Zwei Frauen mit drei Halbwüchsigen Söhnen vor der Frankfurter Skyline

Regenbogenfamilien stoßen noch immer auf viele Vorurteile. Wie kann Kindererziehung mit zwei gleichgeschlechtlichen Elternteilen gelingen? Eine Frankfurter Regisseurin hat ein lesbisches Paar mit drei Kindern mehr als ein Jahrzehnt begleitet. Jetzt kommt der Film in die Kinos.

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Filmdoku über Regenbogenfamilie

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Als Anny und Pedi sich kennen- und lieben lernen wird schnell klar: Wir wollen beide Kinder, wir wollen eine Familie gründen. Mit einer Annonce gehen die beiden Frankfurterinnen auf die Suche nach einem Samenspender. Die Wahl fällt auf Eike, einen zurückhaltenden Heilpraktiker mit einem Faible für asiatische Kampfkunst. Er wird der biologische Vater für die drei Söhne, die Anny und Pedi austragen.

Kurz bevor Anny den jüngsten Sohn Pino auf die Welt bringt beginnt die Regisseurin Annette Ernst, die Familie mit der Kamera zu begleiten. Eine Langzeitstudie, die sich über 12 Jahre hinzieht. Sie wollte mit der Regenbogenfamilie Antworten auf die Fragen finden, die mitunter sehr heftig und vorurteilsbeladen diskutiert werden: Fehlt den Kindern bei gleichgeschlechtlichen Eltern das jeweils andere Geschlecht? Darf man den Kindern zumuten, eine Sonderrolle zu spielen?

Ein Lebensmodell ohne Vorbilder

"Ich wollte die Familie begleiten, die durch die Wellen in einer Gesellschaft kommt, die noch keine Vorbilder für sie hat", sagt Ernst. Anny und Pedi, aber auch die Kinder und Vater Eike geben dafür intime Einblicke ins Familienleben, beantworten zum Beispiel auch die Frage nach dem Zeugungsakt.

Auch Annys Eltern und ihr Bruder kommen in dem Film zu Wort. Sie formulieren ihr anfängliches Unbehagen und sprechen von dem Lernprozess, den sie durchlaufen. Es sind sehr persönliche Einblicke, die die bunte Familie im Film und damit der Öffentlichkeit präsentiert.

Ein Mann in einem weißen Gewand sitzt in einem asiatisch gestalteten Garten.

Das sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Anny: "Es ist schon herausfordernd, wenn jemand so nah an dir dran ist. Aber wir wollen etwas bewegen und es ist in Ordnung, dafür etwas von uns zu zeigen, es lebendig zu machen." Und Pedi ergänzt: "Es ging um den Auftrag, dass wir anderen Regenbogenfamilien zeigen, dass wir eine ganz normale Familie sind."

Fragen sind nervig, aber verständlich

Irgendwie anders leben und doch ganz normal sein, das sei die Botschaft, sagen die Frauen. Es bleibe nur das ewige Erklären, auch für die Kinder. "Jedes Mal, wenn man über seine Familie redet, ist das Thema. Das hat einen genervt. Aber ich habe auch Verständnis dafür, mich würde es auch interessieren", sagt Linus, mit 18 Jahren der älteste Sohn.

In mehreren Szenen im Film sind die Jungen in der Situation, Gleichaltrigen zu erklären, was es mit der Konstellation "Mutter, Mutter, Kind" auf sich hat.

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"Mutter Mutter Kind" kommt ins Kino

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Dieses Interesse an einer anderen Lebensweise beantwortet der Film munter und teilweise sehr unterhaltsam. Eike hat nämlich nicht nur mit Anny und Pedi Kinder gezeugt, was für die Patchwork-Familie unerwartet ganz neue Konstellationen ergibt...

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Mutter, Mutter, Kind - Let's do this differently

Ab 20. Oktober im Kino, unter anderem in Marburg und Frankfurt.

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