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Wie ist es, in der Silvesternacht zu arbeiten?

Böllern, Sekt und Party? Von wegen. Während die meisten an Silvester feiern, müssen andere arbeiten und Hessen am Laufen halten. Wie ist das und welche Geschichten erlebt man dabei?

Wer an Silvester die 112 wählt, könnte bei Tobias Hanzel landen. Denn während die meisten Menschen das neue Jahr begrüßen, sitzt er vor einer Menge großer Bildschirme. Er hat ein Headset am Ohr und die Finger auf der Tastatur. Hanzel arbeitet in der zentralen Rettungsleitstelle des Lahn-Dill-Kreises.

Egal ob Feuer, Unfall oder ein anderer Notfall: Hanzel bleibt ruhig, gibt Anweisungen und schickt Hilfe. Für ihn ist der Dienst an Silvester ein gewöhnlicher Arbeitstag: "Silvester ist jetzt eh nicht so der besondere Abend für mich. Ich habe denselben Spaß mit den Kollegen hier", erzählt Hanzel.

Reanimation bei Sanitäter-Premiere

Die Schicht dauert von 20 Uhr bis 6 Uhr morgens. Insgesamt ist die Zentrale mit drei Leuten besetzt. Für Hanzel ist es das erste Mal Silvester in der Leitstelle. In den vergangenen drei Jahren war er zum Jahreswechsel als Sanitäter unterwegs.

Seinen ersten Silvesterdienst als Sanitäter werde er wahrscheinlich nie vergessen, berichtet Hanzel: "Wir sind nachts direkt um 0 Uhr zu einem Herzinfarkt-Einsatz gefahren, der dann zur Reanimation wurde. Zum Glück ist es gut ausgegangen."

Böllerverbot-Silvester mit "Totenstille"

Sein Kollege Timo Kleinhans ist an Silvester auch in der Leitstelle im Einsatz. Er macht das schon seit sieben Jahren. Die vergangenen Silvesternächte mit Böllerverbot waren für ihn ein völliger Ausreißer. "Es war erschreckend, dass wir auf einmal bis 4 Uhr keinen Anruf hatten. Es war richtige Totenstille", erinnert sich Kleinhans.

Zwei Männer stehen im Büro vor mehreren Bildschirmen.

Da dieses Jahr wieder geböllert werden darf, rechnet Kleinhans auch mit mehr Betrieb. Er versucht, das neue Jahr mit seinen Kollegen zumindest ein bisschen zu feiern. Da werden Hände geschüttelt und mit einem Schluck Kaffe angestoßen. "Und dann geht es auch wieder an die Arbeit." Immerhin wird gemeinsam gekocht. Auf dem Silvester-Speiseplan stehen Spieße, frischer Kaiserschmarrn und einige Süßigkeiten.

"Die härteste Nacht im Jahr"

Weniger schmackhaft wird es wohl bei Carlo Schwarz von der Taxi GmbH Weilburg. Silvester sei für Taxifahrer die härteste Nacht im Jahr: "Die wenigsten arbeiten, fast alle feiern. Und dann wollen die wirklich schnell von A nach B. In der Stoßzeit von 2 Uhr bis 6 Uhr morgens ist da sehr viel los", erklärt Schwarz.

Bis zu 200 Anrufe landeten an Silvester in der Zentrale und nicht alle Aufträge seien für die fünf Fahrzeuge des Unternehmens machbar. "Gut organisieren und schnell sein", ist da angesagt.

Taxifahrer steht vor seinem Auto.

Bei all dem stressigen Hin und Her hat Schwarz aber auch kuriose und berührende Fahrten erlebt. Zum Beispiel als ein Paar von Wetzlar unbedingt vor Mitternacht in Weilburg sein wollte. Auf der Autobahn habe dann ein Lastwagen eine Panne gehabt: "Wir konnten an dem Lkw nicht vorbei und auch nicht umdrehen - und haben nachts um 0 Uhr mit einem Glas Wasser Silvester im Auto gefeiert", erzählt Schwarz.

Hanzel, Kleinhans und Schwarz - nur einige von vielen Menschen in Hessen, die das Land am Laufen halten, damit die meisten ins neue Jahr reinfeiern können.

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