.-Tropfen, um ihre Besucherinnen und Besucher zu schützen. Nach einem bestätigten Fall bei einem Bundesliga-Spiel von Eintracht Frankfurt bot der Club etwa kostenfreie Getränkebecher-Deckel zum Schutz an. Umweltfreundliche Alternativen aus Pappe wären eine Möglichkeit gewesen, Fans in der Fan-Zone und in den Stadien zu schützen.

Keine Mülltrennung in der Fan-Zone: Ein Rückschritt? 

Bleiben wir beim Müll. Mülltrennung gehört mittlerweile zum kleinen Einmaleins der ökologischen Nachhaltigkeit. Umso erstaunlicher ist es, dass es in der Frankfurter Fanzone keine Mülltrennung geben wird. Die Stadt Frankfurt begründet dies mit einer hohen "Fehlwurfquote", da viele Fans ihren Müll nicht korrekt entsorgen. Diese Entscheidung wurde gemeinsam mit der städtischen Abfallwirtschaft FES getroffen.

Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe kritisiert das: "Im Großen und Ganzen kann man den Leuten schon zumuten, zumindest die Basic-Trennung zu machen. Das kann nicht der Weg sein."

Altbewährtes: Veggie-Bratwurst und Mehrwegbecher

Die Stadt Frankfurt hat im Konzept "Maßnahmen im Rahmen der UEFA EURO 2024" zahlreiche Maßnahmen angekündigt, um die EM nachhaltig zu gestalten. Dazu gehören zum Beispiel ein Mehrwegbecher-System und Veggie-Alternativen zur Fleisch-Bratwurst. Außerdem sollen neue, kostenlos nutzbare Trinkwasserbrunnen in der Innenstadt geschaffen werden. 

"So was wie die Veggie-Bratwurst finde ich inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Die Maßnahmen sind nicht verkehrt, aber neue Maßstäbe setzen sie nicht", sagt Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe.

Tatsächlich sind einige beworbene Maßnahmen, wie das Mehrwegbecher-System, seit vielen Jahren Standard bei Bundesliga-Spielen, auch im EM-Stadion von Eintracht Frankfurt. 

In ihrem EM-Konzept hat die Stadt auch Baumpflanzungen im Stadtwald angekündigt: 2024 neue Bäume werden gepflanzt. Interessanter Fakt zur Aufforstung: Die Stadt ließ zur WM 2006 zwei Hektar Wald am Stadion roden, die lange nicht aufgeforstet wurden. 

Mit Bus, Bahn und Bike zum Klimaziel

Die Mobilität ist ein zentraler Punkt im Nachhaltigkeitskonzept. 80 Prozent der CO2-Emissionen werden durch die An- und Abreise der Fans verursacht. Frankfurt setzt auf den Nahverkehr und reduziert das Parkplatzangebot rund ums Stadion drastisch. Knapp 70 Prozent der Besucherströme sollen über den Öffentlichen Nahverkehr abgewickelt werden, sagte Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD): "Dadurch wollen wir der Nachhaltigkeit gerecht werden bei dieser Europameisterschaft."

Für die EM sollen zusätzliche Bahnen und Busse fahren. Ob das den oft von Personalmangel gebeutelten Frankfurter Verkehrsbetrieben gelingt, wird sich zeigen. Für diejenigen, die ungern mit Bussen und Bahnen fahren, soll es Leihräder und zusätzliche Fahrradabstellplätze am Stadion geben. "Wir schaffen 832 zusätzliche Fahrradabstellplätze am Stadion und errichten mobile Fahrradabstellplätze", so die Stadt in ihrem EURO-2024-Konzept. So kann man zur Not auch aufs Zweirad ausweichen.

Mit dem Zug nach Frankfurt - oder doch nicht? 

Die Deutsche Bahn spielt eine Schlüsselrolle, um die CO2-Emissionen bei der EM gering zu halten. Ein Anreiz: EM-Ticketinhaber kommen günstiger mit der Bahn nach Frankfurt. Bisher wurden 100.000 vergünstigte Fan-Tickets verkauft. Allerdings gibt es insgesamt 2,7 Millionen EM-Tickets.

Ob wirklich alle die Deutsche Bahn in Anspruch nehmen werden, wird sich zeigen. Einflussfaktoren wie Störungen oder mangelnde Pünktlichkeit könnten dafür sorgen, dass Fans doch möglicherweise aufs Auto oder den Flieger umsteigen.

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Ihre Kommentare Nachhaltige EM: Was halten Sie von den Maßnahmen?

21 Kommentare

  • Frau Saar findet wohl in jeder Suppe ein Haar.
    Lasst uns feiern, zittern,Spaß haben und Freude am Fußball.

  • @Janina Schober aus Lautertal
    Ich halte es mit Franz Müntefering:
    Zu allem eine Meinung, von wenig Ahnung und immer verallgemeinern...
    0.) Was haben die hr-Journalisten jetzt damit zu tun?
    1.) Es lässt vieles im öffentlichen & privaten Raum zu wünschen übrig, weil die Leute einfach überall ihren Müll hinwerfen!
    2.) Ich hatte KEINERLEI Kritik an Ausländern. Das war Sarkasmus!! -.-
    3.) Wo fährt Ihr Auto im Regelfall?? Auf Straßen, die durch Steuergelder finanziert wurden, somit bezahle ich zwar nicht für Ihr höchstpersönliches Auto, aber dafür, daß Sie es nutzen können!
    Ihr "Deal" wird nix, weil weder Sie noch ich bestimmen können, wie Steuergelder in Infrastruktur gesteckt werden.
    BTW:
    Ich nutze die Bahn gar nicht regelmäßig, denn ich kann mich glücklich schätzen, aufgrund meiner Arbeitssituation & vor allem meiner körperlichen Fitness weitestgehend überall mit meinem klassischen Fahrrad hinzukommen.
    Die 5 können ins Phrasenschwein, aber nur, wenn Sie sie reinwerfen.
    Nix für ungut ;-)

  • Leider wie so häufig in der Frankfurter Politik: Weltmeister im Ankündigen, Kreisklasse in der Umsetzung. Und Standard für innovativ verkaufen!
    Zugleich irrsinnig hohe Standgebühren kassieren und die Aussteller dann bis auf den allerletzten Drücker alleine lassen.
    Aber Hauptsache, der OB kann sich inszenieren.

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