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Büchnerpreis für Emine Sevgi Özdmar

Die türkisch-deutsche Autorin Emine Sevgi Özdamar erhält den diesjährigen Georg-Büchner-Preis. In Frankfurt ist die Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin keine Unbekannte.

Der Georg-Büchner-Preis 2022 geht an Emine Sevgi Özdamar. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit.

Nach Angaben der Akademie soll der Preis am 5. November im Staatstheater Darmstadt übergeben werden. Er ist mit 50.000 Euro dotiert und gehört zu den wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Emine Sevgi Özdamar war bereits 2003 Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim.

Ein Panorama deutsch-türkischer Geschichte

Über das Werk der 1946 in der Türkei geborenen Autorin schreibt die Jury, Özdamar bereichere seit über drei Jahrzehnten die deutschsprachige Literaturszene mit ihren Romanen, Erzählungen und Theaterstücken, zuletzt mit dem Opus magnum "Ein von Schatten begrenzter Raum".

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"Ungewohnte literarische Stilmittel und aus dem Türkischen inspirierte Sprechweisen prägen ihre multiperspektivischen Texte, die neben intimen persönlichen Erfahrungen ein breites Panorama deutsch-türkischer Geschichte entfalten − vom Ersten Weltkrieg über die Aufbruchstimmung der sechziger und siebziger Jahre bis in unsere Gegenwart", so die Jury.

Flucht nach Militärputsch

Emine Sevgi Özdamar, geboren am 10. August 1946 in Malatya/Türkei, ist Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin. Aufgewachsen in Istanbul und Bursa hatte sie schon früh Kontakt zum Theater, das später eine zentrale Rolle in ihrem Leben einnimmt. Nach dem Militärputsch in der Türkei 1971 mit Massenverhaftungen und Zensur ging Özdamar 1975 nach Berlin und wurde Assistentin des Brecht-Schülers Benno Besson und des Regisseurs Matthias Langhoff an der Ost-Berliner Volksbühne.

Ihre Arbeit führte sie weiter nach Paris und Avignon, dann von 1979 bis 1984 ans Bochumer Schauspielhaus unter der Intendanz von Claus Peymann. In diese Zeit fällt auch der Beginn ihres Schreibens mit dem 1982 erschienenen Theaterstück "Karagöz in Alemania". Romane, Erzählungen und weitere Theaterstücke folgten.

Durchbruch mit Bachmann-Preis

1991 gelang ihr mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis der literarische Durchbruch. Der ausgezeichnete Text war ein Auszug aus ihrem von der Kritik als bahnbrechendes, literarisches Ereignis gefeierten Romanerstling "Das Leben ist eine Karawanserei - hat zwei Türen - aus einer kam ich rein aus der anderen ging ich raus".

Im vergangenen Jahr erweckte Özdamar erneut die Aufmerksamkeit der deutschsprachigen literarischen Öffentlichkeit mit ihrem sprachgewaltigen, fast 800 Seiten umfassenden Roman "Ein von Schatten begrenzter Raum".

Büchner-Preis seit 1951 verliehen

Seit 1951 vergibt die Akademie den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten" und "an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben", heißt es in der Satzung. Der Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert.

Zu den Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt Rainald Goetz, Marcel Beyer, Jan Wagner, Terézia Mora, Lukas Bärfuss, Elke Erb und Clemens J. Setz. Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner ("Woyzeck"). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

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