Stich für Stich zur Spitze Schwälmer Weißstickerei aus Nordhessen ist immaterielles Kulturerbe

Nach der Apfelweinkultur ist nun auch die Schwälmer Weißstickerei als Kulturerbe geschützt. Das traditionelle Kunsthandwerk, das noch heute ausgeübt wird, ist der dritte Eintrag aus Hessen in der Unesco-Liste in Deutschland.

Stoff mit Stickereien
Ausschnitte aus zwei Kissenborten von 1826 (oben) und von 1842 (unten). Bild © Luzine Happel
  • Link kopiert!
Audiobeitrag
Bild © Luzine Happel| zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Die Schwälmer Weißstickerei aus Nordhessen steht jetzt im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Das haben der Vorsitzende der Kulturministerkonferenz, der hessische Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels, und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth, am Mittwoch in Berlin bekanntgegeben.

"Die Schwälmer Weißstickerei ist ein einzigartiges Kunsthandwerk meiner nordhessischen Heimat. Ich freue mich, dass es nun im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde", sagt der Hessische Kunst- und Kulturminister und Vorsitzende der Kulturministerkonferenz Timon Gremmels. Kultur sei nicht nur in Museen und Theatern zu finden, Kultur werde täglich von Menschen gelebt – zum Beispiel in der traditionellen Handarbeit.

Schwälmer Stickerei
Jetzt Kulturerbe: Schwälmer Weißstickerei Bild © Marit Tesar (hr)

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hatte den entsprechenden Antrag der Autorin Luzine Happel unterstützt, die in ihrer Schwälmer Heimat und online ihr Wissen über die einzigartige Handwerkskunst weitergibt.

Handarbeit, die nicht mit Maschinen ersetzt werden kann

Für die Schwälmer Weißstickerei typisch sind Muster wie das Herz und die Blume, vorwiegend die Tulpe, verbunden mit Blättern und Ranken. Berühmt ist die nordhessische Stickerei für ihre Vielfalt an Formen, lebendigen Sinnbildern, Symbolen und Fruchtbarkeitssymbolen. Ihren Namen verdankt sie der zwischen Kassel im Norden, Marburg im Südwesten und Bad Hersfeld im Osten gelegen Landschaft Schwalm.

Die Stickkunst entwickelte sich vor über 400 Jahren als Reaktion auf ein berühmtes sächsisches Vorbild: Die hauchzarte gestickte Dresdner Spitze, die nur der Aristokratie zugänglich war, faszinierte die Landfrauen so sehr, dass sie kreative Wege fanden, eine ähnliche Spitze zu fertigen. Dafür nutzten sie das Material, das sie hatten – groben Leinenstoff – und verwendeten wie beim Dresdner Vorbild eine Vielzahl an Stichen aus mehreren technisch anspruchsvollen Grundtechniken. Bis heute ist es nicht möglich, eine vergleichbare Spitze maschinell herzustellen.

Mit der Schwälmer Weißstickerei gibt es nun drei Einträge mit direktem hessischem Bezug im Bundesweiten Verzeichnis für Immaterielles Kulturerbe: Der Hessische Kratzputz steht seit 2016 auf der Liste, die Apfelweinkultur kam 2022 hinzu.

Immaterielles Kulturerbe wahrt regionale Traditionen

Beim Immateriellen Kulturerbe stehen traditionelle Bräuche, Künste, Feste und Handwerkstechniken im Mittelpunkt. Das Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003 will "dieses Erbe, seine Vielfalt und Kreativität bewahren und den gegenseitigen Respekt der Menschen vor ihren Kulturen stärken".

Das Aufnahmeverfahren ist mehrstufig: Erst, wenn ein regionaler Brauch oder ein besonderes Können im Bundesweiten Verzeichnis für Immaterielles Kulturerbe eingetragen ist, kann es in die weltweiten Listen der Unesco aufgenommen werden.

Weitere Informationen

Sendung: hr4, 13.03.2024, 15.30 Uhr

Ende der weiteren Informationen

Quelle: hessenschau.de