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Porträt des Stifters Johann Christian Senckenberg

Er ist als großer Stifter in die Frankfurter Geschichte eingegangen. Heute vor 250 Jahren starb Johann Christian Senckenberg. Unter anderem verdankt ihm die Stadt das erste öffentliche Krankenhaus.

Im Frankfurt des 18. Jahrhunderts gibt es keine geregelte medizinische Versorgung, kein öffentliches Krankenhaus. 1763 beschließt Johann Christian Senckenberg sein gesamtes Vermögen für das Gemeinwohl aufzuwenden, gründet eine Stiftung und stößt eine Reform des Frankfurter Gesundheitswesens an. Arme Menschen sollen unentgeltlich versorgt, wissenschaftliche Projekte gefördert werden. Fünf Fakten über den Arzt und Stifter, der vor 250 Jahren in Frankfurt gestorben ist:

1. Langes Warten auf ein Studium, aber nur kurze Dauer

Johann Christian Senckenberg (28.2.1707 - 15.11.1772) will wie sein Vater Arzt werden, doch im Jahr 1719 brennt das Wohnhaus der Familie nieder. Der Wiederaufbau bringt die Senckenbergs in finanzielle Schwierigkeiten, die auch dazu führen, dass er warten muss, bis er 1730 sein Medizinstudium an der Universität Halle beginnen kann.

Doch statt sich auf sein Fach zu konzentrieren, verstrickt er sich in theologische Streitigkeiten. Er verweigert Abendmahl und Kirchgang, steht in Kontakt mit kirchenkritischen Bewegungen wie Pietisten, Inspirationsgemeinden und Herrnhutern. 1731 muss Senckenberg das Studium abbrechen, im Frühjahr darauf kehrt er von Depressionen geplagt nach Frankfurt zurück.  

2. Promotion über die Heilkraft vom Maiglöckchen 

Das Frankfurter Sanitätsamt drückt ein Auge zu und lässt Senckenberg auch ohne Approbation als Arzt praktizieren. 1737 holt er dann mithilfe seines drei Jahre älteren Bruders Heinrich Christian die Promotion an der Georg-August-Universität Göttingen nach. Thema: De Lilii convallium eiusque inprimis baccae viribus – Über die Heilkraft der Beeren des Maiglöckchens. Nach Vorbild des Vaters wird Senckenberg erst Physicus extraordinarius, 1755 dann Physicus ordinarius für das Gesundheitswesen in Frankfurt. 

3. Senckenberg Museum geht indirekt auf den Stifter zurück

Der Name Senckenberg ist in Frankfurt stadtbekannt – dem Senckenberg Museum sei Dank. Mit dem Stifter Johann Christian Senckenberg hat das Museum allerdings nur indirekt zu tun. 1817, mehr als 40 Jahre nach seinem Tod, gründet sich die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, die auf die Gründung des Museums hinwirkte. Sie trägt zwar den Namen Senckenbergs, ist aber unabhängig von der Dr. Senckenbergischen Stiftung. 

4. Schwere familiäre Schicksalsschläge 

1740 stirbt Senckenbergs Mutter Anna Margaretha. Zwei Jahre später heiratet Senckenberg die Juwelierstochter Johanna Rebecca Riese, doch ihr Glück währt nicht lange. 1743 verstirbt Johanna Rebecca nur eine Woche nach der Geburt des ersten Kinds am Kindbettfieber. Ihr Vermögen wird neben Senckenbergs Einkünften aus ärztlicher Tätigkeit den Grundstock für das spätere Stiftungsvermögen bilden.  

1744 heiratet Senckenberg erneut – wohl auch, um die Tochter aus erster Ehe zu versorgen. Doch das Mädchen stirbt. Mit seiner zweiten Ehefrau Katharina Rebecca Mettingh bekommt Senckenberg 1747 einen Sohn, er wird nur dreieinhalb Monate alt. Die Mutter verstirbt im selben Jahr an den Spätfolgen der Geburt. 1754 heiratet Senckenberg ein drittes und letztes Mal, doch glücklich wird er mit Antonetta Elisabetha Ruprecht nicht. Die beiden leben bereits 1756 getrennt voneinander. Allerdings behandelt Senckenberg die an Krebs Erkrankte bis zu ihrem Tod weiter.  

Nach all den familiären Schicksalsschlägen entscheidet sich Senckenberg, sein gesamtes Vermögen zu stiften – in "Ermangelung ehelicher Leibes-Erben" und in Liebe "zu meinem Vaterland", wie im Gründungsdokument von 1763 steht. Die Stiftung solle eine bessere Gesundheitspflege für die Menschen in Frankfurt sowie die Versorgung armer Menschen ermöglichen.  1771 legt er den Grundstein für das von ihm gestiftete Bürgerhospital.

 5. Ironie des Schicksals

Die Eröffnung des Bürgerhospitals erlebt Johann Christian Senckenberg allerdings nicht mehr. Am 15. November 1772 stürzt er bei der Inspektion des Uhrtürmchens auf dem Nordflügel des Gebäudes vom Baugerüst in die Tiefe. Bewusstlos und am Hinterkopf blutend wird er gefunden und in seine Wohnung gebracht, wo er am selben Abend den Verletzungen erliegt.  

Senckenberg wird in einem Totenhemd beigesetzt, das aus dem grünen Brautkleid seiner ersten Frau gefertigt worden war. Zuvor jedoch war noch eine Sache geschehen, die der Stifter so nicht vorgesehen hatte: Obwohl Senckenberg zu Lebzeiten untersagt hatte, seinen Leichnam zu öffnen, geschah genau das. Im Saal der Senckenbergischen Anatomie wurde ihm Rahmen der ersten Sektion dort überhaupt die Todesursache festgestellt: Halswirbelsäulenfraktur mit aufsteigender Blutung im Rückenmarkskanal. 

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