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Demonstrierende fordern mehr Geld für TU Darmstadt

Damit Forschung und Lehre wegen der Energiekrise nicht unter die Räder kommen, sind Studierende und Beschäftigte der TU Darmstadt gemeinsam auf die Straße gegangen. Sie fordern unter anderem einen zweistelligen Millionenbetrag vom Land.

"Hessen rück die Kohle raus, sonst geh'n hier die Lichter aus." Mit solchen Sprechchören, Trillerpfeifkonzerten und dröhnender Musik haben sich Studierende und Beschäftigte der Technischen Universität (TU) Darmstadt am Donnerstag in der Innenstadt lautstark Gehör verschafft. Unter anderem forderten sie mehr Geld für die Hochschule.

Die Polizei gab die Teilnehmerzahl mit rund 1.000 an, die Veranstalter packten in ihrer Schätzung nochmal 500 oben drauf. Gerechnet hatten sie im Vorfeld mit insgesamt 750 Demonstrierenden und sahen damit ihre Erwartungen weit übertroffen.

Inflation bedroht Forschung und Lehre

Zu dem Protest aufgerufen hatte das Bündnis "TUtalausfall verhindern", dem sich neben der Studierendenvertretung auch die Gewerkschaften Verdi, GEW und IG Metall sowie unterschiedliche Fachschaften anschlossen. Angesichts von Inflation und gestiegenen Energiekosten drohten die Schließung von Fachbereichen, Stellenabbau, aber auch eine Unfinanzierbarkeit des Studiums für viele Studierende, so die Befürchtung.

Die Palette der Forderungen reicht daher von mehr BAföG für mehr Studierende bis hin zu einer besseren finanziellen Ausstattung der Hochschule. Die TU müsse mit einem Haushaltsloch über 20 Millionen Euro rechnen, hieß es. "Wir fordern deshalb vom Land Hessen, dieses Defizit auszugleichen, damit hier nicht die Lichter ausgehen", sagte Verdi-Vertrauensmann David Behruzi in Richtung Wiesbaden.

Länder wie Rheinland-Pfalz, Berlin und Sachsen hätten angekündigt, die Preiserhöhungen für die Hochschulen auszugleichen. "Dann geht das doch wohl auch in Hessen", sagte Behruzi.

Studierende: Rücklagen nicht für Energiekosten verwenden

Tobias Kratz vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der TU sieht da wenig Hoffnung. Im Gespräch mit Studierendenvertretern vor wenigen Tagen sei Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) auf die Forderungen nicht eingegangen. Das Land erwarte von der Hochschule, dass sie ihre Rücklagen für die Kompensation der Preissteigerungen einsetze, sagte Kratz. Diese müssten aber Forschung und Lehre vorbehalten bleiben.

"Unser Anliegen ist, dass die Räume offen bleiben und wir auch im Winter hier studieren können", erklärte Kratz die Forderung nach Vorlesungen in Präsenz. Andernfalls würden Studierende zusätzlich durch höhere Heiz- und Stromkosten zu Hause belastet. "Unsere zweite Hauptforderung geht an den Bund. Wir wollen 1.000 Euro Soforthilfe für alle Studierenden, um die höheren Preise bezahlen zu können."

Kosten belasten Studierende

Viele hätten schon jetzt Angst, ihr Studium einschränken zu müssen, weil mehr Zeit für den Erwerb des Lebensunterhalts aufgewendet werden müsse, erklärte Kratz. "Studieren muss endlich wieder bezahlbar sein. Die Wissenschaft muss im Fokus der akademischen Ausbildung stehen und nicht das Zusammenkratzen von Geld für die Miete und die Mensa."

Eine weitere Forderung ist deshalb, die BAföG-Leistungen zu erhöhen und diese mehr Studierenden zukommen zu lassen. Nur elf Prozent erhielten bislang BAföG, das sei zu wenig.

Arbeitsverhältnisse entfristen

Die Demonstranten hatten sich am Mittag auf dem Lesehof der Universitäts- und Landesbibliothek versammelt. Von dort zog der Protestzug nach ersten Reden zum Luisenplatz, wo eine weitere Zwischenkundgebung stattfand. Dort machten auch Beschäftigte der Universität mit Reden, Rasseln und Transparenten auf sich aufmerksam.

"Solange wir keinen ausgeglichenen Haushalt haben, müssen wir befürchten, dass befristete Arbeitsverhältnisse in den Fachbereichen nicht verlängert werden", drückte Jens Hasenbank-Kriegbaum vom Personalrat die Ängste der Belegschaft aus. Ein Verdi-Sprecher gab den Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse in den Fachbereichen mit mehr als neunzig Prozent an. Verdi forderte daher, mehr Arbeitsverhältnisse zu entfristen.

Ministerium: Präsenzlehre soll bleiben

Das Wissenschaftsministerium teilte unterdessen mit, man verstehe die Sorgen der Beschäftigten und Studierenden. Gerade weil Corona den Studierenden viel abverlangt habe, bleibe in Hessen das Leitmotiv die Aufrechthaltung der Präsenzlehre. Außerdem hielten die Hochschulen in Hessen weiterhin geheizte Lernzentren und Bibliotheken offen. Die Landesregierung habe hierfür zu Semesterbeginn eine Million Euro bereitgestellt.

Zudem könnten Studierende beim Bund eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro beantragen. Hessen werde die Hochschulen und Studierendenwerke mit zusätzlichen Mitteln unterstützen, so das Ministerium. Über die Ausgestaltung und Höhe des Programms werde innerhalb der Landesregierung noch beraten.

Vom Luisenplatz bewegte sich die Menge gegen 14 Uhr wieder zurück zum Hauptgebäude der TU. Zu Zwischenfällen kam es nicht.

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