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Wilhelm-Leuschner-Medaille posthum für Fritz Bauer

Er galt als erbitterter Nazi-Jäger und Chefankläger im wichtigsten Prozess der Bundesrepublik: Fritz Bauer. 54 Jahre nach seinem Tod wird der frühere hessische Generalstaatsanwalt nun mit der höchsten Auszeichnung des Landes geehrt - erst als zweite Person posthum.

Fast wäre Fritz Bauer selbst Hitlers Schergen zum Opfer gefallen, um sie sich später umso vehementer vorzuknöpfen. Für seinen unermüdlichen Einsatz für die deutsche Demokratie wird der ehemalige hessische Generalstaatsanwalt in diesem Jahr posthum mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille, der höchsten Ehrung des Landes Hessen, bedacht.

Das gab Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) am Dienstag bekannt. Bauers in Schweden lebende Großnichte Marit Tiefenthal werde die Ehrung am hessischen Verfassungstag, dem 1. Dezember, in der Frankfurter Universität stellvertretend entgegennehmen, teilte die Staatskanzlei in Wiesbaden mit.

"Schlüsselfigur der jungen deutschen Demokratie"

Der 1968 verstorbene Bauer setzte sich in der Nachkriegszeit maßgeblich dafür ein, die Verbrechen im Nationalsozialismus zu verfolgen. Vor allem sorgte er dafür, dass die Frankfurter Auschwitz-Prozesse gegen führende Mitglieder der SS-Wachmannschaft im Konzentrationslager Auschwitz geführt wurden.

Auch zur Festnahme des NS-Kriegsverbrechers und Massenmörders Adolf Eichmann durch israelische Agenten trug er mit entsprechenden Hinweisen maßgeblich bei.

Fritz Bauer im Jahr 1961

"Fritz Bauer ist eine der Schlüsselfiguren der jungen deutschen Demokratie. Mit seinem Wirken, seiner Beharrlichkeit und seiner Ausdauer ebnete er den Weg Deutschlands zum politischen Neubeginn nach den Grauen des Zweiten Weltkriegs", begründete Ministerpräsident Rhein die Auszeichnung 54 Jahre nach Bauers Tod.

Der Jurist habe sich Zeit seines Lebens dafür eingesetzt, "die Ideologie des NS-Regimes zu enttarnen", fügte Rhein hinzu: "Er stritt unermüdlich dafür, das nationalsozialistische Unrecht juristisch zu ahnden. Sein Ziel war dabei nie die Vergeltung - ihm ging es darum, die schrecklichen Verbrechen sichtbar zu machen und aufzuarbeiten."

KZ und Flucht nach Schweden

Bauer wurde am 16. Juli 1903 als Kind einer deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie in Stuttgart geboren. Er studierte in München und Tübingen und promovierte 1927 in Heidelberg. Von 1930 an war er am Stuttgarter Amtsgericht der jüngste Hilfsrichter in Deutschland. Im Jahr 1933 musste er sein Amt niederlegen und wurde für einige Monate im Konzentrationslager Heuberg inhaftiert. Später emigrierte Bauer nach Dänemark. Im Oktober 1943, als die Deportation der dänischen Juden begann, gelang ihm mit seiner Familie die Flucht nach Schweden.

Nach Kriegsende kam der Sozialdemokrat Bauer mit Unterstützung des SPD-Politikers Kurt Schumacher nach Deutschland zurück und wurde ein Jahr später zum Generalstaatsanwalt in Braunschweig ernannt.

Der damalige hessische Ministerpräsident Georg-August Zinn berief ihn 1956 in das Amt des hessischen Generalstaatsanwalts nach Frankfurt. In dieser Position war Bauer Chefankläger im ersten Auschwitz-Prozess, dem wichtigsten Prozess der Bundesrepublik, der von Dezember 1963 bis August 1965 stattfand. 1968 starb der Jurist in Frankfurt.

Filme, Bücher und Ausstellungen

Für sein Wirken wurde Bauer in zahlreichen Ausstellungen, Büchern und Filmen geehrt. Zu den bekanntesten Werken zählt der Kinofilm "Der Staat gegen Fritz Bauer", in dem auch Bauers Kampf gegen teils behördliche und gesellschaftliche Widerstände im Nachkriegs-Deutschland zur Sprache kam.

Mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille kommt nun eine weitere bedeutende Ehrung hinzu. Die hessische Auszeichnung wird seit den 1960er-Jahren jährlich an Menschen verliehen, die sich vorbildlich für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben.

Unter den bisherigen Preisträgern sind unter anderem Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der Philosoph Jürgen Habermas und der ermordete Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU), der die Würdigung erstmals posthum überreicht bekam. Bauer ist die zweite Person, die die Medaille nach dem Tod erhält.

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