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Marvin E. aus Spangenberg äußert sich zu politischer Position

Hitler-Sticker und rassistische Sprüche: All das habe der wegen Terrorverdachts Angeklagte Marvin E. lustig gefunden, wie er vor Gericht angibt. Das veranlasst den Richter zu einem Kommentar über den mutmaßlichen Rechtsextremisten.

Die Inhalte eines WhatsApp-Chats haben den Vorsitzenden Richter des Terrorprozesses gegen den mutmaßlichen Rechtsextremen Marvin E. am Freitag zu einem Kommentar über den Angeklagten veranlasst. Was ist das für ein Mensch, der so etwas lustig findet?", fragte Christoph Koller am Frankfurter Oberlandesgericht. "Da sind ja ganz viele rassistische Sachen drin."

Eigene Einschätzung: "Mitte-Rechts"

Im Chatverlauf waren immer wieder Sticker mit Hitler-Bildern statt Smileys oder ähnlicher Motive zu sehen. Ein anderer Sticker zeigte einen bewaffneten weißen Mann, der auf ein schwarzes Kind Jagd macht, darüber ein zynisch-rassistischer Spruch. Er habe das damals lustig gefunden, kommentierte der 20-jährige Marvin E. aus Spangenberg (Schwalm-Eder) das Gesehene vor Gericht.

Marvin E. muss sich seit Anfang August wegen der versuchten Gründung einer terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verantworten.

Am Freitag hatte der Angeklagte auch zu seiner politischen Position Stellung bezogen. Er habe sich von einigen seiner früheren Überzeugungen distanziert und stuft sich nun politisch als "Mitte-Rechts" ein.

Marvin E. suchte Mitglieder für "AWD Hessen"

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 20-Jährigen vor, aus rechtsextremen Motiven Anschläge mit Schusswaffen und Sprengsätzen geplant zu haben. In sozialen Medien habe er über Wochen hinweg nach Gleichgesinnten für eine Terrororganisation gesucht.

Er habe im Sommer 2021 den Entschluss gefasst, innerhalb von drei Jahren in Deutschland einen "Rassen- und Bürgerkrieg" im Sinne der AWD-Ideologie zu entfachen, teilte die Karlsruher Behörde im April zur Anklage mit. Die terroristische Gruppierung Atomwaffen Division (AWD) wurde in den USA gegründet und hat seitdem weltweit Ableger gebildet.

Die Wohnung des Tischler-Azubis, der bei der Kommunalwahl 2021 als freier Bewerber auf der Liste der CDU für die Stadtverordnetenversammlung Spangenberg kandidiert hatte, war ursprünglich wegen eines möglichen Waffendelikts durchsucht worden. Dabei fanden die Ermittler nach früheren Angaben rund 600 selbst gebaute Kleinsprengkörper, sechs sogenannte unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen und ein rassistisches Manifest.

Seit einem Jahr in U-Haft

Der mit drei Berufsrichtern besetzte Staatsschutzsenat muss entscheiden, ob das Jugendstrafrecht gegen den Angeklagten zur Anwendung kommt, da er die Taten als Heranwachsender im Alter von 19 Jahren begangen haben soll. Marvin E. sitzt seit seiner Festnahme im September 2021 in Untersuchungshaft.

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